Krieg in der Ukraine Ex-Geheimdienstler bezweifeln russische Invasion

Russland unterstütze zwar die Separatisten in der Ukraine, doch die Satellitenaufnahmen der Nato belegten keinen russischen Einmarsch, sagt eine Gruppe ehemaliger US-Nachrichtendienstler. Andere Hinweise allerdings werden von ihnen ignoriert.

Von Markus C. Schulte von Drach

Eine Gruppe ehemaliger US-Geheimdienstmitarbeiter hat sich auf ungewöhnliche Weise zum Krieg in der Ukraine zu Wort gemeldet: In einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel warnt sie, jüngst veröffentlichte Informationen über das militärische Vorgehen Russlands "scheinen fragwürdig und politisch zurechtgebogen" zu sein.

Die Gruppe, die sich "Veteran Intelligence Professionals for Sanity" (VIPS) nennt, kritisiert die Darstellung, im Osten der Ukraine finde eine russische Invasion statt. Das hatte vergangene Woche etwa der EU-Botschafter der Ukraine, Konstantin Jelissejew, auf seiner Facebook-Seite gesagt. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hatte Russland einen militärischen Einmarsch in sein Land vorgeworfen und von einer "Intervention" gesprochen. Auch Polens Präsident Bronisław Komorowski und der schwedische Außenminister Carl Bildt warfen Russland eine Invasion vor.

Eine Aufnahme vom 21. August zeigt der Nato zufolge russische Artilleriegeschütze in einem Konvoi auf ukrainischem Boden

(Foto: dpa)

Nach Angaben der Nato sollen etwa 20 000 russische Soldaten im Grenzgebiet stationiert sein, ein Offizier des Militärbündnisses sprach der Nachrichtenagentur dpa zufolge von einer "Invasionsarmee". Um die Vorwürfe gegen das russische Vorgehen zu untermauern, hatte die Nato Satellitenbilder veröffentlicht.

Die Unterzeichner des Briefes um den ehemaligen NSA-Mitarbeiter William Binney, den Ex-CIA-Analysten Ray McGovern und die frühere FBI-Agentin Coleen Rowley halten die Hinweise auf eine russische Invasion jedoch für genauso unglaubwürdig wie es die angeblichen Beweise für Massenvernichtungswaffen im Irak 2003 waren. Die Autoren sind alle langjährige ehemalige Mitarbeiter verschiedener US-Nachrichtendienste und des FBI. In Erscheinung trat die Gruppe erstmals nach der Rede des US-Außenministers Colin Powell im Februar 2003 vor den Vereinten Nationen. Damals kritisierte sie die Interpretation der Geheimdienstinformationen durch das Weiße Haus. Seitdem wenden sie sich immer wieder mit kritischen Fragen und Hinweisen vor allem an US-Politiker.

Die seit Jahren aus den Diensten ausgeschiedenen Experten haben sich nicht selbst in der Ukraine umgesehen. Auf die Hinweise auf möglicherweise dort eingesetzte und verletzte oder getötete russische Soldaten (wie sie der Moskau-Korrespondent Julian Hans in diesem Artikel aufführt) gehen sie nicht ein. Das Eingeständnis der Separatisten, mehrere Tausend russische Soldaten würden in ihrer Freizeit in der Ukraine kämpfen, ignorieren sie genauso wie die Tatsache, dass dort reguläre russische Fallschirmjäger gefangen genommen wurden. Auch ihre Behauptung, die Separatisten würden sich "großer Unterstützung durch die lokale Bevölkerung erfreuen", widerspricht den Beobachtungen westlicher Medien.