Mitgliederstatistik der Volksparteien SPD stirbt langsamer

2008 lag die CDU im Mitgliederwettstreit mit der SPD erstmals vorne - nun haben die Sozialdemokraten nach SZ-Informationen den Normalzustand der deutschen Nachkriegsgeschichte wiederhergestellt. Die SPD hat aber nicht mehr Mitglieder gewonnen, sondern nur weniger verloren.

Von Robert Roßmann, Berlin

Es sind Aktionen wie diese, die den Sozialdemokraten jetzt zum Triumph über die CDU verholfen haben. Jahrelang hatten die Augsburger Jungsozialisten SPD-Chef Sigmar Gabriel zu ihrer Weihnachtsfeier eingeladen, jedesmal ohne Erfolg. Doch die Schwaben wollten nicht aufgeben. Anfang des Jahres boten sie ihrem Parteivorsitzenden deshalb eine Wette an: Wenn sie 40 neue SPD-Mitglieder werben könnten, müsse Genosse Sigmar zur nächsten Weihnachtsfeier kommen. Gabriel strich die 40 durch, machte eine 45 daraus - und schlug ein. Jetzt hat er einen Termin mehr im Kalender. Denn die Jungsozialisten gewannen die Wette. Am 11. Dezember wird der SPD-Vorsitzende bei der Augsburger Feier erscheinen, am Sonntag hat er den Jusos zugesagt.

Wird nach verlorener Wette auf der Weihnachtsfeier der Augsburger Jusos erscheinen: der SPD-Bundesvorsitzende Sigmar Gabriel.

(Foto: dapd)

Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung liegt die Bundes-SPD jetzt bei der Mitgliederzahl vor der CDU - auch dank solcher Aktionen wie der von Augsburg. In der letzten bekannt gegebenen Statistik rangierten die Sozialdemokraten noch 15 Mitglieder hinter den Christdemokraten. 484.397 Mitglieder hatte die CDU Ende April, die SPD kam nur auf 484.382.

Internen Aufstellungen der beiden Parteien zufolge hat sich das Verhältnis jetzt umgekehrt. Am 30. Juni lagen die Sozialdemokraten um 275 Mitglieder vorne. Die Statistiken weisen für die SPD 483.226 und für die CDU 482.951 Mitglieder aus. Damit haben die Sozialdemokraten die Christdemokraten zum ersten Mal seit vier Jahren wieder überholt. Zu dem Erfolg hat auch der Triumph von Hannelore Kraft bei der Landtagswahl im Mai beigetragen. Nordrhein-Westfalen sei "ein richtiger Schub" gewesen, heißt es im Willy-Brandt-Haus.

Der SPD ist es damit gelungen, den Normalzustand der deutschen Nachkriegsgeschichte wieder herzustellen. Bis zum Jahr 2008 lagen die Sozialdemokraten immer vor der CDU. In ihrer besten Zeit Mitte der Siebzigerjahre hatte die SPD sogar mehr als eine Million Mitglieder, die CDU kam nie über 735.000 hinaus.

An diesen Zahlen kann man aber auch ablesen, dass es beim Wettrennen zwischen den beiden Parteien eher um ein Wettsterben geht. Der Gewinner hat nicht mehr Mitglieder gewonnen, sondern nur weniger verloren. Vor 30 Jahren waren fast drei Prozent der Bundesdeutschen Mitglied von SPD oder CDU, heute sind es nur noch gut ein Prozent. Die Bindekraft der Volksparteien hat nicht nur bei den Wahlergebnissen, sondern auch bei der Mitgliederzahl deutlich nachgelassen. Dies trifft CDU und SPD vor allem bei der Parteienfinanzierung hart.

Für die Christdemokraten gibt es aber trotz der neuen Zahlen einen Trost. Zusammen mit den gut 150.000 CSU-Mitgliedern in Bayern liegt die Union immer noch vor der SPD.