Ein neues Buch korrigiert die Zahl der Berliner Mauertoten - und versachlicht eine ideologisch aufgeladene Debatte.
Die Frage, wie viele Menschen an der Berliner Mauer umgekommen sind, sorgt seit Jahren für eine ideologisch aufgeladene Debatte zwischen Forschern und SED-Opfern. Die Zahlen gehen weit auseinander, auch bei den Behörden.
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Am Reichstag in Berlin erinnern weiße Kreuze an DDR-Flüchtlinge, die an der Mauer getötet wurden. (© Foto: AP)
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So ging die Zentrale Erfassungsstelle der Landesjustizverwaltungen in Salzgitter 1991 von 79 Todesopfern an der Berliner Mauer aus, die Staatsanwaltschaft Berlin zählte im Jahr 1999 dagegen 86 Grenztote, die Arbeitsgemeinschaft 13. August kam sogar auf mehr als 200 Tote allein in Berlin und mehr als 1300 an der gesamten innerdeutschen Grenze. Die Zahlen sind alle falsch, jedenfalls wenn man einem Buch glauben darf, das am Dienstag in der Gedenkstätte Berliner Mauer vorgestellt wurde.
Erst nach der Wende die Todesumstände der Angehörigen erfahren
"Die Todesopfer an der Berliner Mauer 1961 - 1989" heißt das biografische Handbuch, das das Zentrum für Zeitgeschichtliche Forschung Potsdam und die Stiftung Berliner Mauer mit finanzieller Unterstützung des Bundes erstellt haben. Erstmals wurden darin Akten der Staatsanwaltschaft systematisch ausgewertet, aber auch Stasi-Dokumente und Erinnerungen von Familienangehörigen, die oft erst nach der Wende erfuhren, wie ihre Verwandten ums Leben gekommen waren.
Mindestens 136 Menschen wurden nachweislich, so die Untersuchung, bei einem Fluchtversuch erschossen, verunglückten tödlich an den Grenzanlagen oder nahmen sich das Leben, nachdem ihr Fluchtversuch gescheitert war. Unter den Toten waren fünf Kreuzberger Kinder, die in der Spree ertranken und nicht gerettet werden konnten. 251 oft ältere Menschen starben bei Grenzkontrollen, viele von ihnen an einem Herzinfarkt. Aber auch acht Angehörige der DDR-Grenztruppen kamen um, wurden erschossen von ihren eigenen Leuten oder von Fluchthelfern. 164 der untersuchten 575 Verdachtsfälle waren keine Todesfälle durch das Grenzregime.
Auch DDR-Grenzer waren Opfer
Das Buch liefert indes mehr als nur Zahlenkolonnen. Es verzichtet auf jedes Pathos, ersetzt ideologisch vorgefasste Meinungen durch sauber zitierte Quellen - ohne persönliche Erinnerungen auszublenden. So öffnet sich der Blick dafür, dass das, was sich am Todesstreifen abspielte, keineswegs immer in das Täter-Opfer-Bild passte, das man sich in Ost und West so machte.
Es erzählt, dass auch DDR-Grenzer zu den Opfern gehörten. Reinhold Huhn etwa, der am 18. Juli 1962 im Grenzhäuschen beobachtete, wie ein Mann durch einen Hinterhof von West- nach Ost-Berlin schlich und mit zwei Frauen und Kindern zurückkam. Als er den Mann ansprach, schoss der Fluchthelfer sofort aus nächster Nähe und flüchtete mit der Gruppe durch einen Tunnel. Der Grenzsoldat verblutete.
In der Stiftung Berliner Mauer gab es Debatten darüber, ob solche Biografien zu den "Opfern" zu zählen sind. Das Buch verzichtet auf jede Bewertung und liefert zahlreiche Lebensgeschichten wie die von Dietmar Schwietzer, einem Hobbyfunker aus Magdeburg, der zur Stasi sollte und stattdessen mit dem Motorrad zur Mauer fuhr und beim Drüberklettern Alarm auslöste. 91 Schuss gaben vier Wachleute auf ihn ab, sie wurden hinterher dafür belobigt. Den Eltern des Toten schickte die Stasi dann nur noch die Rechnung für die Beerdigung.
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(SZ vom 12.08.2009/ehr)
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"Schade, das sie nicht einmal die Ironie bei "Vermutlich war das so ein 20jähriger Killer..." erkannten."
Tja Ironie kann eben nicht jeder dekurio - aber halten sie sich ran dann wird es schon noch was.
"Bei der Beschäftigung damit, wurde ich mit sovielen Propagandamythen vertraut, das es mich ehrlich gesagt an die Brutkastenlüge vor dem ersten Golfkrieg oder die Fahndung nach Massenvernichtungswaffen vor dem jüngsten Einmarsch dort erinnert."
Ich verstehe: Sie sind einer dieser Durchblicker die ganz genau wissen was geht. Und natuerlich wissen sie bspw auch dass die USA von dem Angriff auf Pearl Harbor schon vorher wussten, dass 9/11 ein inside job der CIA war usw. Und natuerlich waren die angeblichen Maueropfer in Wirklichkeit Teil einer Kampagne der BRD gegen die DDR...und Srebrenica, Jenin, Somalia...sie blicken halt durch.
"Nicht jeder Grenzer war ein Täter, wie es in ihrer schwarz-weißen Welt so einfach erscheint."
Aber so ziemlich jeder Taeter an der Mauer war ein Grenzer. Und jetzt? Und schwarz-weiss ist es nun mal wenn es um Totschlag und Mord geht - ausser in ihrer roten Welt natuerlich.
Schade, das sie nicht einmal die Ironie bei "Vermutlich war das so ein 20jähriger Killer..." erkannten. Aber Hauptsache schnell und billig eine Antwort gezimmert, so traurig sie auch wieder ist. Zu den Geschehnissen in Serbien/Bosnien möchte ich mich nicht äußern. Bei der Beschäftigung damit, wurde ich mit sovielen Propagandamythen vertraut, das es mich ehrlich gesagt an die Brutkastenlüge vor dem ersten Golfkrieg oder die Fahndung nach Massenvernichtungswaffen vor dem jüngsten Einmarsch dort erinnert.
Nicht jeder Grenzer war ein Täter, wie es in ihrer schwarz-weißen Welt so einfach erscheint. Aber so ist das, manche nennen es Standpunkt...bei manchen ist es leider auch der Horizont...
Wer eine Grenze mit Stacheldraht, Wachtuermen, Minen, "Selbstschussanlagen" nicht von einem Ozean unterscheiden kann dem ist nicht zu helfen. Wohl ein "Ueberrest der Propaganda von damals", von der oestlichen Seite.
"Aber zu ignorieren, dass es bei der DDR-Grenze um eine Grenze ging, die im Kalten Krieg auch zur umkämpften hätte werden können,..."
Was hat das mit dem Thema hier zu tun?
doch bitte aus unseren Tagen. Nehmen wir z.B. eine Grenze zwischen zwei ideologisch, ökonomisch, militärisch einander NICHT gegenüber steheden Systemen: USA und Mexiko. Dort sterben JEDES Jahr mehr als an der Mauer in den Jahrzehnten ihrer Existenz. Oder nehmen wir die "Wassermauer" zur EU. Da sterben pro Jahr wahrscheinlich ebenso viele, wenn nicht eine Vielzahl mehr.
Um alle ist zu trauern. Aber zu ignorieren, dass es bei der DDR-Grenze um eine Grenze ging, die im Kalten Krieg auch zur umkämpften hätte werden können, weil z.B. Straus mit klingendem Spiel durchs Brandenburger Tor einmarschieren wollte, das ist Überrest der Propaganda von damals.
"Vermutlich war das so ein 20jähriger Killer..."
Davon gab es ja eine ganze Anzahl bei den DDR-Grenzern, jedenfalls wesentlich mehr als schiessende Fluchthelfer, wie die Zahlen belegen.
Gegenfrage: Ist es ihnen schon mal in den Sinn gekommen dass manche DDR-Grenzer ein persoenliches Interesse daran hatten Fluechtlinge auch mit toedlicher Gewalt an der Flucht zu hindern?
"Es ist schade um jeden Menschen, der an dieser Mauer sein Leben lassen mußte."
Nochmal: Wurden sie den gleichen Satz auch bei,einem sagen wir mal, serbischen Massaker an Bosniern (nachdem ihnen das Dritte Reich ja die "Roete" ins Gesicht treibt...sonst sind sie offenbar schon ziemlich rot) fallen lassen? Wie "geistig gesund" kann man sein wenn man Taeter und Opfer in eine Reihe stellt? Und das auch noch "Versachlichung" nennt? Darum ging es hier, nicht um den Vergleich von Opferzahlen. Aber das war ihnen egal, sie wollten sich nur mal schnell und billig erregen.
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