Missbrauchsskandal Justizministerin fordert Entschädigung für Opfer

Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger verlangt von der katholischen Kirche Entschädigungszahlungen.

Von Susanne Höll und Matthias Drobinski

Führende Politiker der Bundesregierung und der Opposition haben die katholische Kirche und andere Institutionen aufgerufen, Opfer sexuellen Missbrauchs finanziell zu entschädigen.

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) forderte die katholische Kirche auf, die Aufklärung von Missbrauchsfällen konsequenter anzugehen als bisher. "Es braucht ein klares Signal an die Opfer, wie zum Beispiel das Gespräch über freiwillige Wiedergutmachungen in den Fällen, in denen die rechtliche Verjährung eingetreten ist."

Dies wäre "ein Stück Gerechtigkeit, auch wenn sich das erlittene Unrecht materiell nicht aufwiegen lässt", sagte Leutheusser-Schnarrenberger der Süddeutschen Zeitung. Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, dass nur Fälle zugegeben werden, die sich nicht länger bestreiten lassen, fügte die Ministerin hinzu.

Skeptisch beurteilte sie dagegen die Forderung nach längeren Verjährungsfristen für sexuellen Missbrauch jugendlicher Schutzbefohlener. Sie wisse nicht, ob solche Taten 30 Jahre später noch zweifelsfrei von Gerichten geklärt werden könnten. Die CDU ist dagegen nach Angaben ihres Generalsekretärs Hermann Gröhe offen für eine Verlängerung der Fristen. Viele Opfer seien erst nach vielen Jahren in der Lage, sich mit ihrem Leid auseinanderzusetzen, sagte Gröhe.

Auch SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles, eine praktizierende Katholikin, appelliert an ihre Kirche, Opfer zu entschädigen, richtet ihren Appell aber auch an Träger weltlicher Einrichtungen wie etwa die Odenwaldschule, wo es ebenfalls Missbrauchsfälle gab. "Überall dort, wo systematischer Missbrauch über längere Zeit vertuscht wurde, muss Aufklärung geschaffen werden, damit sich das nicht wiederholt." Eine symbolische Entschädigung "wäre ein angemessenes Angebot an die Opfer von damals", sagte sie der SZ.

Die Bundesregierung richtet nun einen runden Tisch zum Thema Missbrauch ein. Die erste Sitzung soll am 23.April stattfinden, sagen Familienministerin Kristina Schröder und Bildungsministerin Annette Schavan (beide CDU).

"Angesichts der bekannt gewordenen schrecklichen Ereignisse müssen wir handeln", sagte Schröder. Die Ministerin strebt eine Selbstverpflichtung von Schulen oder Vereinen zum Verhalten bei Missbrauchsfällen an. Kinder und Jugendliche sollen sensibilisiert werden, Missbrauch zu erkennen und zu benennen.

Am runden Tisch sollen Eltern- und Lehrervertreter, Schul- und Internatsträger, die Kirchen und die Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege sowie Vertreter von Ländern und Kommunen sitzen. Der Missbrauchsbeauftragte der katholischen Bischöfe, Stephan Ackermann, begrüßte die Ankündigung: "Die Bischofskonferenz ist selbstverständlich dabei," sagte er.

Im Video: Die Leitung der Odenwaldschule hat sich bei ihren ehemaligen Schülern wegen des Missbrauchskandals entschuldigt

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