Krieg in Syrien Vom Leid in Syrien kommt in Russland nicht viel an

Solche Bilder des Krieges sendet man in Russland gern: Präsident Putin bei einer Rede an Soldaten auf einem Stützpunkt in Syrien.

(Foto: AP)

Im Ukraine-Konflikt waren viele Russen selbst betroffen. Doch Syrien ist weit weg, die Lage kompliziert. Da glaubt man gern dem russischen Staatsfernsehen und seiner ganz eigenen Sicht auf die Dinge.

Kommentar von Julian Hans, Moskau

Bomben hageln wieder einmal auf eine Stadt in Syrien. Wieder begeht der syrische Herrscher Baschar al-Assad Kriegsverbrechen am eigenen Volk, und wieder steht der russische Botschafter im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen alleine da und hält seine Hand über das Regime in Damaskus. Unerschüttert von den Gräueln, die den Rest der Welt erschüttern. Assad kann Fassbomben auf Wohnviertel werfen und Kinder mit Sarin vergasen, er weiß, dass ihm der diplomatische Beistand Moskaus im höchsten Gremium der Weltgemeinschaft sicher ist.

Bei den Fernsehzuschauern in Russland kommt davon ein ganz anderes Bild an. Sie sehen nicht die zivilen Opfer, die Hilfsorganisation Weißhelme wird ihnen als Terrorhelfer vorgestellt. Und der eigene Vertreter im Sicherheitsrat wird gefeiert, weil er allen Angreifern die Stirn bietet. Seine Auftritte sind nur eine weitere Variation des Themas, das jeder längst im Schlaf mitsummen kann: Die ganze Welt ist gegen uns, aber wir geben nicht nach.

Das war bei der Krim-Annexion so, das war bei den Doping-Skandalen so, und jetzt werden wir wegen unserer konsequenten Politik in Syrien angefeindet. Von diesen Themen berührt der Krieg in Syrien die Menschen am wenigsten. Der Ukraine-Konflikt hat die Gesellschaft gespalten, fast jede Familie hat dort Verwandte oder Bekannte. Sport ist der Stolz der Nation. Aber Syrien? Weit weg, kompliziert. Da glaubt man gern, was das Staatsfernsehen sagt. Die Nerven sind von vielen anderen Konflikten ringsum ohnehin genug belastet.

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