Fukushima-1: Mangelhafte Wartung Betreiber Tepco fälschte Reparatur-Protokolle

Der Betreiber des Atomkraftwerkes Fukushima-Daiichi hat Kühlpumpen und Generatoren jahrelang nicht kontrolliert und Wartungsprotokolle gefälscht. Waren die Notstromaggregate bereits vor Erdbeben und Tsunami defekt?

Von Christoph Neidhart, Osaka

Aus den Ruinen zweier Reaktorblöcke des havarierten Atomkraftwerkes Fukushima 1 ist am Montag plötzlich wieder dunkler Rauch aufgestiegen. Zugleich wurde bekannt, dass die Betreibergesellschaft Tepco gar nicht wissen kann, ob tatsächlich der Tsunami die Notstromgeneratoren zerstört hat - oder ob diese wegen Schlampereien bei der Wartung vorher schon kaputt waren.

Wegen der Rauchentwicklung mussten sich die etwa 400 Männer zurückziehen, die immer noch um die Kühlung der überhitzten Brennstäbe kämpften. Der Rauch wurde später grau und ließ nach, es könnte sich um Dampf gehandelt haben; die Retter konnten ihre Arbeit aber bis zum Abend nicht wieder aufnehmen.

Die Radioaktivität sei nicht angestiegen, versicherte Hidehiko Nishiyama, der Sprecher der Atomaufsicht Nisa. Dann sagte er, was er in den letzten Tagen immer wieder sagte: Tepco beobachte die Lage und studiere, was die Ursache sein könnte. Seine Firma habe die Feuerwehr benachrichtigt.

Tepco weiß nicht, welche chemischen Prozesse in ihren Ruinen ablaufen. Irgendetwas brenne, vermutete Nishiyama. Eine Wasserstoffexplosion konnte es nicht gewesen sein, man habe nichts gehört. Ein Kurzschluss konnte ebenfalls ausgeschlossen werden: Das Starkstromkabel war zwar gelegt, aber noch nicht angeschlossen.

Michio Ishikawa, der frühere Präsident des japanischen Instituts für Nukleartechnik, gab schon am Samstag zu, dass man nicht wisse, was in den Brennstab-Becken und in den Reaktoren ablaufe. Er vermute, das seien ähnliche Prozesse wie bei der Havarie des Atommeilers Three Mile Island in den USA 1979. Dort habe man einen Monat gebraucht, die Lage zu stabilisieren. Passiere noch etwas Unerwartetes, könnte es in Fukushima aber auch länger dauern.

Die Retter, die wegen des schwarzen Rauches fliehen mussten, waren dabei, Starkstromkabel zu den Wracks der Reaktorblöcke 3 und 4 zu legen, damit man die verbrauchten Brennstäbe, die dort in offenen Wasserwannen gelagert sind, wieder kühlen könne, statt sie von der Feuerwehr mit Meerwasser besprühen zu lassen. Die Stäbe im dritten Reaktor, aus dem der Rauch aufstieg, enthalten neben Uran- auch Plutoniumoxid. Dies ist radioaktiv und zudem hochgiftig.

Die Stromversorgung der Ruinen soll allerdings nicht nur die Kühlaggregate versorgen, wenn sie denn noch funktionieren; sie soll auch die Messinstrumente in den Anlagen reaktivieren, damit die Tepco-Leute besser verstehen, was in ihrem strahlenden Schrotthaufen vorgeht. Allerdings war schon vor dem Erdbeben nicht klar, ob die Temperaturkontroll-Ventile an den sechs Reaktoren überhaupt funktionieren. Am Montag wurde bekannt, dass Tepco sie seit elf Jahren nie sorgfältig kontrolliert hat. Das hatte die Betreiberfirma nur zehn Tage vor der Havarie des Kraftwerks der japanischen Nuklearbehörde mitgeteilt.