Militäreinsatz gegen Terrorzelle Nigeria nimmt mutmaßliches Boko-Haram-Führungsmitglied fest

Ein nigerianischer Soldat im Zentrum der Stadt Abuja, Nordnigeria. Die islamistische Terrorzelle Boko Haram hat seit 2009 mehrere tausend Menschen getötet. Sie will in Nigeria einen Gottesstaat errichten.

(Foto: AP)

Nigeria wehrt sich gegen den Terror der Boko-Haram-Miliz: Zweieinhalb Monate nach der Entführung von mehr als 200 Schülerinnen haben nigerianische Sicherheitskräfte einen Geschäftsmann verhaftet, der im Verdacht steht, ein führender Vertreter der radikal-islamischen Gruppierung zu sein.

  • Nigerianische Sicherheitskräfte haben einen mutmaßlichen führenden Vertreter der Terrorgruppe Boko Haram festgenommen, der an der Entführung der gut 200 Schülerinnen beteiligt gewesen sein soll.
  • Erneuter Bombenanschlag auf Markt in Nordnigeria, mehr als 15 Tote befürchtet
  • Boko-Haram-Miliz terrorisiert Nigeria und will Land nach streng-sunnitischem Glauben einrichten

Militär hebt Islamistenzelle aus und nimmt mutmaßliches Führungsmitglied fest

Zweieinhalb Monate nach der Entführung von mehr als 200 Schülerinnen haben nigerianische Sicherheitskräfte einen mutmaßlichen führenden Vertreter der radikal-islamischen Boko-Haram-Miliz festgenommen. Es handle sich um einen Geschäftsmann, der verdächtigt werde, der Geheimdienstchef der Organisation zu sein, teilte das nigerianische Militär mit. Er soll demnach an den Planungen der Entführung und mehrerer Angriffe der Islamisten in Maiduguri im Nordosten Nigerias beteiligt gewesen sein. Die Entführung von 276 Schülerinnen im vergangenen April hatte weltweit Empörung ausgelöst. 219 der Mädchen werden immer noch gefangen gehalten

Der Verdächtige habe seine Mitgliedschaft in einer regierungsloyalen Bürgerwehr als Tarnung genutzt, sagte Generalmajor Chris Olukolade. Der Mann habe seit 2011 mehrere tödliche Angriffe koordiniert, unter anderem auf Militärstellungen.

Auch Frauen unter den Festgenommenen

Bei dem Militärschlag gegen die Terrorzelle seien außerdem zwei Frauen festgenommen worden. Eine von ihnen soll Zahlungen an Boko-Haram-Kämpfer organisiert haben.

Bombenanschlag auf Markt in Maiduguri

Im Nordosten Nigerias haben mutmaßliche Islamisten am Dienstag erneut einen schweren Bombenanschlag verübt. Der Sprengsatz sei am Morgen auf einem belebten Markt in der Stadt Maiduguri explodiert, berichtete die Zeitung Premium Times. Nach Angaben des Senders BBC kamen bei dem Anschlag mindestens 18 Menschen ums Leben.

Ganz in der Nähe befinde sich ein Elektrizitätswerk. Da sich um diese Uhrzeit immer viele Geschäftsleute in der Region befänden, würden zahlreiche Opfer befürchtet, hieß es. Eine Augenzeugin sagte der Nachrichtenagentur dpa: "Ich bin überall voller Blut und habe mindestens 20 Leichen gesehen." Die Bombe sei in einem mit Kohle beladenen Fahrzeug versteckt gewesen, teilte die Armee über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. Es wird vermutet, dass Mitglieder der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram verantwortlich sind.

Welche Rolle spielt Boko Haram in Nigeria?

Die Extremistengruppe Boko Haram will den traditionell muslimisch geprägten Norden Nigerias zu einem islamistischen Staat machen. Seit 2009 verüben die Boko-Haram-Kämpfer Anschläge in den nordöstlichen Bundesstaaten Adamawa, Borno und Yobe - vorrangig auf Zivilisten in Regierungseinrichtungen, Kirchen und Schulen. Ziel der Angriffe sind nicht nur Christen, sondern auch moderate Muslime. Der Regierung in Abuja wird vorgeworfen, weitgehend machtlos gegen die Islamistengruppe zu sein.

Mit dem Überleben beschäftigt

"Unsere politischen Führer sind immun gegen unsere Schreie": Fast kein Tag vergeht in Nigeria ohne neue Opfer des Terrors. Die politische Klasse des Landes gibt ein erbärmliches Bild ab. Vor allem der muslimische Norden sackt immer weiter ab - dies scheint sich in der Zerstörungswut von Boko Haram zu spiegeln. Von Stefan Klein mehr ...

Allein seit Jahresbeginn sind bei Anschlägen der Terrorgruppe weit mehr als 2000 Menschen ums Leben gekommen. Erst am Wochenende wurden mehrere Dörfer und Kirchen rund um Chibok überfallen. In der vergangenen Woche gab es eine schwere Explosion vor einem Einkaufszentrum in der Hauptstadt Abuja.