Die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen macht das Unternehmen von Fitness-Millionär Rainer Schaller für die Katastrophe in Duisburg verantwortlich. Der Sicherheitsaufwand sei völlig falsch eingeschätzt worden.
Nach Einschätzung der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen ist der Veranstalter der Loveparade in Duisburg durch verschiedene Fehleinschätzungen für die Katastrophe verantwortlich, bei der am Samstag 20 Menschen ums Leben kamen. Innenminister Ralf Jäger (SPD) will an diesem Mittwoch einen vorläufigen Bericht veröffentlichen, wonach sich der Veranstalter mehrmals über Bedenken der Behörden hinweggesetzt habe.
Das nordrhein-westfälische Innenministerium kritisiert ihn scharf: Loveparade-Veranstalter Rainer Schaller. (© ddp)
Anzeige
Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung kommen die Sicherheitsbehörden zu der Einschätzung, dass die Lopavent GmbH um den Fitnessunternehmer Rainer Schaller in ihrem Sicherheitskonzept von völlig falschen Berechnungen ausging, wie sich die Besucherströme auf dem Festivalgelände verteilen würden.
Einziger Zugang zum Gelände war eine Rampe, zu der die Besucher aus zwei nur 16 Meter breiten Tunneln strömten; dort entstand die Massenpanik, in der nach den nun vorliegenden Obduktionen 20 Menschen an Brustquetschungen starben. Ursprünglich waren die Ermittler auch von Genickbrüchen ausgegangen.
Die vorläufige Ursachenanalyse der Behörden kommt zu dem Schluss, dass sich die Besucher nach Betreten des Festivalgeländes nicht wie vom Veranstalter erwartet schnell von der Rampe entfernt und auf dem Areal des ehemaligen Güterbahnhofes verteilt haben. Vielmehr sei es im Eingangsbereich zu einem Stau gekommen, der den Druck auf die nachströmenden Gäste weitergegeben habe.
"Wir haben da unsere Erfahrungen"
Die Polizei habe den Veranstalter zuvor auf diese Probleme hingewiesen, hieß es in Polizeikreisen. Immer wieder sei dem Veranstalter die Gefahr klargemacht worden. Dieser habe aber lediglich geantwortet, es werde alles reibungslos ablaufen: "Wir haben da unsere Erfahrungen." Der Veranstalter ging in seinem Sicherheitskonzept nach SZ-Informationen davon aus, dass die Lastwagen mit Tänzern und DJs die Besucher auf das Gelände locken und verteilen würden. Die Behörden kritisieren in ihrer Analyse jedoch, dass die Lkw viel zu nah an der Rampe vorbeigefahren und dort zudem Würstchenstände aufgebaut worden seien, an denen die Leute stehenblieben.
Ordner, die den Stau hätten beseitigen können, waren offenbar nicht in ausreichender Zahl vorhanden. Innenminister Jäger berichtete dem Landeskabinett, der Veranstalter habe in seinem Sicherheitskonzept 150 Ordner für den Bereich der Rampe und der Zugangstunnel versprochen. Tatsächlich seien dann aber offenbar viel weniger Ordner eingesetzt worden. Zudem habe der Veranstalter Vorschläge ignoriert, im Zugangsbereich eine Videoüberwachung zu installieren.
Am Samstag wird es in Duisburg eine Trauerfeier für die Opfer der Massenpanik geben, zu der sich auch Kanzlerin Angela Merkel angekündigt hat. Der in der Kritik stehende Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) lehnt einen Rücktritt weiter ab. Damit würde er für den Rest seines Lebens für 20 Todesopfer verantwortlich gemacht, sagte er der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung.
- Thema
- Loveparade-Katastrophe RSS
- Duisburg und die Loveparade Das riskante Spiel um ein besseres Image 27.07.2010
- Loveparade: Fall für Presserat Bild des Grauens - Proteste gegen Presse 27.07.2010
- Duisburg und die Loveparade Der Fluch des Events 27.07.2010
- Loveparade 511 Verletzte im Duisburger Drama 27.07.2010
- Loveparade in Duisburg Zu wenig Ordner am Tunnel 26.07.2010
- Loveparade-Katastrophe in Duisburg Neuer Anlauf zur Abwahl von OB Sauerland 05.09.2011
- Trauerfeier für Opfer der Loveparade "Juristisch illegal" 03.09.2011
(SZ vom 28.07.2010/jab)
Neue Gebühren beim Zahnarzt
Lohnzettel auf Facebook
Parteispender 2010
Putin, der "Alpha-Rüde"
Politiker und ihre Pannen
Immerwieder lernt man aus der Vegangenheit und immer wieder passiert es das jemand fragt "arum gibts die Regel eigentlich"? Und wenns keiner weis wird die gerne umgangen...
So denke ich war das hier auch. Und jetzt wissen wir es wieder für 20 Jahre bis der nächste Fragt "Ja warum eigentlich nicht durch den Tunnel...?".
Veranstalter und Genehmiger jedenfalls haben das meiner Meinung nach auszubaden. (So richtig ausgebadet haben es natürlich jene welche den Horror miterlebt haben.)
Drogen haben das jedenfalls nicht verursacht, geholfen haben der Anteil Zugedröhnte dies auch später noch nicht checken wollten/konnten freilich nicht. Wer die schlimmen Bilder gesehen hat wird auch ein paar endeckt haben die immernoch "Party, Party" schreiend und zappelnd in der Menge standen.
Wir alle wissen, wie wichtig es ist, die Bewegung große Menschenmassen sicher zu steuern und wie groß der dafür erforderliche Aufwand ist. Jedes Opernhaus, jede Messe- oder Festhalle, jedes Fußballstadion ist dafür ein anschaulicher Beleg.
Dabei geht es im Maximalfall um 100 000 Besucher, von denen die meisten die Anlage mit ihren Verkehrswegen bereits kennen und um Betreuung durch routinierte Ordner.
Die Grenzen der Sicherheit werden leider nicht überall eingehalten, so z. B. bei Faschingsumzügen, bei denen - Gott sei Dank nur selten vorkommende - Todesfälle durch überfahrene Zuschauer - meist Kinder - billigend in Kauf genommen werden. In Mainz habe ich als "Mann in den besten Jahren" mit meinem Freund nach dem Zug in einer der engen Gassen in Domnähe mit der Kraft der Verzweiflung verhindern können, dass unsere beiden damals etwa 10-jährigen Söhne nicht vom Staudruck der Masse zerquetscht wurden. Man muss diese geradezu hydraulische Kraft einer bewegten Menschenmasse erlebt haben, um zu verstehen, wie machtlos man in dieser Situation ist. Es gibt kein steuerndes "Massengehirn" einer Menschenmenge, ihre Teile bewegen sich unkoordiniert und zerstörerisch gegeneinander.
Experten kennen diese Risiken sehr genau. Sie wurden gefragt und ernst genommen, als es um die deutschen WM-Stadien 2006 ging. Dass man diese Risiken bei unendlich größeren Veranstaltungen ignoriert und es Amateuren überlässt, unter weitaus schlechteren Rahmenbedingungen (keine Routineerfahrung, keine Ortskenntnisse der Besucher, keine Limitierung der Besucher, Jubel-Trubel-Drogen-Alkohol-Stimmung) mehr als eine Million Besucher auf einem Gelände zu versammeln, ist eigentlich unfassbar.
Herr Schaller hat versucht, diesen desolaten Bewusstseinszustand für sich zu nutzen und konnte sich bis Duisburg sicher sein, dass neoliberales Denken jeden Kritiker mundtot macht. Und der OB Duisburgs fühlte sich vom Strom des Zeitgeistes mitgerissen, der vom Glanz des Public-Viewings und vom Christopher street day ausging - den CDU- Bundestagsabgeordneten im Rücken und den persönlichen PR-Erfolg vor Augen. Jetzt hat der Arme nicht nur die drückende moralische Last von 21 toten Menschen auf den Schultern, sondern noch den Hass und die Verachtung der vorher weitgehend schweigenden Massen. Die Idee der Loveparade außerhalb eines Geländes wie in Berlin zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule ist für jeden erkennbar aberwitzig.
"Schotter", woran "Duisburg" teilhaben wollte. Es ist vollkommen überflüssig nun aufeinmal so zu tun, als müssen Sicherheitskonzepte und Absegnungen neu erfunden werden. "Habgier" auf Kosten von Integrität und Verantwortungsbewusstsein, also niedrige Beweggründe und nicht Unwissenheit, waren bei dieser Veranstaltung das Problem.
Menschenmenge nicht greifen, wenn Panik ausbricht! Das ist wie bei einer Gnuherde, wenn eins hochschreckt laufen alle irrational und kopflos. Wer das glaubt und diese kreide ich allen Beteiligten an, eine solche Menschenmenge kontrollieren zu können (egal welches Gelände) stellt sich Gott gleich! Tut mir leid, aber wer solchen Versprechungen glaubt man könne eine solche menge Menschen kontrollieren, ist für mich ein Dummkopf!!!
"Es gibt in D für alles Ämter, ob Brandschutz, Ordnung, etc. Das sind die Fachbehörden, da sitzen die Fachleute, die müssen sagen, was geht und was nicht geht, "
Ist das eine Entschuldigung sich in eine Veranstaltung zu stürzen, bei welcher man nicht weiß wie sie ausgeht? Ist nicht zunächst jeder Mensch für sich selber verantwortlich?
Lassen wir die Gerichte klären, bei wem die Hauptverantwortung lag. Ich würde noch immer sagen beim Veranstalter. Er hätte für Ordnungskräfte sorgen müssen und nicht der Steuerzahler in Form von Polizei.
Paging