Ein Kommentar von Matthias Drobinski

Ettal, Fulda, die Regensburger Domspatzen: Immer mehr furchtbare Fälle in kirchlichen Einrichtungen werden bekannt. Die katholische Kirche braucht nun Mut zur Offenheit.

Es bleiben nur Zorn und Erschütterung: Zehn Patres in Ettal sollen bis zu hundert Kinder geschlagen und missbraucht haben, bei den Regensburger Domspatzen und in Fulda werden Übergriffe bekannt - das sind die Nachrichten eines Tages, und es steht zu befürchten, dass es so weitergehen wird.

Kloster Ettal Kindesmissbrauch Katholische Kirche dpa

Stark getrübte Idylle: das Kloster Ettal (© Foto: dpa)

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Die katholische Kirche ist kein Ort des systematischen sexuellen Missbrauchs; viele Fälle liegen bis zu 50 Jahre zurück. Aber es zersplittert auch die These, dass es sich um Einzelfälle handelt.

Es gibt Ursachen, die im System begründet sind: Menschen mit sexuellen Problemen treffen auf Kinder und Jugendliche; Missbrauch bleibt unaufgedeckt, weil die heilige Institution keinen Schaden nehmen darf.

Die katholische Kirche braucht nun Mut zur Offenheit.

Sie muss sagen, von wie vielen Tätern und Opfern sie weiß, muss Konsequenzen ziehen, wenn etwas vertuscht wurde. Sie muss nichtkirchliche Ansprechpartner anbieten, die Zusammenarbeit mit den Staatsanwaltschaften verbessern, den Opfern Gerechtigkeit widerfahren lassen.

Sexualmoral und innerkirchliche Wirklichkeit

Sie muss die Binnenkultur hinterfragen, die Abgrenzung zur Welt. Und sich dem Widerspruch zwischen hehrer Sexualmoral und innerkirchlicher Wirklichkeit stellen.

Es gibt Kirchenleute, die tun das, beginnen wenigstens damit. Der Berliner Jesuitenpater Klaus Mertes gehört dazu, auch das Erzbistum München.

Es gibt aber auch den Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller, der die Berichterstattung für einen "Missbrauch sexueller Verfehlungen Einzelner für machtpolitisch-ideologische Zwecke" hält.

Zum Schaden für alle, die von ihrer Kirche erwarten, dass sie ein Ort der Nähe ist, ohne dass sie an Missbrauch denken müssen.

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(SZ vom 6. März 2010/odg)