Ein Abgeordneter spricht Klartext: Im Gespräch mit sueddeutsche.de plädiert der CDU-Mann Jens Spahn für Bündnisse mit den Grünen und attestiert Schwarz-Gelb ein Glaubwürdigkeitsproblem.
Jens Spahn, 30, ist seit neun Jahren CDU-Abgeordneter im Deutschen Bundestag und seit 2009 gesundheitspolitischer Sprecher der Unionsfraktion. Zuletzt machte der Bankkaufmann und Politologe mit dem Vorschlag Schlagzeilen, Vierbettzimmer in Krankenhäusern abzuschaffen.
Bild vergrößern
Jens Spahn, Jahrgang 1980, war mal jüngstes Mitglied der Unions-Bundestagsfraktion. Inzwischen ist der Münsterländer gesundheitspolitischer Sprecher seiner Fraktion. (© dpa)
Anzeige
sueddeutsche.de: Herr Spahn, sowohl in Rheinland-Pfalz als auch in Baden-Württemberg gibt es theoretisch schwarz-grüne Mehrheiten. Was muss passieren, damit solche Chancen in Zukunft nicht vertan werden?
Jens Spahn: Wir dürfen uns nicht an die FDP ketten. Diese Wahlen haben gezeigt: Wir brauchen Bündnisoptionen jenseits der FDP. Dafür müssen wir uns sowohl in persönlichen Kontakten als auch inhaltlich öffnen. Die reine Fokussierung auf Schwarz-Gelb wird auf Dauer nicht helfen.
sueddeutsche.de: War es ein Fehler, mit der gewonnen Bundestagswahl 2009 nur noch auf die schwarz-gelbe Karte zu setzen? In Baden-Württemberg hat das ja nicht geholfen.
Spahn: In Baden-Württemberg haben CDU und FDP über Jahre erfolgreich zusammen regiert. Da ist es logisch und nachvollziehbar, auch gemeinsam in den Wahlkampf zu ziehen. Aber nach so einer Niederlage muss genau geprüft werden, ob das wirklich die einzige Option bleiben kann. Gerade in Baden-Württemberg lässt sich ja beobachten, dass die Wähler der Grünen uns als CDU ja durchaus nahestehen.
sueddeutsche.de: Spätestens mit der Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke im vergangenen Herbst hat die CDU jede Tür zu den Grünen zugeschlagen. War das ein strategischer Fehler?
Spahn: Es ging allen Parteien um den Ausstieg. Die Frage war ja nur noch, wer steigt wie schnell aus und wo stattdessen ein. Wir haben allerdings unser Energiekonzept nicht breit genug kommuniziert. Es war offenbar vielen Menschen nicht klar, was wir warum und wie entscheiden. Wir sind in Sachen Kernenergie keine Fetischisten. Es ging uns allein darum, einen machbaren und verantwortlichen Ausstieg zu gestalten, ohne dass wir dann Atomstrom aus Frankreich importieren. Jetzt ist die Chance da, die Debatte zu führen, die wir vor sechs Monaten hätten führen müssen. Es liegt doch eine historische Chance für die ganze Gesellschaft darin, dass jetzt auch Union und FDP ihren endgültigen Frieden mit dem Ausstieg machen und die Energiewende betreiben.
sueddeutsche.de: Wie muss sich die CDU präsentieren, damit sie auch den Grünen ein Partner sein kann, den sie nicht von vornherein ablehnt?
Spahn: Wir sollten jetzt nicht unsere Programmatik verändern, nur um den Grünen zu gefallen. Das ist kein Selbstzweck. Aber wir haben gemerkt, dass wir allein mit Wirtschaftsthemen nicht weiter kommen. Wir müssen auch in der Gesellschafts- und Umweltpolitik und beim Thema Nachhaltigkeit klarer als bisher wahrnehmbar sein. Außerdem wäre Schwarz-Grün natürlich nicht streitfrei und nicht problemlos, aber Garantie für große Emotion, für großes politisches Kino: Die Union für den Verstand, die Grünen für das Herz. Das spiegelt die Widersprüche des modernen Lebens wider. So was fehlt doch derzeit.
sueddeutsche.de: In der CDU gibt es noch große Vorbehalte gegenüber den Grünen. Jetzt führen die Grünen erstmals eine Regierung an, und das auch noch im bevölkerungsreichen und wirtschaftsstarken Baden-Württemberg. Ist das eine Chance, die Grünen mit anderen Augen zu sehen?
Spahn: Für die Grünen liegt darin Chance und Risiko zugleich. Sie müssen jetzt zeigen, dass sie Verantwortung übernehmen können und in der Lage sind, im Kompromiss notwendige Entscheidungen zu treffen. Das kann einerseits dazu führen, dass unsere Leute erkennen, es geht ja doch. Andererseits dürfte das die Grünen wieder auf eine realistische Größe schrumpfen, denn Milch und Honig fließt auch mit ihnen nicht. Die Erwartungen sind jetzt schon so hoch, dass sie kaum zu erfüllen sein dürften.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
- Grüne: Positionspapier "Schwarz-Grün ist keine dumme Idee" 29.03.2011
- Nachbeben der Landtagswahlen Die CDU hat ihre Kernkompetenz verspielt 30.03.2011
- Zum Siegeszug der Grünen Das falsche Leben im wahren 04.04.2011
- Zum Siegeszug der Grünen Grüner wird's noch 31.03.2011
- Stuttgart 21: Der Baustopp und die Grünen Millionen, mit denen man sich abfinden muss 30.03.2011
- Zum Siegeszug der Grünen Stunde der Heuchler 30.03.2011
- Schwarz-Gelb im Bundesrat Satte Minderheit 29.03.2011
Russland unter Putin
Wer ein "C" im Parteinamen hat, hat die kath. Bischöfe auf seiner Seite und macht schon deshalb keine Fehler. Lange ist es der CDU mit kirchlichem Segen gelungen dem simplen Bürger zu vermitteln alles was nach rot und grün aussieht, sei des Teufels. Nur schwarz gelb hat die Lizenz zum Wirtschaften. Stimmt im großen Stil, dem Kleinen Unternehmer blieb nur Fleiß und Ideenreichtum. Da wird sich noch einiges auftun, was sich in 58 Jahren CDU an Filz und Seilschaften zusammengebraut hat. Hier haben vorallem die Medien in BW versagt, die nämlich gehören in schöner Eintracht dazu.
So ist es wohltuend anzusehen wie sich meine Tageszeitung aus PF nun bemüht "der König ist tot, es lebe der König" die Kurve zu bekommen, nachdem sie am Samstag vor dem Wahltag auf der Titelseite noch einen schwarz- rot - goldenen CDU Aufkleber mit griffigem Wahlslogan verbreitet hat! Geschieht ihr recht! Eine unverblümtere Parteiennahme habe ich noch nie erlebt.
Zitat: "In Baden-Württemberg haben CDU und FDP über Jahre erfolgreich zusammen regiert. "
.... daß erfolgreich das Land Baden-Württemberg (seine Bürger) ist, so erfolgreich, daß ihm nicht einmal eine CDU/FDP-Regierung ernsthaften Schaden zufügen konnte (bisher) ?
... klar vielen Dank Herr Spahn... was Sie als erfolgreich bezeichnen, nennen andere Diletantismus... oder Verbrechen am Volk.... hirnlose Entscheidungen die nur Geld kosten ist man von Politikern ja gewohnt, aber so dämliche Sprüche können schon mal ins Auge gehen und dann... Brüderle lässt grüßen.... will sie nicht mal mehr die Wirtschaft als Portier
Manchmal verstehe ich nicht welche Drogen man nehmen muß um sich selbst mit so einem albernen Gesabber noch ernst nehmen zu können. Licht aus im Kopf und gute Nacht Deutschland.
Wie ein Schmusekurs zu den doch so verhassten Grünen nun gelingen soll, wird schon einige Überzeugungsakrobatik abfordern. Eine Partei, die die Atomenergie genauso verehrt wie sie den Reichtum der Reichen besonders fördert, eine Partei, für die eine ernsthafte Demokratie schon der Absturz in ein kommunistisches Chaos ist ..... eine Partei, die Werte wechseln kann wie ein Hemd... eine Partei der ideologischen Engstirnigkeit und einer oft tiefen Angst vor den Veränderungen, die eine nie stillstehende Zeit von den Bewohnern des Planeten abverlangt... so eine Partei will Nähe zu den Grünen demonstrieren?
Da hat ein Wolf wohl Kreide gefressen und spielt jetzt die liebe Großmutter.
Sollte diese CDU allerdings Ernst machen mit christlichen Leitsätzen, könnte diese Nähe schon gelingen. Nur müsste dann das Personal noch einmal genauer danach geprüft werden, wie weit die einzelenen Vertreter sie in diese christliche Welt passen können.
Dieser neue ebenso aufwendige wie teuere Kanzlerjet ist jedenfalls kein geeignetes Signal für chrsitliche Einstellungen, sondern für ein überhebliches Selbstverständnis, das auch für die stolzen Inhaber ausgesprochen gefährlich ist.
Hallo Herr Spahn!
Angesichts der Tatsache, dass vor allem Akademiker und Öffentlicher Dienst Grüne wählen, sollten Sie aufpassen, dass Sie da nichts verwechseln.
Umgekehrt wird ein Schuh daraus: die Volksmusik dudelnde, volksnah Bierzelte besuchende und Argumente von bestrickender Einfachheit gebrauchende CDU fürs Herz (wenn überhaupt), die Grünen mit Ihren anspruchsvollen Themen, die ein gewisses Grundinteresse und Grundwissen voraussetzen, fürs Hirn, oder?
Paging