Italien Entführer von Berlusconi-Vertrautem festgenommen

In Italien wurden sechs Männer festgenommen, die einen Vertrauten Berlusconis als Geisel genommen haben sollen. Der Ex-Premier sollte 35 Millionen Euro Lösegeld bezahlen. Sein Anwalt sagt, Berlusconi habe sich geweigert. Doch Ermittler untersuchen jetzt, ob nicht doch Geld geflossen ist.

Giuseppe Spinelli und seine Frau waren elf Stunden in der Hand bewaffneter Geiselnehmer (Archivbild).

(Foto: REUTERS)

Die italienische Polizei hat am Montag sechs Männer festgenommen, die vor einem Monat einen seiner engen Vertrauten als Geisel genommen haben sollen, um von Berlusconi 35 Millionen Euro Lösegeld zu erpressen.

Giuseppe Spinelli, der Buchhalter Berlusconis, sei am späten Abend des 15. Oktober in seinem Wohnhaus in Bresso bei Mailand von zwei bewaffneten und maskierten Männern überfallen worden, erklärte der Mailänder Polizeichef Alessandro Giuliano.

Die Männer hätten Spinelli aufgelauert, als er gerade aus dem Aufzug trat und zu seiner Wohnung ging, ihn geschlagen und in die Wohnung gezerrt. Dort sei er gemeinsam mit seiner Frau Anna Spinelli insgesamt elf Stunden festgehalten worden. Ein dritter Geiselnehmer kam später dazu. "Mein Mann blutete aus dem Mund, ich dachte, die würden uns umbringen", sagte Anna Spinelli am nächsten Tag der Polizei, wie die Zeitung La Stampa berichtet.

Die Geiselnehmer aber wollten vor allem an das Geld des Milliardärs Berlusconi. Im Gegenzug boten sie nicht nur die Freilassung des Ehepaars Spinelli an, sondern zusätzlich auch Dokumente, die Berlusconi angeblich in einem Rechtsstreit nützlich sein könnten.

Im Juli 2011 hatte ein Mailänder Berufungsgericht in letzter Instanz das Unternehmen Fininvest dazu verurteilt, einem Konkurrenten etwa 540 Millionen Euro Schadensersatz zu zahlen. Fininvest wurde von Silvio Berlusconi gegründet und wird heute von seiner Tochter Marina geleitet. Nach einem Übernahmestreit hatte Fininvest 1991 die Mehrheit am Verlagshaus Mondadori erworben. Der Konkurrent CIR ging leer aus. Der Richter, der in dem Streit Berlusconis Fininvest den Zuschlag gab, wurde später wegen Bestechlichkeit verurteilt.

Die Ermittler rätseln, ob Lösegeld gezahlt wurde

Die Erpresser behaupteten, Beweise dafür zu besitzen, dass die Richter, die Berlusconi deswegen die hohen Strafzahlungen auferlegten, ihrerseits von einem Konkurrenten Berlusconis geschmiert worden waren. Spinelli gab zwar an, Dokumente gesehen zu haben, auf denen "Mondadori" stand. Ob sie echt sind, ist aber bislang nicht klar.

Die Erpresser ließen das Ehepaar Spinelli am Morgen des 16. Oktober frei. Über die Hintergründe der Freilassung ist bisher wenig bekannt. Wie Berlusconis Anwalt Nicolo Ghedini bestätigt, hatte Spinelli kurz zuvor mit Berlusconi und Ghedini selbst telefoniert. Details aus diesen Gesprächen sind bislang nicht an die Öffentlichkeit gelangt. Ghedini sagte nur, er habe den Erpressern mitgeteilt, dass Berlusconi nicht zahlen werde, ohne die Dokumente vorher gesehen zu haben.

Die zuständige Ermittlungsrichterin Paola Di Lorenzo schließt allerdings nicht aus, dass doch Geld geflossen sein könnte. In einem abgehörten Telefongespräch hätten die Erpresser die Summe von acht Millionen Euro erwähnt. Sie könnte womöglich nachträglich für die Freilassung der Geiseln gezahlt worden sein, spekulieren die Ermittler - aber genauso aus anderen illegalen Geschäften stammen. Auf drei beschlagnahmten Konten wurde das Geld bisher nicht gefunden.

Die Spinellis selbst sollen der Polizei den entscheidenden Hinweis gegeben haben, der fünf Wochen nach der Entführung zur Festnahme der mutmaßlichen Erpresser führte.

Einer der drei Männer habe auffällige rote Turnschuhe getragen, erinnerten sich die Spinellis - und ein Mann mit solchen Schuhen sei ihnen schon Tage vorher vor dem Haus aufgefallen. Bilder von Überwachungsvideos, ein Autokennzeichen und ein Fingerabdruck führten die Ermittler dann endgültig auf die Spur der mutmaßlichen Erpresser.