Künftiger US-Präsident Trump beleidigt Ikone der Bürgerrechtsbewegung

Seit fast 30 Jahren sitzt John Lewis für die Demokraten im US-Repäsentantenhaus. In den Sechzigern kämpfte er mit Martin Luther King gegen die Rassentrennung.

(Foto: AFP)
  • Der künftige US-Präsident Donald Trump legt sich via Twitter mit dem schwarzen Bürgerrechtler John Lewis an.
  • Lewis, mittlerweile Abgeordneter der Demokraten, hatte angekündigt, Trumps Amtseinführung am 20. Januar fernzubleiben, weil er dessen Wahl für nicht legitim hält.
  • Mehrere republikanische Abgeordnete verteidigen Lewis.

Es ist nicht schwer, den künftigen US-Präsidenten zu erzürnen. Nach Oscar-Preisträgerin Meryl Streep und den Medienorganisationen CNN und Buzzfeed hat Donald Trump nun den bekannten US-Bürgerrechtler und Abgeordneten John Lewis attackiert.

Auf Lewis' Ankündigung, er werde nicht an Trumps Amtseinführung am kommenden Freitag teilnehmen, reagierte Trump mit zwei beleidigenden Tweets. Der Demokrat solle sich lieber um seinen Wahlkreis im Bundesstaat Georgia kümmern, der in einem "furchtbaren Zustand" und "kriminalitätsverseucht" sei, schrieb Trump am Samstag.

Mindestens acht demokratische Abgeordnete haben bislang angekündigt, nicht an der Amtseinführung des 45. US-Präsidenten am kommenden Freitag teilzunehmen. Er sehe Trump nicht als legitim gewählten Präsidenten an, sagte Lewis dem Sender NBC in einem Interview mit der Talkshow "Meet The Press". "Die Russen haben dazu beigetragen, dass dieser Mann gewählt wurde." Es werde das erste Mal seit 1987 sein, dass er der Amtseinführung eines Präsidenten fernbleibe.

Lewis wäre beinahe gestorben im Einsatz für Demokratie

Der 76-jährige Lewis ist eine Ikone der schwarzen Bürgerrechtsbewegung. Er war einer der Demonstranten, die angeführt von Martin Luther King am "Bloody Sunday" für die Aufnahme in Wahllisten protestierten. Der Marsch der etwa 600 Bürgerrechtler wurde am 7. März 1965 außerhalb der Stadt Selma in Alabama von der Polizei brutal gestoppt und die Demonstranten mit Tränengas und Knüppeln angegriffen. Lewis' Stirn ziert bis heute eine Narbe von diesem Gewaltexzess.

Obama feiert Bürgerrechtler - und preist Amerika

50 Jahre nach dem "Bloody Sunday" in Selma appelliert Barack Obama in einer großen Rede an das "Wir"-Gefühl der Amerikaner. Alle müssten sich dafür einsetzen, die USA zu verändern. Er betont, dass sich viel im Verhältnis von Weißen und Schwarzen verbessert habe - trotz Ferguson. Von Matthias Kolb, Washington mehr ...

Bei einer Gedenkveranstaltung nannte US-Präsident Barack Obama 50 Jahre später Lewis als seinen Helden. "In seinem Beutel befanden sich ein Apfel, eine Zahnbürste und ein Buch über das Regieren - mehr braucht es nicht für eine Nacht hinter Gittern. John Lewis machte sich auf und führte die Gruppe auf ihre Mission, Amerika zu verändern", sagte Obama. Lewis' beharrlichem Einsatz ist es zu verdanken, dass im September das National Museum of African American History and Culture in Washington eröffnet wurde, das an die bis heute spürbaren Auswirkungen der Sklaverei und die Kultur der Schwarzen erinnert.

Trump bringt Lewis, der seit nun bald 30 Jahren im Repräsentantenhaus sitzt, dafür ganz offenbar wenig Respekt oder gar Verehrung entgegen. Er solle nicht "fälschlicherweise" über das Wahlergebnis klagen, schimpfte Trump. Die Worte "Nur reden, reden, reden - weder Taten noch Ergebnisse! Traurig!" sind allerdings eine durchaus gewagte Aussage in Richtung eines Aktivisten, der für seinen Einsatz beinahe totgeprügelt wurde. Andere Republikaner wie Senator Ben Sasse aus Nebraska erinnerten nach Trumps Tweet daran, dass Lewis' "Gerede" die Welt verändert habe.

Diverse Polit-Beobachter erinnerten zudem daran, dass Trump in den Sechzigerjahren vor allem damit beschäftigt war, sich mit fragwürdigen Attesten vor einem Militäreinsatz in Vietnam zu drücken.

Vor seiner Präsidentschaftskandidatur hatte sich Trump niemals in einem öffentlichen Amt engagiert, sondern sich auf sein Immobiliengeschäft konzentriert (sein Unternehmen wurde mehrmals wegen Diskriminierung Afroamerikaner angeklagt). Andere Journalisten verweisen darauf, dass sich in Lewis' Wahlbezirk einige der teuersten und hippsten Straßen befinden - und die weltberühmte Emory-Universität. Wie so oft verbreitet Trump in seinen Tweets also Unwahrheiten.

Ein weiterer Faktor, der Trumps wütende und anmaßende Tweets womöglich erklärt: John Lewis hatte am Mittwoch im Senat gegen den designierten Justizminister Jeff Sessions ausgesagt, dem er vorwarf, sich nicht um die Belange von Afroamerikanern und Latinos zu kümmern. Sessions ist ein enger Vertrauter Trumps und war dessen erster Unterstützer.

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