Merkel-Homepage Kanzlerin in falschen Händen

Das WIR entscheidet? Bei der CDU eigentlich nicht.

(Foto: Screenshot: angelamerkel.de)

Die CDU hat eine neue Wahlkampf-Website für Angela Merkel ins Netz gestellt. Sehr chic, sehr amerikanisch. Ärgerlich für die Union: Passt der Internetnutzer nicht ganz genau auf, landet er bei der SPD. Wer steckt dahinter? Womöglich ein SPD-Kritiker.

Von Michael König, Berlin

Achtung, eine Mitteilung der CDU: "Angela Merkel mit neuem Internetauftritt." Der Text beginnt: "Übersichtlich im Design, benutzerfreundlich und mit klaren Strukturen ..." Zugegeben, weiter bin ich nicht gekommen. Die Pressestellen der Parteien schicken mir jeden Tag solche Botschaften, oft sind sie eher semi-relevant. Also ignorierte ich die Mitteilung auch, als ich einen Tag später doch mal sehen wollte, wie er denn aussieht, der neue Internetauftritt. Ich öffnete einfach den Browser und tippte ein: angelamerkel.de - Enter - Überraschung!

Purpur und Rot schlugen mir entgegen, der Slogan "Das WIR entscheidet" und ganz rechts ein feist grinsender Hanseat vor der Berliner Oberbaumbrücke. Für Millisekunden fragte ich mich, ob der Unterschied zwischen den beiden deutschen Volksparteien wirklich so klein geworden ist, dass CDU und SPD sich mittlerweile eine Website teilen. Aber nein, ich war bei den Sozialdemokraten gelandet. angelamerkel.de führt geradewegs zu den Plakatmotiven der SPD.

Oho, Guerilla-Wahlkampf?

Ich wunderte mich und googelte. Klar, die richtige Adresse lautet angela-merkel.de, so stand es ja auch in der Pressemitteilung. Da ist das Original, sehr chic, sehr amerikanisch, angelehnt an das hoch gelobte Projekt "Snow Fall" der New York Times. Den Irrweg zur Seite ohne Bindestrich war offenkundig nicht nur ich gegangen: "Wehe, man gibt die Homepage-URL falsch ein. Dann geschieht plötzlich Guerilla-Wahlkampf", schreibt der Tagesspiegel.

Oho, Guerilla-Wahlkampf. Das heißt, die SPD steckt dahinter? Nein, sie dementiert: "Wir haben nichts damit zu tun." Oder ein SPD-Anhänger? Das ist auch eher unwahrscheinlich.

Ein netter Twitternutzer gab mir den Tipp, in den Quelltext der Seite zu schauen. Da steht im Titel: "Nahles plakatiert Merkel statt Steinbrück. Hat die SPD schon aufgegeben?"

Auszug aus dem Seitenquelltext: "Nahles plakatiert Merkel statt Steinbrück. Hat die SPD schon aufgegeben?"

(Foto: Screenshot: angelamerkel.de)

Mal langsam: Andrea Nahles ist die Generalsekretärin der SPD. Ende Juli hat sie die Wahlplakate ihrer Partei vorgestellt. Auf einigen ist tatsächlich Merkel zu sehen, mit wenig schmeichelhaften Slogans. Negative Campaigning nennt man das. Der Mensch hinter angelamerkel.de scheint davon wenig zu halten, sonst würde er Nahles nicht vorwerfen, schon aufgegeben zu haben. Sonst hätte er auch kein CDU-Logo als Favicon für die Seite benutzt. Oder?

Phantom aus Odessa

Der Mensch heißt Victor Stoilov, wohnhaft in Odessa in der Ukraine. Er war es zumindest, der die Adresse bei der Denic, der zentralen Registrierungsstelle für .de-Adressen, eingetragen hat. Herr Stoilov hat eine E-Mail-Adresse, die aber nicht funktioniert. Als Bevollmächtigten hat er einen Anwalt in Offenburg angegeben, aber seine Kanzlei sagt auf meine Anfrage, der Anwalt sei im Urlaub. Und es gebe auch niemanden, der an seiner Stelle antworten könne.

Im Karneval hat Herr Stoilov - oder wer auch immer seine Seite betreut - schon einmal Schabernack getrieben: "Geschlossen wegen Weiberfastnacht", war da auf angelamerkel.de zu sehen, berichtete Meedia. Einen Tag später habe die Adresse aber wieder auf angela-merkel.de umgeleitet. Mysteriös.

Pflichtbewusst frage ich die CDU-Pressestelle an, ob sie weiß, wer Herr Stoilov ist. Ob sie mit ihm Kontakt hat, ob sie die Umleitung zur SPD stört. Die Antwort ist kurz: "Wir prüfen, ob Handlungsbedarf besteht und welche technischen und rechtlichen Möglichkeiten es gibt", sagt ein Sprecher. Mit anderen Worten: es stört die CDU nicht, es ist ihr scheinbar relativ egal.

Registriert in Hongkong

Dutzende andere Angela-Merkel-Adressen sind nämlich ebenfalls in falschen Händen, also nicht auf die CDU registriert oder auf die Kanzlerin selbst. Zum Beispiel: angelamerkel.com (registriert in Frankreich) oder angela-merkel.com (registriert in Hongkong). angelamerkel.net und angelamerkel.org sind ebenfalls schon weg, ebenso die Versionen mit Bindestrich.

Noch zu haben sind dagegen: .info, .name, .mobi. In Zeiten europäischen Zusammenhalts vielleicht auch nicht uninteressant: .at für Österreich. .es für Spanien, .it für Italien.

Die SPD hat den Fehler mit dem Bindestrich übrigens nicht gemacht. peersteinbrueck.de führt geradewegs zu peer-steinbrueck.de, der offiziellen Kampagnenseite. Inhaber beider Adressen ist der SPD-Parteivorstand. Irritierend wird es hingegen bei steinbrueck.com - dahinter verbirgt sich ein Hersteller von Pelzen.