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Italien: Gericht verurteilt Fininvest zu Schadensersatz:Berlusconi-Konzern muss 560 Millionen Euro an Erzrivalen zahlen

Eine Übernahmeschlacht, ein bestochener Richter und ein Streit, der Männer zu Feinden gemacht hat: Nach 20 Jahren kommt der Kampf um das Verlagshaus Mondadori nun zu einem Ende. Ein Mailänder Gericht verurteilt den Fininvest-Konzern von Premier Silvio Berlusconi - obwohl der Cavaliere eine Niederlage bis zuletzt mit allen Mitteln zu verhindern suchte.

20 Jahre liegt die Übernahmeschlacht um die Kontrolle des italienischen Verlagshauses Mondadori zurück, 20 Jahre lang haben sich Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi und sein Erzrivale Carlo De Benedetti vor den Gerichten Italiens gestritten. Nun hat das Berufungsgericht in Mailand Berlusconis Fininvest-Konzern zur Zahlung von 560 Millionen Euro Schadensersatz verurteilt.

Das wird dem Cavaliere nicht gefallen: Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi (links) muss an seinen Erzrivalen Carlo De Benedetti 560 Millionen Euro Schadensersatz zahlen.

(Foto: AFP)

Vor der Urteilsverkündung hatte sich der Cavaliere noch überzeugt gezeigt, dass das Berufungsgericht seine Fininvest, die Italiens größten Privatsender Mediaset kontrolliert, nicht verurteilen werde. An De Benedetti würde er niemals zahlen, eher würde er das Geld spenden, sagte Berlusconi. Doch das wird der angeschlagene Premier kaum durchhalten können: Wie die italienische Nachrichtagentur Ansa meldet, ist das Urteil sofort vollstreckbar.

Berlusconi wurde in dem Ringen um den einflussreichen Verlag vom römischen Berufungsgericht die Kontrolle über Mondadori zugesprochen. Der Cavaliere hatte mit dem Geschäft in den 1990er Jahren seinen Einfluss im Printmedien- und Verlagsgeschäft ausbauen können. De Benedetti, blieben La Repubblica und das Magazin L'Espresso, die heute als schärfste Organe gegen den Premier gelten.

Nach einem Strafurteil von 2007 bestach Berlusconi jedoch einen Richter, um sein Ziel zu erreichen. Der Premier wurde wegen Verjährung zwar nie persönlich belangt, seine Fininvest war im Oktober 2009 in erster Instanz aber zur Zahlung von 750 Millionen Euro an die Holding De Benedettis verurteilt worden.

Nach einem Einspruch der Fininvest-Holding verringerte das Gericht zwar den Schadensersatz, sein Ziel, die Verurteilung aufzuheben verfehlte Berlusconi allerdings.

In dem vor einer Woche beschlossenen Sparpaket hatte der Premier eine Regelung aufgenommen, wonach derart hohe Entschädigungen in Zukunft nicht mehr möglich gewesen wären. Auf Druck der Opposition und von Kritikern aus den eigenen Reihen, die bereits vom maßgeschneiderten "Lodo Fininvest" sprachen, wurde die Klausel aus dem Dekret gestrichen.

"Dieses Urteil macht uns sprachlos", sagte Fininvest-Präsidentin Marina Berlusconi. Die älteste Tochter des Premiers drohte zudem, vor das Kassationsgericht in Rom zu ziehen."Wir sind absolut sicher, im Recht zu sein." Das Gericht ändert jedoch in der Regel das Urteil nicht, sondern beschäftigt sich mit Verjährungs- und formalen Fragen.

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