Kritik an Ex-Bundespräsident Köhler Schäuble kartet nach

In ungewöhnlicher scharfer Form hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble den zurückgetretenen Bundespräsidenten Horst Köhler attackiert. Köhler habe offensichtlich das Amt des Bundespräsidenten nicht richtig verstanden.

Der neue Bundespräsident ist gewählt, da bekommt der alte nochmals Prügel - und das von ungewöhnlicher Seite: Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) greift den zurückgetretenen Bundespräsidenten Horst Köhler an.

Es sei in Ordnung, beim Volk beliebt sein zu wollen, sagte Schäuble dem Tagesspiegel am Sonntag: "Aber man muss sich diese Beliebtheit erwerben durch Autorität und nicht dadurch, dass man die politische Klasse schrecklich findet", sagte Schäuble weiter.

Lob für Wulff

Köhler habe offensichtlich das Amt des Bundespräsidenten nicht richtig verstanden. Köhlers Nachfolger Christian Wulff attestierte der Finanzminister dagegen, das höchste Staatsamt verstanden zu haben.

Er habe vielfach bewiesen, dass er den Menschen Politik vermitteln könne, lobte der Finanzminister den neuen Bundespräsidenten. "Er weiß, was dieses Amt bedeutet, das wirklich mit das schwierigste ist in diesem Land."

Köhler war Ende Mai überraschend von allen Ämtern zurückgetreten und hatte die Koalition damit noch tiefer in die Krise gestürzt. Anlass war ein umstrittenes Interview Köhlers zum Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr.

Zugleich ermahnte Schäuble die schwarz-gelbe Koalition, ruhiger zu werden und Erfolge nicht zu zerreden. Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihrem Kanzleramtschef Ronald Pofalla gab der CDU-Politiker den Rat: "Lasst euch nicht zu viele Einzelheiten hinschieben und zieht nicht zu viel an euch." Man solle aber auch nicht alles und jedes auf die Kanzlerin abschieben, mahnte Schäuble.

Der Minister bestritt mit Blick auf die Abweichler aus dem schwarz-gelben Lager bei der Bundesversammlung, dass es sich um einen Putschversuch gehandelt habe. "Wäre es organisiert gewesen, hätte das jemand merken müssen." Das Wahlergebnis reflektiere "die Volatilität von Stimmungen", aber auch das allgemeine Unbehagen in der Koalition. "Es ging vielen nicht um Joachim Gauck, den wir alle schätzen, oder um Christian Wulff, sondern um Angela Merkel", sagte Schäuble.