Regionalwahlen in Italien Spiel um Matteo Renzis Zukunft

Für ihn geht es bei der Regionalwahl um seine politische Zukunft: Italiens Premier Matteo Renzi.

(Foto: AFP)
  • Alles schaut auf den Ausgang der Wahlen in sieben der insgesamt zwanzig Regionen Italiens.
  • Für Premier Matteo Renzi geht es um seine politische Zukunft.
  • Am wichtigsten für den Premier ist die Küstenregion Ligurien im Norden. Die Aussicht auf einen Erfolg ist dort jedoch gering.
Von Oliver Meiler, Rom

Es waren Tage wie im Taumel, auch fürs Publikum. Als ginge es um viel, um alles schon. Matteo Renzi polterte in der vergangenen Woche von allen Wahlkampfbühnen herab, gab jedem Lokalsender zwischen Apulien und Ligurien ein Interview, talkte und twitterte sich in einen Flow, besuchte Autofabriken für Selfies mit verdächtig fröhlich lächelnden Arbeitern, erfand immer neue Slogans.

An manchen Tagen tauchte Italiens Premier in schneller Folge an so vielen Orten auf, dass man ihn der Bilokation befähigt wähnte. Renzi bewegt sich nun mal gerne mit einem Hubschrauber der Luftwaffe fort. Und diesmal, vor den Wahlen am Sonntag in sieben Regionen und etwa tausend Gemeinden, schien ihm die rauschhafte Beehrung möglichst vieler der 17 Millionen geladenen Wähler besonders lohnend. Bei allem Lokalcharakter, der ihr anhängt: Die Wahl ist eine nationale "partita", wie sie die Medien mit einer Entlehnung aus dem Sportjargon nennen - ein nationales Match.

Renzi spielt um seine politische Zukunft. Alles schaut auf den Ausgang bei den Wahlen in den sieben der insgesamt zwanzig Regionen Italiens: Gewählt wird im Veneto, in Ligurien, in den Marken, der Toskana, Umbrien, Kampanien und Apulien.

Renzis erträumtes Tennis-Resultat

Zur Zeit regiert Renzis sozialdemokratischer Partito Democratico in fünf von ihnen, in allen nämlich außer dem Veneto und Kampanien. Gelänge es, dieses 5:2 zu halten, wäre man zufrieden. Verlöre man eine zusätzliche Region und siegte nur 4:3, wäre man zwar ziemlich enttäuscht, aber nicht geschlagen. Ein 3:4 scheint ausgeschlossen zu sein, wenn man den Demoskopen folgt, wäre aber natürlich eine krachende Niederlage. Renzis erträumtes Resultat aber ist eines, wie man es aus dem Tennis kennt: 6:1. Kampanien scheint reif für einen Wechsel, obschon sich dort auch bei den Linken eine betrübliche Anzahl windiger Kandidaten um Sitze im Regionalparlament bemühen. Ein sattes 7:0 hingegen ist unwahrscheinlich. Im Veneto, einer Hochburg der rechtspopulistischen Lega Nord, ist die Linke wohl chancenlos.

Ein 6:1 würde Renzis Herrschaft über die Partei festigen. Nach einem 6:1 würden sich wohl auch die internen Kritiker geschlagen geben, die Dissidenten vom linken Parteiflügel - und Reformer Renzi hätte freiere Hand. Ein 6:1 wäre auch eine Bestätigung des erstaunlichen Erfolgs aus dem letzten Jahr, als es der Partito Democratico bei den Europawahlen allein auf 41 Prozent der Stimmen brachte. Dank Renzi. Dank dieser jugendlichen und zuweilen ungestümen Dynamik, mit der der 40-jährige Toskaner das Land ein bisschen aus der Lethargie riss. Ein 6:1 würde belegen, dass die Dynamik trotz des Unmuts über gewisse Reformen und trotz Kritik an Renzis selbstgefälligem bis selbstherrlichem Regierungsstil noch immer wirkt.

Nationales Match: Fährt sein Partito Democratico genügend Siege ein, erhält Premier Matteo Renzi freie Hand für Reformen.

(Foto: Remo Casilli/Reuters)