13 Namen für die Todesliste: Deutschland ist offenbar tiefer in Liquidierungen von Islamisten durch US-Spezialeinheiten in Afghanistan involviert als bislang bekannt.
US-Elitesoldaten haben nach einem Medienbericht mindestens einen Taliban-Kommandeur in Afghanistan mit Hilfe deutscher Informationen gezielt getötet. Die Bundeswehr habe Qari Bashir 2009 zur Gefangennahme auf die Nato-Fahndungsliste gesetzt, berichtet der Spiegel. Der Mann sei dann im November 2009 bei einer mehrtägigen Operation nordwestlich von Kundus von US-Spezialkräften getötet worden. Bashir habe rund 50 Kämpfer unter seinem Befehl gehabt.
Bild vergrößern
Gefährlicher Einsatz am Hindukusch: ein deutscher Soldat nahe Kundus (© Reuters)
Anzeige
Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums wollte den Bericht nicht kommentieren und verwies auf die Äußerungen der Bundesregierung vom vergangenen Mittwoch in Berlin.
Da hatte ein Sprecher von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) eingeräumt, dass deutsche Soldaten an der Erstellung von Nato-Fahndungslisten beteiligt sind, die in Isaf-Operationen - möglicherweise mit gezielten Tötungsabsichten - münden können. Deutschland selbst schreibe die Personen nur zur Gefangennahme aus.
Laut Spiegel haben die Deutschen mindestens 13 Personen auf die Liste setzen lassen. Davon seien zwei wegen fehlender neuer Hinweise wieder gestrichen worden - zwei weitere seien festgenommen worden. "Insgesamt stehen aktuell noch sieben von Deutschland nominierte Taliban auf der Nato-Liste", berichtet das Magazin.
Darunter sei auch Abdul Rahman, der Anfang September nahe Kundus die Entführung zweier Lastwagen angezettelt habe, die dann auf deutsche Anforderung hin bombardiert worden seien. Bei dem Luftschlag waren bis zu 142 Menschen getötet oder verletzt worden, darunter viele Zivilisten.
Das Magazin bezog sich bei seiner Berichterstattung auf die überwiegend geheimen US-Dokumente, die kürzlich auf der Website Wikileaks im Internet veröffentlicht worden waren. Sie enthalten auch Informationen über die US-Task Force 373, der im Einzelfall die gezielte Tötung von Taliban erlaubt sein soll.
Die Task Force ist im deutschen Lager in Masar-i-Scharif und damit im deutschen Zuständigkeitsgebiet des internationalen Isaf-Einsatzes stationiert.
- Geheime Afghanistan-Papiere Staatsaffäre Wikileaks: Ein Fall fürs FBI 30.07.2010
- Afghanistan: Wikileaks-Dokumente Töten und töten lassen 29.07.2010
- Politik kompakt Blutigster Monat für US-Armee in Afghanistan 30.07.2010
- Afghanistan: Taliban ermorden Ärzte-Team Berlin verurteilt "feigen Mord" 07.08.2010
- Pakistan In den Strudeln des Punjab 07.08.2010
- Hochwasser in Pakistan Millionen obdachlos, Präsident in Nobelhotel 06.08.2010
- Afghanistan Taliban-Angriff auf wichtige Nato-Basis 03.08.2010
(dpa/odg/grc)
Nach NRW-Debakel
Lohnzettel auf Facebook
Parteispender 2010
Putin, der "Alpha-Rüde"
Politiker und ihre Pannen
Aber wir sind "die Guten"?
ach, echt?
Die deutsche "Schutztruppe" in Afghanistan ist nun doch an gezielten
Ermordungen afghanischer Widerstandskämpfer beteiligt. Wir haben
es schon immer geahnt, aber nun ist es Gewissheit. Wen schützt diese
Truppe eigentlich? Wohl kaum die Afghanen, die keine fremden Truppen
auf ihrem Territorium dulden wollen. Hier sollen wohl eher die eigenen
imperialen Interessen geschützt werden.
Die offizielle Sprachreglung der Bundesregierung bzw. der deutschen
Medien, die hier von "ISAF-Schutztruppe", "Afghanistan-Schutztruppe",
"Internationale Schutztruppe", "Deutsche Schutztruppe" reden, ist an
Zynismus kaum zu überbieten.
Eine deutsche "Schutztruppe" gab es bereits um 1900 im ehemaligen
Deutsch-Südwestafrika. Dort rottete sie fast das ganze Volk der Hereros
aus.
"Vom um 1904 auf rund 80.000 bis 100.000 Personen geschätzten Hererovolk
lebten 1911 nur noch 15.130 Personen. Der Völkermord in Deutsch-Südwestafrika
hatte also 65.000 bis 85.000 Herero das Leben gekostet."
http://de.wikipedia.org/wiki/Aufstand_der_Herero_und_Nama
Für diesen Völkermord wurde bisher keinerlei Wiedergutmachung geleistet. Auch
für den "Internationalen Gerichtshof" war dieser Völkermord bisher kein Thema,
obwohl Völkermord nicht verjährt.