Führungschaos: Nach SZ-Informationen hielt das Verteidigungsministerium Berichte zum Luftangriff bei Kundus zurück - und informierte Kanzlerin Merkel tagelang nicht.
Das Bundeskanzleramt hat sich internen Dokumenten zufolge bereits frühzeitig wegen der schlechten Unterrichtung durch das Verteidigungsministerium über den Kundus-Luftschlag beklagt. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) keinen Zugang zum ersten Isaf-Bericht und zum Bericht des deutschen Kommandeurs, Oberst Georg Klein, als sie am 8.September, vier Tage nach dem Bombardement, eine Regierungserklärung zu dem Thema abgeben musste.
Schlecht informiert: Bundeskanzlerin Angela Merkel. (© Foto: AP)
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Die Berichte waren demnach zwar bereits am 6.September im Verteidigungsministerium eingetroffen, allerdings erst am 10.September an das Kanzleramt weitergeleitet worden.
Aus dem ersten Bericht der Isaf, dem Initial Action Report, geht hervor, dass mit zivilen Opfern gerechnet werden müsse und es vermutlich Verstöße gegen die Einsatzregeln und die Verfahrensregeln der Nato gegeben habe.
Diese Informationen waren in der hektischen Bewertung der ersten Tage von Bedeutung. Merkel hatte sich am 6. September und in der Regierungserklärung sehr defensiv ausgedrückt und die Wahrscheinlichkeit einkalkuliert, dass es zivile Opfer und Regelverstöße gegeben haben könnte.
Das Kanzleramt kam in einer internen Bewertung auf der Basis öffentlich zugänglicher Informationen zwar ebenfalls zu einer zurückhaltenden Einschätzung. Das Informationsdefizit zeugt aber von Führungschaos im Verteidigungsministerium, wo der zuständige Staatssekretär Peter Wichert erst auf nachdrückliche Aufforderung die Berichte weiterleitete.
Die Ministerien sind nicht verpflichtet, dem Kanzleramt fachlich Bericht zu erstatten. Der Untersuchungsausschuss zum Luftschlag von Kundus wird auch die Rolle des Bundeskanzleramts durchleuchten.
Die Nuba: Leni Riefenstahls Bilder machten sie einst bekannt. Heute sucht das Volk aus Sudan Schutz in Höhlen und Felsspalten – vor den Bomben des Regimes in Khartum. Ein Frontbericht. Seite Drei Jetzt lesen ...
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(SZ vom 15. Dezember 2009/segi)
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Putin, der "Alpha-Rüde"
Politiker und ihre Pannen
Angela hat Ihnen das im Vertrauen ganz privat gesagt ? Och , Herr Kornelius , dann ist ja alles gut !
Aber , pardon - ... das Dumme ist : gibt es Dumme , die ihr dabei noch Glaubwürdigkeitskredit geben ?
Wie sagte hier kürzlich der Politikwissenschaftler Fahrenholz (sinngemäß) richtig : " Nach der Wahl machen die in Berlin vier Jahre lang was sie wollen . Und im Wahl"kampf" bestimmen sie selbst die Themen !" . Für den letzten hatten alle Kriegsparteien seltsam übereinstimmend beschlossen : Afghanistan kommt nicht vor . Und dann kam ihnen Kundus dazwischen ... - man mußte das Stück mit den drei Affen aufführen .
Ich stelle mir die Kommunikation Merkel-Jung wie in folgendem fiktiven Telefonprotokoll vor:
04. September 2009
Merkel: Jungchen, ich habe soeben aus der Tagesschau erfahren, daß die Bundeswehr ein paar Tanklaster bombardieren ließ und dabei diverse Turbanträger hops gegangen sind. War da was?
Jung: Ach, naja Mutti, ich weiß das jetzt auch nicht so genau, aber wird schon nicht so schlimm gewesen sein.
Merkel: Ach so; dann ist es ja gut.
06. September
Merkel: Jungchen, hör mal, in der in- und ausländischen Presse wird behauptet, unsere Jungs hätten in Afghanistan Mist gebaut. Es soll da irgendwelche Berichte geben, weißt Du was davon?
Jung: Ach Mutti, was Du immer hast. Berichte? Warte mal, ich schau grad mal was auf meinem Schreibtisch so rumliegt. ... Raschel, raschel ... Hm, Playboy, Mercedesprospekt, Scheck von Heckler & Koch, ... nö hier is nix.
Merkel: Ah ja, das ist ja prima.
08. September
Merkel: Hallo Jungchen, ich hab gleich ne Regierungserklärung abzugeben und die ganze Welt behauptet, daß Du lügst. . Der ganzen Welt liegt irgendsoein Isaf-Bericht vor; Du hast doch nix, oder? Das kann doch nicht sein; Du warst doch immer so ein artiger Junge, schon in Hessen..
Jung: Meine Güte Mutti, bitte, ich hab den Playboy noch nicht durch. Ich schau bei Gelegenheit mal nach.
Merkel: Jaja, ist ja gut, ich melde mich bei Gelegenheit mal wieder. Oder, Du kannst ja auch mal wieder anrufen, ich freue mich immer, wenn ich ... Hallo? Hallo?
Tuut, Tuut, Tuut!
Jeder einzelne hätte sich bereits nach dem Vorfall an den Medien informieren können. Es gab bereits am Tag nach dem Massaker einen Bericht des Distrikt-Gouverneurs von Char Darah und drei Tage danach einen Bericht an die Nato-Schutztruppe Isaf, es gab einen Nato-Untersuchungsbericht und einen Bericht von Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan, sowie eine Untersuchung des Roten Kreuzes.
Jung, Merkel und Guttenberg konnten sich informieren, aber alle spielten sie die Ahnungslosen.
Trotz besseren Wissens wurden noch Anfang Dezember die längst widerlegten ollen Kammellen von der Bedrohung der Bundeswehreinheit durch die Tanklaster und das Märchen von den vielen getöteten Talibankämpfern verbreitet.
Auch jetzt werden uns wieder täglich neue Erkenntnisse aufgetischt, von denen die Eine der anderen widerspricht.
Merkel war schlecht informiert - war das nicht schon vor ca. 10 Jahren die Ausrede der Bundesumweltministerin Angela Merkel als stark strahlende Castor-Transporte durch Deutschland rollten?
Eine Umweltministerin, die nichts über kriminelle Machenschaften der Atomwirtschaft weiß, wird auch als Bundeskanzlerin nicht über die Aktivitäten der eigenen Soldaten informiert sein.
Ist es nicht die CDU, die schon bei kleineren Pannen von Ministern anderer Parteien laut "Rücktritt" schreit?
"die Kanzlerin hat von nichts gewusst..."
"nächste Woche kommt der Weihnachtsmann..."
"alles wird gut!"
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