Kuba Obama in Kuba - eine kleine Revolution

Government Prepares For Visit By U.S. President Barack Obama Men sit next to a poster of U.S. President Barack Obama and Cuban President Raul Castro in Old Havana, Cuba, on Friday, March 18, 2016. Obama, the first sitting president to step on Cuban soil in more than eight decades, will arrive in Cuba on March 20. Photographer: Eliana Aponte/Bloomberg

(Foto: Bloomberg)

Zum ersten Mal seit 88 Jahren reist ein US-Präsident auf die karibische Insel. Er sagt: It'll be fun. Doch das Treffen mit Raúl Castro wird heikel.

Von Boris Herrmann, Havanna

In der Altstadt von Havanna hängt seit ein Plakat, vor dem sich die Touristen und Einheimische verwundert die Augen reiben. Raúl Castro und Barack Obama sind darauf abgebildet, Seit' an Seit', als wären sie alte Kampfkumpane. Die Nationalflaggen Kubas und der USA wehen am oberen Bildrand, fast sieht es so aus, als hätte sie jemand zusammengenäht. In den Souvenirshops nebenan gibt es Ché-Guevara-Postkarten, Fidel-Castro-Mützen und T-Shirts mit den alten Kampfparolen. Hasta la victoria siempre - und so weiter. Die Parole auf dem neuen Hochglanzplakat lautet: Herzlich Willkommen, Obama!

Als Calvin Coolidge vor 88 Jahren als bislang letzter US-Präsident den Kubanern einen Besuch abstattete, war der spätere Revolutionsführer Fidel Castro noch ein 17 Monate altes Baby, sein Bruder Raúl noch gar nicht auf der Welt. Und bis zur Geburt von Obama in Honolulu sollten noch mehr als drei Jahrzehnte vergehen. Am Sonntagabend landete Obama in Havanna, wenn der 44. Präsident der USA nun in Kuba hochoffiziell euphorisch begrüßt wird, ist das inflationär verwendete Wort "historisch" tatsächlich einmal angebracht.

Zwischen Coolidge und Obama liegen mehr als fünf Jahrzehnte erbitterte Nachbarschaftsfehde: ein kalter bis lauwarmer Krieg mit Wirtschaftsembargo, die Atomraketen-Krise sowie eine gescheiterte US-Invasion in der Schweinebucht. Zehn Obama-Vorgänger, von Eisenhower bis Bush, wären nicht im Traum auf die Idee gekommen, sich mit dem einen oder anderen Castro auf ein Abendessen im Palast der Revolution von Havanna zu treffen. Der Friedensnobelpreisträger Obama wiederum begegnet der Last der Geschichte mit demonstrativer Lässigkeit. "Wie geht's, Kuba?" Diese launigen Worte twitterte Obama unmittelbar nach seiner Landung in Havanna am Sonntagnachmittag (Ortszeit)

Allein der offizielle Reisetross Obamas belegt angeblich 1200 Hotelzimmer

. Dass ein US-Präsident nach Kuba kommt und dabei auch noch Spaß hat, ist weiterhin eine Vorstellung, die Fantasie erfordert. Seit Obama und Raúl Castro im Dezember 2014 die Normalisierung der Beziehungen angekündigt hatten, ist allerdings einiges passiert, was vorher noch undenkbar erschien: vom symbolträchtigen Handschlag der Präsidenten auf neutralem Terrain in Panama über die Wiedereröffnung der Botschaften bis hin zur weitgehenden Aushöhlung des offiziell immer noch bestehenden US-Embargos für Kuba.

Und tatsächlich: Ein bisschen Klamauk gab es auch schon. Obama telefonierte mit dem bekannten kubanischen Fernsehkomiker Pánfilo, die beiden unterhielten sich im ortsüblichen spanischen Slang - auch über die Schwierigkeiten des realsozialistischen Alltags. Der ironische Sketch war sogar im kubanischen Staatsfernsehen zu sehen. Es ist unvorstellbar, dass dies ohne die Zustimmung von Castro geschah.