Massaker von Parkland Trump trifft Opfer von Amoklauf - und lobt dann die Waffenlobby

Beim Treffen mit Angehörigen des Massakers von Parkland gab sich Trump noch einfühlsam.

(Foto: dpa)
  • Am Mittwoch war der US-Präsident mit Angehörigen von Opfern des Massakers an einer Schule in Parkland zusammengekommen. Ein Amokläufer hatte dort 17 Schüler und Lehrer getötet.
  • Wenig später lobt Trump auf Twitter die Waffenlobby NRA. Deren Chefs seien "großartige Leute", schreibt er.
  • Die Notizen auf einem Zettel, den Trump während des Treffens mit den Angehörigen dabei hatte, hatte bereits Zweifel an der Sozialkompetenz des Präsidenten gesät.

Seit Längerem gilt US-Präsident Donald Trump als Mensch, der schnell Meinung und Tonfall wechseln kann. Das hat er nun erneut unter Beweis gestellt: Einen Tag, nachdem er Angehörige und Freunde der Opfer von Schulmassakern traf, lobt er bereits wieder die US-Waffenlobby.

"Viele Leute verstehen nicht oder wollen nicht verstehen, dass Wayne, Chris und die Jungs, die so hart bei der NRA arbeiten, tolle Patrioten sind. Sie lieben unser Land und sie werden das Richtige tun", schrieb Trump auf Twitter. Wayne LaPierre ist der Vorsitzende der Waffenorganisation NRA, Chris Cox ist ihr Chef-Lobbyist.

Trumps Vorschlag ist absurd - und zynisch kalkuliert

Der US-Präsident wägt Kosten und Nutzen genau ab. Das Ergebnis: Waffen für Lehrer. Trotz der durchgeknallten Idee glimmt ein Fünkchen Hoffnung auf politischen Wandel. Kommentar von Reymer Klüver mehr ...

Bei dem Treffen mit Trump am Mittwoch waren unter anderem Schüler der Stoneman Douglas High School in Parkland zugegen, wo ein Amokläufer in der vergangenen Woche 17 Schüler und Lehrer erschossen hatte. Die Überlebenden forderten den US-Präsidenten auf, die Waffengesetze zu verschärfen. Die NRA hingegen läuft gegen mögliche Verschärfungen Sturm.

Trump will Lehrer bewaffnen - aber nur die besten

Trump veröffentlichte seinen Tweet nur wenige Minuten vor einem öffentlichen Auftritt des NRA-Chefs La Pierre, bei dem dieser die Demokraten harsch kritisierte und ihnen vorwarf, das Massaker von Parkland für politische Zwecke zu missbrauchen. Sie wollten "alle individuellen Freiheiten auslöschen", sagte LaPierre. Stattdessen forderte er mehr bewaffnete Sicherheitskräfte an Schulen.

Einen ähnlichen Vorschlag hat Trump bereits geliefert. Demnach sollten ausgewählte Lehrer an Schulen bewaffnet werden. Am Donnerstag konkretisierte der US-Präsident: Lehrer, die im Umgang mit Waffen versiert seien, könnten einen Amoklauf sofort beenden, noch bevor die Polizei eintreffe. Wenn militärisch oder speziell ausgebildete Lehrer Waffen trügen, würde dies auch abschreckend auf potenzielle Angreifer wirken. "Eine 'waffenfreie' Schule ist ein Magnet für böse Leute", schrieb Trump auf Twitter. Außerdem wolle er sich dafür starkmachen, dass Waffenkäufer besser überprüft würden, insbesondere hinsichtlich psychischer Erkrankungen, und dass das Mindestalter für Waffenkäufe angehoben werde.

In seinen Twitter-Nachrichten warf Trump den Medien außerdem vor, seinen Vorschlag falsch dargestellt zu haben. Er wolle nicht die Bewaffnung aller Lehrer. Lediglich jene, die versiert und ausgebildet seien im Umgang mit Schusswaffen sollten diese an Schulen verdeckt tragen. Das betreffe etwa 20 Prozent der Lehrer, "nur die Besten".

Ein Zettel, den der US-Präsident beim Treffen mit den Angehörigen der Opfer von Parkland dabei hatte, hatte bereits Zweifel an dessen Sozialkompetenz gesät. Als einen Punkt hatte Trump dort "I hear you" notiert - frei übersetzt bedeutet dies soviel wie "Ich kann Euch verstehen". Daraufhin war Kritik daran laut geworden, dass Trump sich offenbar selbst daran erinnern müsse, gegenüber den Angehörigen von Getöteten Mitgefühl zu zeigen.

Ein Zettel entlarvt Trump

Ein Fotograf dokumentiert die Stichpunkte, die Berater Trump für dessen Treffen mit Überlebenden von Schulmassakern mitgaben. Der Notizzettel zeigt, dass der Präsident nicht nur politisch Defizite hat. Kommentar von Johanna Bruckner mehr...