Waffen für Lehrer Trumps Vorschlag ist absurd - und zynisch kalkuliert

Donald Trump während des Treffens mit Opfern von Waffengewalt - Schülern, Eltern und Lehrern - im Weißen Haus.

(Foto: AP)

Der US-Präsident wägt Kosten und Nutzen genau ab. Das Ergebnis: Waffen für Lehrer. Trotz der durchgeknallten Idee glimmt ein Fünkchen Hoffnung auf politischen Wandel.

Kommentar von Reymer Klüver

Von Donald Trump ist man vieles gewohnt. Aber das? Nun sollen auch noch Lehrer mit dem Colt im Schulterhalfter unterrichten dürfen, um im Fall des Falles schnell ihre Waffe zu ziehen, und einen womöglich mit dem Schnellfeuergewehr um sich feuernden Amokschützen zur Strecke bringen.

Shoot-out in der Schule? Ein absurder Vorschlag, wenn man ihn durchdenkt. Zwar will Trump die Bewaffnung nur speziell ausgebildeten Lehrern erlauben. Aber: Die Kinder würden nicht aus der Schusslinie gebracht, sie wären mitten im Kreuzfeuer. Niemand käme hierzulande auf die Idee, das Ansinnen des US-Präsidenten ernsthaft zu erwägen. Ist Trump also völlig durchgeknallt?

Nicht so schnell. Nach jedem der fürchterlichen Amokläufe oder Massaker in den USA - ob in Schulen, bei Freiluftkonzerten oder in Kinosälen - vollzieht sich dasselbe Reaktionsritual. Unter dem Eindruck der schrecklichen Bilder von Tatort und trauernden Angehörigen wächst zunächst der Druck in der amerikanischen Öffentlichkeit, endlich, endlich etwas gegen die Waffenschwemme zu tun. Schärfere Waffengesetze kommen ins Gespräch, das Verbot bestimmter Waffenarten.

Dieses Mal bleibt ein Fünkchen Hoffnung

Kurz ist die Aufwallung, schnell versandet die ganze Angelegenheit wieder. So war es zuletzt nach dem Massenmord von Las Vegas im vergangenen Herbst mit nicht weniger als 58 Toten.

Trump weiß das und wägt Kosten und Nutzen ab. Er muss reagieren, deshalb hat er Angehörige ins Weiße Haus geladen. Aber in den verzweifelten Chor der Kids, die nun endlich eine Verschärfung der lächerlichen Auflagen für den Waffenbesitz verlangen, stimmt er nicht ein. Das würde ihn nicht nur mit der Waffenlobby aneinandergeraten lassen, die ihn und die Republikaner mit Millionen im Wahlkampf unterstützt hat und weiter unterstützen soll. Er würde den Kern seiner konservativen Wählerklientel vor den Kopf stoßen, für die das Recht, Waffen zu tragen, zur eigenen, uramerikanischen Identität zählt.

Also verfährt der Präsident umgekehrt. Er macht den Vorschlag, den Amerikas Waffenlobby seit Jahren als Lösung für die Epidemie der Schulmassaker propagiert: Waffen für Lehrer. Trump weiß genau, wer ihn wählt. Amerikaner, die Zweifel am Kult der Knarre in ihrem Land haben, sind es eben nicht. So nüchtern, so zynisch kalkuliert der US-Präsident.

Nur ein kleines Fünkchen Hoffnung bleibt: Diesmal könnte der Protest, getragen von den Schülerinnen und Schülern, den potenziellen Opfern selbst, anhalten und so mächtig werden, dass er Zugeständnisse erzwingt. Anzeichen dafür gibt es.

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