Korea-Gipfel Kim Jong-un will Atomtestanlage im Mai schließen

Kim Jong-un und Moon Jae-in (r.) beim Händeschütteln am 27. April 2018 in Panmunjom in der demilitarisierten Zone zwischen Nord- und Südkorea.

(Foto: AP)
  • Ein Sprecher des südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-in hat Details aus den Gesprächen zwischen seinem Chef und Norkoreas Machthaber Kim Jong-un bekannt gegeben. Demnach will Kim die Atomtestanlage in Punggye Ri im Mai schließen.
  • Kim soll sich überdies optimistisch über sein geplantes Treffen mit US-Präsident Donald Trump gezeigt.
  • Trump kündigte an, Kim schon in drei bis vier Wochen treffen zu wollen.

Nach dem Gipfeltreffen von Nord- und Südkorea ist bei aller Symbolik so mache Frage offen geblieben. Nun gibt Seoul Details aus den Gesprächen von Panmunjom bekannt: Demnach will Nordkorea seine Atomtestanlage im Nordosten des Landes noch im Mai schließen. Den Vorgang wolle die Führung in Pjöngjang zudem vor Experten und Journalisten aus den USA und Südkorea offenlegen, teilte das Büro von Südkoreas Präsident Moon Jae-in mit.

Es bezog sich dabei auf jüngste Äußerungen von Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un bei dessen historischem Gipfel mit Moon am Freitag. Kim hatte sich zu einer "kompletten Entnuklearisierung" bereit erklärt. Über konkrete Schritte oder einen Zeitplan für diese Ziele gab es jedoch keine Angaben.

Bei ihrer Zusammenkunft im Grenzort Panmunjom hatten sich Nordkoreas Machthaber und Südkoreas Präsident auf einen Friedensvertrag noch in diesem Jahr geeinigt. Der Korea-Krieg von 1950 bis 1953 endete zwar mit einem Waffenstillstand, aber keinem Friedenspakt. Daher befindet sich die koreanische Halbinsel formal noch im Kriegszustand.

Trump will Kim in drei bis vier Wochen treffen

Kim habe sich überdies optimistisch über sein geplantes Treffen mit Donald Trump gezeigt, hieß es weiter. Zu seinem für Ende Mai oder Anfang Juni geplanten Treffen mit dem US-Präsidenten sagte Kim laut Moons Sprecher Yoon Young Chan: "Sobald wir anfangen zu sprechen, werden die Vereinigten Staaten erkennen, dass ich keine Person bin, die Nuklearwaffen auf Südkorea, den Pazifik oder die USA abfeuert."

Kim könnte schon bald die Gelegenheit bekommen, Trump davon zu überzeugen. Bei einer Kundgebung in Washington (Michigan) stellte der US-Präsident ein Treffen mit Nordkoreas Machthaber in den "nächsten drei, vier Wochen" in Aussicht. Über den Ausgang eines solchen Gipfels wollte Trump allerdings nicht spekulieren. "Was passiert, passiert", sagte er.

Weitere Details aus dem Korea-Gipfel

Erst kürzlich hatte Nordkorea angekündigt, sämtliche Atomtests und interkontinentalen Raketenversuche einzustellen. Auch Pläne zu einer Schließung seines Nukleartestgeländes hatte das kommunistische Land bereits bekanntgegeben, wenngleich der genaue Zeitpunkt bisher offen geblieben war.

Kim reagierte nach südkoreanischen Regierungsangaben beim Gipfel auch auf skeptische Stimmen, wonach sein Land nur die Testtunnel in der Anlage in Punggye Ri dichtmachen wolle, die laut einigen Experten nach dem sechsten und bisher gewaltigsten Atomtest Nordkoreas im September 2017 ohnehin zu instabil für weitere Untergrunddetonationen seien. Im Gespräch mit Moon habe der Machthaber abgestritten, dass er lediglich beschädigte Güter vom Gelände wegschaffen wolle. Die Anlage habe vielmehr zwei neue Tunnel, die größer seien als bisher genutzte Versuchsareale, erklärte Regierungssprecher Yoon unter Berufung auf Kim.

Nordkorea will seine Zeitzone umstellen - um die Kommunikation zu erleichtern

Nordkorea habe zudem angekündigt, seine Zeitzone so umzustellen, dass sie wieder mit jener Südkoreas übereinstimme. Die beiden Koreas nutzten jahrzehntelang die gleiche Zeitzone, ehe der Norden 2015 eine eigene "Pjöngjang-Zeit" einführte: Die Uhren in dem kommunistischen Land wurden um eine halbe Stunde zurückgestellt. Nordkorea erklärte die Maßnahme damals damit, man wolle das Erbes der japanischen Kolonialherrschaft über die koreanische Halbinsel beseitigen, die von 1910 bis 1945 währte.

Regierungssprecher Yoon erklärte, Nordkoreas Entschluss zur Rückkehr zur Seoul-Zeitzone ziele darauf ab, die Kommunikation mit Südkorea und den USA zu erleichtern.

Kleine Schritte, große Gesten

Alles am Treffen des südkoreanischen Präsidenten und des Diktators aus dem Norden war festgelegt, vom ersten Handschlag bis zur Abschlusserklärung. Doch dann halten die beiden sich nicht ans Protokoll. Von Christoph Neidhart mehr...