Bluttat in London Soldatenmord schockiert Großbritannien

Der brutale Mord an einem Soldaten vor einer Londoner Kaserne erschüttert Großbritannien. Die beiden mutmaßlichen Täter befinden sich in Polizeigewahrsam. Nach der Bluttat ließen sie sich filmen. Premier Cameron vermutet einen terroristischen Hintergrund, erste islamfeindliche Vorfälle werden gemeldet.

Wenige Tage vor dem Champions-League-Endspiel in London hat es in der Stadt ein Gewaltverbrechen mit möglicherweise terroristisch motiviertem Hintergrund gegeben. Ein Mann - offensichtlich ein Soldat - wurde auf offener Straße im Stadtteil Woolwich mit einer Machete getötet. Laut Polizei sollen bei dem Angriff am Nachmittag nahe einer Kaserne mehrere Waffen eingesetzt worden sei. Die mutmaßlichen Täter sollen "Allahu Akbar" ("Gott ist größer") gerufen haben, berichtete die BBC unter Berufung auf Regierungskreise.

Der britische Sender ITV veröffentlichte ein Video, das einen mutmaßlichen Täter zeigen soll. Der Gefilmte gibt sich in dem Video als Angreifer aus - und entschuldigt sich, dass Frauen die Tat mitansehen müssten. "Aber in unserem Land müssen Frauen dasselbe ansehen", sagt er. Das Video scheint kurz nach der Tat aufgenommen worden zu sein - wirft aber viele Fragen auf: Zum Beispiel bleibt unklar, warum der Gefilmte den Tatort nicht verlässt und wer das Video gedreht hat.

Nick Raynsford, Parlamentsabgeordneter für die Stadtteile Woolwich und Greenwich, sagte nach Gesprächen mit der Polizei und der Armee, bei dem Toten handele es sich vermutlich um einen Soldaten. Über mögliche Hintergründe der Tat machte er ebenso wie die Polizei zunächst keine Angaben. Die Angreifer wurden nach der Tat von der Polizei angeschossen. Einer der mutmaßlichen Täter soll dabei lebensgefährlich verletzt worden sein. Die beiden würden in zwei unterschiedlichen Krankenhäusern behandelt, sagte ein Polizeisprecher.

Inzwischen ist es in Großbritannien zu islamfeindlichen Aktionen wegen des Soldatenmords gekommen. Ein 43-Jähriger wurde festgenommen, als er mit einem Messer in eine Moschee in der Hauptstadt eindrang, wie ein Abgeordneter auf Twitter berichtete. Ein zweiter Mann wurde wegen Verdachts auf rassistisch motivierte Sachbeschädigung im Südosten des Landes festgenommen.

Cameron bricht Besuch in Frankreich ab

Premierminister David Cameron will seinen Besuch in Frankreich unterbrechen und noch am Abend nach London zurückkehren. Cameron sagte nach einem Treffen mit Frankreichs Staatschef François Hollande in Paris, es gebe "starke Hinweise, dass es ein terroristischer Vorfall ist". Berichte, wonach es sich bei dem Opfer um einen Soldaten der britischen Streitkräfte handelt, bestätigte Cameron zunächst nicht. Der Premier bezeichnete die Tat in London in einer ersten Reaktion im Kurznachrichtendienst Twitter als "wahrlich schockierend".

Cameron wies darauf hin, dass Großbritannien bereits in der Vergangenheit zahlreichen terroristischen Angriffen ausgesetzt war. "Im Angesicht dessen werden wir niemals einknicken", sagte er. Hollande sicherte Cameron und Großbritannien Solidarität im Kampf gegen Terroristen zu.

Am Abend solle das nationale Sicherheitskabinett "Cobra" (Cabinet Office Briefing Room) zusammenkommen. Innenministerin Theresa May bestätigte unterdessen, sie sei von dem Chef des Inlandsgeheimdienstes MI5 über die Lage unterrichtet worden.

Londons Bürgermeister Boris Johnson sprach von einem "widerwärtigen, unverzeihlichen Akt der Gewalt". Unklar blieb zunächst, ob die allgemeine Sicherheitslage in London von dem Vorfall beeinträchtigt ist. Am Wochenende werden Zehntausende Besucher aus Deutschland in der Stadt erwartet, wenn im Wembley-Stadion die Mannschaften von Borussia Dortmund und Bayern München im Finale der Champions League aufeinandertreffen. Sollte eine terroristische Intention der Täter erhärten, wäre es der erste nennenswerte Terrorakt auf britischem Boden, seit 2005 bei Anschlägen auf U-Bahnen und Busse 52 Menschen ums Leben gekommen waren.