In deutschen Atomkraftwerken werden Tausende Leiharbeiter für gefährliche Aufgaben eingesetzt. Die SPD ist ebenso empört wie die Grünen - und warnt davor, die Gesundheit der Arbeitssuchenden zu gefährden. In der Union wittert man hingegen ein "populistisches Spiel" der Linken.
Die im Bundestag vertretenen Parteien haben die Nachricht über den massiven Einsatz von Leiharbeitern in deutschen Kernkraftwerken unterschiedlich aufgenommen. Fachpolitiker von SPD und Grünen sprechen von einem Skandal, die FDP kündigt an, Betreiber von Kernkraftwerken zu der Causa konsultieren zu wollen.
Bild vergrößern
Riskante Tätigkeit: Ein Mitarbeiter des Kernkraftwerks Krümmel bei Geesthacht während Wartungsarbeiten neben dem Brennelemente-Lagerbecken und dem Flutraum mit dem geöffneten Reaktor. (© dpa)
Anzeige
In der Unionsfraktion blockt man ab und vermutet dahinter "reine Panikmache" der Linkspartei, die das Thema durch eine Anfrage an die Bundesregierung ins Rollen gebracht hatte. Und Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) betont lapidar: "Für eigenes und fremdes AKW-Personal gelten die gleichen Strahlenschutzvorschriften."
Zur Erinnerung: Die Süddeutsche Zeitung hatte berichtet, in Meilern würden zahlreiche Leiharbeiter für gefährliche Arbeiten eingesetzt. Diese Arbeiter seien einer deutlich höheren Strahlenbelastung ausgesetzt als Stammbeschäftigte, schrieb die SZ unter Berufung auf eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken.
Demnach wurden 2009 in den 17 deutschen Leichtwasserreaktoren knapp 6000 Mitarbeiter überwacht, die zum eigenen Personal zählten. Deutlich höher war mit mehr als 24.000 Menschen im selben Jahr die Zahl des überwachten Fremdpersonals, zu denen die Bundesregierung Leih- und Werkarbeiter zählt.
SPD-Expertin: Arbeitssuchende werden verheizt
"Die Zahlen untermauern, wie zynisch und profitgierig Betreiber und viele Leiharbeitsfirmen sind", sagt Anette Kramme zu sueddeutsche.de. Die arbeitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion sieht dadurch Arbeitssuchende "auf besonders eklige Art verheizt". Eindringlich warnt Kramme davor, bei Atomkraftwerken am Personal zu sparen: "Wer hier billige Ungelernte einsetzt, gefährdet nicht nur deren Gesundheit, sondern die der gesamten Bevölkerung."
Sozialdemokratin Kramme spricht wie die Grünen von einem "Skandal". Beate Müller-Gemmecke, die Sprecherin für Arbeitnehmerrechte ihrer Fraktion, findet, der Fall zeige "wie Leiharbeit missbraucht wird": Die Betroffenen würden zu Beschäftigen zweiter Klasse degradiert.
Der SZ-Bericht löste auch bei den Liberalen Erstaunen aus: Er habe die Nachricht gar nicht glauben können, sagt Klaus Breil, der energiepolitische Sprecher der FDP-Fraktion. "Wir gehen davon aus, dass in einem deutschen Kernkraftwerk dieselben Arbeitsstanddarsds für alle dort beschäftigen Mitarbeiter gelten", versichert Breil im Gespräch mit sueddeutsche.de. Er wolle bei den Betreibern nachhaken und sich vergewissern, ob diese Standards eingehalten werden.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
- Thema
- Atomausstieg RSS
- Personal in deutschen Atomkraftwerken Tausende Leiharbeiter in den Meilern 06.06.2011
- Atomausstieg Sonderparteitag soll "Eiertanz" der Grünen beenden 06.06.2011
- Kabinett beschließt Atomausstieg Merkels liberale Schoßhündchen 06.06.2011
- Kabinett beschließt Atomausstieg Schwarz-Gelb übt sich in Eigenlob 06.06.2011
- Atomausstieg: Regierung und Stromkonzerne Rosenkrieg um Reaktoren 14.06.2011
- Deutschland nach dem Atomausstieg Stromausfall? Fällt aus! 11.06.2011
- Wirtschaftspolitik Lieber Staat, bitte halte dich raus! 11.06.2011
Debatte über Militäreinsatz in Syrien
Ich bin einer dieser angeblich ausgebeuteden Mitarbeiter!
Bei uns in der Firma wird kein Equal Treatment Equal Payment angewendet weil damit unsere Mitarbeiter WENIGER verdienen würden als Stammpersonal.
Das wir bei 5-10 Anlagenstillständen pro Jahr mehr Dosis abbekommen als Stammpersonal liegt in der Natur der Sache.
Ohne unser Spezialwissen würden die Anlagen alle keinen oder nur deutlich weniger Strom produzieren können.
Das ausgerechnet die Interessengrüppen die der Ausbeutung z.B durch
Beschäftigungsgesellschaften Tür und Tor geöffnet haben finde ich jetzt mehr als seltsam. Kümmert euch um die unterbezahlten 1Euro Kräfte in der sogenannten freien Wirtschaft, wir brauchen weder eure Empörung noch euer Mitleid.
Was gibt es daran zu verunglimpfen?
Soweit ich es beurteilen kann haben Leiharbeiter -unter vielen anderen Nachteilen- längere Arbeitszeiten, weniger Urlaub und sind weniger krank. Die logische Schlussfolgerung: Sie sind länger am Arbeitsplatz. Ist der Arbeitsplatz Strahlung ausgesetzt, bekommt diese Gruppe eine höhere Dosis ab. Zusätzlich werden unbeliebte, undankbare Arbeiten -in diesem Fall gefährliche Arbeiten- stets auf Leiharbeiter abgewälzt.
Warum diese Verwunderung?
Unternehmen nutzen dieses "Instrument" auch um die Stammbelegschaft unter Druck zu setzen: Herr X ist besser gebildet, arbeitet mehr und kriegt die Hälfte. Und sollte sich Herr X beschweren ist er halt morgen weg.
als gar keine Arbeit und der Allgemeinheit auf der Tasche zu sitzen.
ihren Anfang in der Rot-Grünen Regierungszeit genommen.
Wenn hier immer die Rot-Grünen sich als Anwalt der modernen Tagelöhner geben, so ist das nur eine Farce!
Nie wieder SPD und ihre Handlanger von Grünen/B90. Die nur Wendehälse sind wie es die Blockparteien in der DDR waren!
Man kann nicht allzu viel von der Partei Die Linke erwarten, aber genau wegen der Instrumente, welche sich auch im Bundestag ergeben, die dann dazu dienen, gegen die öffentliche Manipulation anzugehen, ist es gut zu wissen, dass es Die Linke gibt.
Niemand spricht von Überschreitung der Strahlenbelastung, aber ist es nicht so: Stammpersonal scheint man (die AKW-betreiber) weniger Expositionen auszusetzenm als Leiharbeiter.
Keiner wurde einer jenseits der Grenzwerte liegenden Strahlenbelastung ausgesetzt, aber die Leiharbeiter mehr als die Stammbelegschaft. Am besten ist natürlich gar keine erhöhte Strahlenbelastung, auch wenn sie unterhalb der Grenzwerte liegt.
Npch ein Wort zu SPD und Grünen: Warum kommen von diesen Parteien nicht solche Anfragen. Jetzt ist man schwer empört und die SZ adelt die Empörung, indem sie sie an prominenter Stelle zitiert. Über Die Linke wird nur der Verriß der Union wiedergegeben.
SPD und Grüne sind Initiatoren des Mißbrauchs der massenhaften Leiharbeit und damit auch ihres Mißbrauchs in Deutschland gewesen!
Hier gebührt Der Linken der Respekt für solidarisches Engagement: Ein weiteres Mißbrauchsfeld der Leiharbeit wurde aufgezeigt.
Aberdies dürfen die Redakteure der SZ nicht würdigen.
Seien Sie anspruchsvoll: Vielleicht mal ND lesen!
Paging