#LastNightInSweden Trump irritiert mit erfundenem Vorfall in Schweden

  • In einer Rede spricht der US-Präsident von einem angeblichen Vorfall in Zusammenhang mit Flüchtlingen in Schweden - den es nie gab.
  • Später erklärt Trump, er beziehe sich auf einen Fernsehbericht über Migration in Schweden, den er gesehen habe.
  • Es ist nicht das erste Beispiel für den irritierend laschen Umgang der US-Regierung mit Fakten.
Von Eva Steinlein

Mit Andeutungen über einen angeblichen Vorfall in Zusammenhang mit Einwanderern in Schweden hat US-Präsident Donald Trump einmal mehr die Wahrheit strapaziert. Die schwedische Regierung teilt mit, dass es den - ohnehin nicht konkret bezeichneten - Vorfall nie gegeben habe.

Bei einer Rede vor politischen Anhängern im US-Bundesstaat Florida hatte Trump einen Zusammenhang zwischen der europäischen Flüchtlingspolitik und der Gefahr durch islamistischen Terror hergestellt und fabulierte: "Schaut Euch an, was in Deutschland passiert, schaut Euch an, was gestern Abend in Schweden passiert ist! Schweden, wer hätte das gedacht? Schweden - sie haben ganz viele reingelassen, nun haben sie Probleme, wie sie es nie für möglich gehalten hätten."

Donald Trumps Lügengebilde

In einer Pressekonferenz verstrickt sich Donald Trump in Widersprüche und realisiert gar nicht, dass er es ist, der laufend lügt. Am Ende bleibt die Frage, welchen Arzt braucht der Mann? mehr ...

#LastNightInSweden: Köttbullar, ein Polizeieinsatz, Sturmwarnung im Norden

Auf welches Ereignis er konkret anspielte, ließ Trump längere Zeit offen und rief damit in Schweden einige Irritationen hervor. Das schwedische Außenministerium erklärte, ihm sei kein Vorfall bekannt und forderte eine Erklärung für die Äußerungen. Das US-Außenministerium sei um Klarstellung gebeten worden, sagte Ministeriumssprecherin Catarina Axelsson. Ähnlich äußerte sich Arbeitsministerin Ylva Johansson in einem Gespräch mit dem schwedischen Staatsfernsehen: "Wir wollen wissen, was er meint", sagte Johansson. "Er spricht über Schweden in einer Art, bei der wir nicht verstehen, was er meint und worauf er sich bezieht - im Zusammenhang mit Terrorakten in anderen Ländern."

Schwedens Bürgerinnen und Bürger reagierten indes mit Humor auf die diffusen Andeutungen: Die Zeitung Aftonbladet setzte eine Meldung mit dem Titel "Das ist am Freitagabend in Schweden passiert, Mr. President" auf Englisch auf ihre Seite, die unter anderem eine Sturmwarnung in Nordschweden, eine Polizeimeldung und Tonprobleme des Sängers Owe Thörnquist bei einem Musikwettbewerb aufzählte. Auf Twitter machten unter dem Hashtag #LastNightInSweden Bilder von Köttbullar und private Nichtigkeiten die Runde (Beispiele in unserem Video).

Trumps Erklärung ist nicht weniger kryptisch: Verweis auf einen Fox News-Bericht

Ebenfalls auf Twitter gab Trump am Sonntagabend eine Erklärung ab - die jedoch nicht weniger kryptisch ausfiel. Er habe die Aussage nach einem TV-Bericht des Senders Fox News über Einwanderer in Schweden gemacht. Damit könnte er einen Beitrag in der Sendung Tucker Carlson Tonight gemeint haben. In diesem hatte es geheißen, dass Schweden im vergangenen Jahr mehr als 160 000 Asylsuchende aufnahm, aber lediglich 500 Arbeit gefunden hätten. Zudem gebe es einen Anstieg von Waffengewalt und Vergewaltigungen. Auch eine Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Huckabee Sanders, sagte, dass Trump auf den Anstieg von Kriminalität und jüngsten Verbrechen in Schweden im Allgemeinen hinweisen wollte - nicht aber auf einen speziellen Vorfall.

Vor der Rede, in der Trump seine Anspielung fallen ließ, hatte Trump dem Publikum versichert: "Wir sind hier, um die Wahrheit zu sagen, die ganze Wahrheit, und nichts als die Wahrheit." Die US-Regierung hat bereits mehrfach öffentlich Falschaussagen über das Weltgeschehen kundgetan: Vor gut zwei Wochen erfand Trumps Beraterin Kellyanne Conway ein "Massaker" im US-Bundesstaat Kentucky, um das Einreiseverbot gegen Muslime zu rechtfertigen. Trumps Sprecher Sean Spicer redete innerhalb einer Woche drei Mal über einen Anschlag in Atlanta, meinte aber offenbar einen Anschlag in Orlando.

Wenn Fakten in der Politik nicht mehr zählen

Taugen soziale Medien als Waffe, mit der scheinbar stabile Demokratien zerschossen werden können? Das wäre furchtbar traurig. Von Evelyn Roll mehr...

Mit Material von Nachrichtenagenturen