Kolonialverbrechen in Kenia Mau-Mau-Veteranen verklagen Großbritannien

Internierte Mau-Mau-Kämpfer in den fünfziger Jahren in Kenia

(Foto: AFP)

Zehntausende Kenianer wurden bei der Mau-Mau-Revolte gegen die britischen Kolonialherren in den fünfziger Jahren getötet. Jetzt wollen die Aufständischen Entschädigung in Millionenhöhe. Die britische Regierung kündigt einen Fonds für die Opfer an - nachdem sie jahrelang die Verantwortung von sich geschoben hat.

Mehr als 5000 Kenianer fordern Entschädigung von der früheren Kolonialmacht Großbritannien für die während des sogenannten Mau-Mau-Krieges erlittenen Verbrechen. Wie Kenias Anwaltskammer mitteilte, liegen ihr Listen von zwei Rechtsanwaltskanzleien vor. Ehemalige Mau-Mau-Kämpfer fordern demnach Schadensersatz in Höhe von mehreren Millionen Euro.

Nachdem die britische Regierung zunächst jahrelang die Forderungen der Veteranen abgewehrt hatte, spricht Außenminister William Hague den Opfern nun sein höchstes Bedauern aus und kündigte Entschädigungszahlungen in Millionenhöhe an.

Die britische Regierung hatte laut BBC zuvor jahrelang darauf verwiesen, dass mit der Unabhängigkeit Kenias im Jahr 1963 die Zuständigkeit für die Greueltaten der Kolonialmacht auf die Kenianische Republik übergegangen ist. Der Londoner High Court entschied 2012 jedoch im Sinne der Mau-Mau-Veteranen Paulo Muoka Nzili, Wambuga Wa Nyingi und Jane Muthoni Mara und räumte ihnen ein Klagerecht ein. Die Anwälte der drei Kenianer behaupten, dass ihre Mandanten während des Krieges schwer misshandelt worden seien. Demnach soll etwa Nzili kastriert und Mara sexuell missbraucht worden sein.

Viele Verantwortliche sind bereits tot

Das britische Foreign and Commonwealth Office (FCO) reagierte auf die Entscheidung des Gerichtes mit einem Verweis auf die Verjährung der Taten. Das FCO hatte nach eigenen Angaben größte Schwierigkeiten, an Dokumente und Zeugen zu kommen, heißt es weiter bei der BBC. Viele der damaligen Verantwortlichen sind inzwischen gestorben. Der High Court entschied trotzdem zugunsten der Kläger.

Die Mau-Mau-Bewegung formierte sich 1952 als Guerilla-Gruppierung, die gegen die Kolonialherrschaft gewaltsam Widerstand leistete. Großbritannien schlug den Aufstand der Kenianer blutig nieder. Nach Angaben der Kenya Rights Commission wurden damals 90.000 Menschen getötet, gefoltert oder verstümmelt. 160.000 wurden in Arbeitslagern interniert.