30 Jahre nach dem Falklandkrieg Bericht belastet argentinische Militärjunta

Fast 30 Jahre nach dem Falklandkrieg ist in Argentinien ein Bericht über den Einsatz veröffentlicht worden. Etwa 900 Menschen starben bei der Auseinandersetzung mit Großbritannien - die argentinischen Soldaten sollen dabei von ihren Offizieren regelrecht verheizt worden sein. Mit der Veröffentlichung versucht Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner auch, die Briten zu Gesprächen über den Status der Inselgruppe zu drängen.

Kurz vor dem 30. Jahrestag des Falklandkrieges hat die argentinische Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner einen Bericht über die Verfehlungen der argentinischen Militärjunta mit nur wenigen geschwärzten Stellen freigegeben. Der sogenannte Rattenbach-Bericht geht schonungslos mit den Streitkräften ins Gericht, die am 2. April 1982 die britischen Falklandinseln im Südatlantik besetzen ließen. Der Konflikt endete nach 74 Tagen, 900 Tote waren insgesamt auf beiden Seiten zu beklagen.

Anlässlich der Freigabe des Berichts am 22. März sagte Kirchner, sie wolle zeigen, dass Argentinien auf der Seite des Friedens stehe. Der Bericht könne nun in vollem Umfang zugänglich gemacht werden, bis auf die Namen von weiterhin aktiven argentinischen Agenten und einem Inselbewohner, der 1982 mit den Argentiniern kollaborierte.

Die Präsidentin wollte klarstellen, dass es nicht die Argentinier, sondern das von 1976 bis 1983 herrschende Militär war, das den fehlgeschlagenen Waffengang gegen die Briten anzettelte. Dennoch ist die Veröffentlichung auch ein Mittel, um die Briten wegen des etwa 500 Kilometer östlich des Südzipfels von Argentinien gelegenen Archipels unter Druck zu setzen. Argentinien beansprucht für sich weiter die 1833 vom britischen Königreich besetzten Malvinas, wie die Inselgruppe dort genannt wird.

Fehleinschätzung des Militärs

Der jetzt veröffentlichte Bericht bestätigte Ergebnisse einer früheren Version des Rattenbach-Berichtes. Bereits vor Jahrzehnten bescheinigte die Studie der militärischen Führung schwere Fehler, allerdings blieben damals viele Stellen geschwärzt. Demnach setzte die Junta auf eine schnelle Besetzung ohne Gegenwehr. Sie rechnete mit der Unterstützung der USA für die Briten, jedoch nicht damit, dass die damalige britische Premierministerin Margaret Thatcher, die Iron Lady, Verbände 13.000 Kilometer in den Südatlantik entsenden würde, um die Inseln zurückzuerobern.

Der Bericht bestätigt, dass argentinische Soldaten teils aus subtropischen Gefilden ohne angemessene Kleidung, Verpflegung oder Waffen von ihren Offizieren "verheizt" wurden. Manche Soldaten hatten keine Grundausbildung. Die Truppen seien weder an das Klima gewöhnt noch dafür ausgerüstet gewesen. In dem Zustand wurden sie gegen einen gut ausgerüsteten und ausgebildeten Feind auf die unwirtlichen Falklandinseln geschickt. "Die militärische Führung unterstützte die Annahme, dass es nicht zum militärischen Schlagabtausch kommen würde und die Situation auf diplomatischem Wege gelöst werden könne, was sich auf die Moral der Truppe und ihre Vorbereitung auswirkte", heißt es im Bericht.

Konflikt mit Großbritannien dauert an

Doch warum gibt Kirchner den Bericht so kurz vor dem 30. Jahrestag frei? "Es besteht das Bedürfnis, dieses Kapitel der Geschichte abzuschließen und die Menschenrechtsaspekte der Herrschaft der argentinischen Streitkräfte zu thematisieren", sagt der politische Analyst Vincente Palermo. Zudem versuche Kirchner, die Argentinier zu entlasten und allein das Militär verantwortlich zu machen. Aber man müsse berücksichtigen, dass wohl doch viele Argentinier die Sache der Streitkräfte unterstützen würden, sagte Palermo. Tatsächlich nahmen viele Argentinier an Demonstrationen für die Besetzung der Inseln teil. Manche stifteten sogar ihren Familienschmuck, um den Krieg zu unterstützen.

Mit der Veröffentlichung versucht Kirchner auch, die Briten zu Gesprächen über den Status der Inselgruppe zu drängen. Während sie das verfehlte argentinische Vorgehen der Streitkräfte einräumt, wirft sie den Briten vor, den unterschwellig brodelnden Konflikt erneut mit der Entsendung von Kriegsschiffen und U-Booten zu militarisieren.