Landtagswahlen Niedrige Wahlbeteiligung in Mecklenburg-Vorpommern

Bei regnerischem Wetter zieht es nicht viele Bürger in die Wahllokale. Ob die Große Koalition in Schwerin weiter besteht, ist nach den letzten Umfragen ungewiss.

Bei regnerischem Wetter ist die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern angelaufen. Ein großer Ansturm auf die Wahllokale blieb aus. Bis 14 Uhr hätten 32,8 Prozent der gut 1,3 Millionen Wahlberechtigten ihre Stimmen abgegeben, teilte die Landeswahlleiterin Doris Petersen-Goes mit. Vor fünf Jahren waren es zu diesem Zeitpunkt mit knapp 29,8 Prozent nur geringfügig weniger Wähler gewesen. Bei den Schweriner Landtagswahlen 2011 lag die Wahlbeteiligung bei 51,5 Prozent, der bisherige Tiefstand in dem Bundesland.

Gut 1,3 Millionen Menschen sind aufgerufen, das Parlament für die nächsten fünf Jahre im Nordosten zu wählen. Umfragen sahen die SPD zuletzt mit 28 Prozent vorn. Das wäre ein herber Verlust im Vergleich zur Wahl vor fünf Jahren. Damals siegten die Sozialdemokraten mit 35,6 Prozent. Mit Spannung wird das Abschneiden der AfD erwartet. Sie könnte nach Umfragen mit mehr als 20 Prozent als zweitstärkste Kraft vor der CDU ins Schweriner Schloss einziehen.

Würden die Umfrageergebnisse bestätigt, könnten SPD und CDU ihre Koalition fortsetzen, wenn auch nur mit knapper Mehrheit. Alternativ könnte es auch knapp für Rot-Rot-Grün reichen. In den letzten Umfragen lagen die Grünen bei 6 Prozent und die Linke zwischen 13 und 15 Prozent. Die Wahl gilt, zusammen mit der Wahl zum Abgeordnetenhaus in Berlin in zwei Wochen, bereits als Stimmungstest für die Bundestagswahl im Jahr 2017.

Nach Einschätzung des Rostocker Politikwissenschaftlers Martin Koschkar ist bisher noch keine Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern so massiv von einem bundespolitischen Thema überlagert worden. Die Themen Flüchtlinge, Zuwanderung und Integration polarisierten. Befragungen hätten gezeigt, dass sie die Wahlentscheidungen in allen Schichten beeinflussten, erklärte er.

Die verhaltene Wahlbeteiligung hängt nach Einschätzung von Johannes Waeller, Kreiswahlleiter an der Mecklenburgischen Seenplatte, auch mit einer hohen Zahl an Briefwählern zusammen. So gebe es Wahlbüros, in denen bis zu ein Fünftel der Wähler per Briefwahl abgestimmt hätten, sagte Waeller in Neubrandenburg.

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