Internet-Überwachung durch GCHQ NSA zahlte 100 Millionen Pfund an britische Spione

"Jedes Telefon an jedem Ort zu jeder Zeit anzapfen": Der britische Geheimdienst GCHQ soll so viel spioniert haben, dass selbst eigene Mitarbeiter unruhig wurden. Hilfe kam einem Bericht zufolge aus den USA. Die NSA soll satte Beträge nach London überwiesen haben - und erwartete entsprechende Gegenleistungen.

Von Jakob Schulz

Die Beziehung zwischen Großbritannien und den USA ist seit jeher eine besondere. Seit vielen Jahrzehnten stehen Briten und Amerikaner Schulter an Schulter, wenn es gilt, einer gefühlten gemeinsamen Bedrohung entgegenzutreten. Doch die angloamerikanischen Verbündeten arbeiten nicht nur auf dem Schlachtfeld eng zusammen. Wie geheime Unterlagen zeigen, unterstützt der US-Abhördienst NSA sein britisches Pendant GCHQ (Government Communications Headquarters) jährlich mit hohen Millionensummen.

Bis zu 100 Millionen Pfund, umgerechnet etwa 115 Millionen Euro, soll die NSA im Laufe der vergangenen drei Jahre nach Großbritannien überwiesen haben. Die Existenz dieser streng geheimen Zahlungen geht aus Dokumenten hervor, die der Whistleblower Edward Snowden dem britischen Guardian zugespielt hat.

Den Unterlagen zufolge setzte das GCHQ die Mittel dafür ein, eine bessere Telefonüberwachung zu entwickeln. Ziel sei es gewesen, "jedes Telefon an jedem Ort zu jeder Zeit anzapfen zu können". Der Umfang der abgegriffenen Daten aus Telefon- und Internetüberwachung soll sich binnen fünf Jahren um 7000 Prozent vergrößert haben. Das Ausmaß der Spionage soll sogar Mitarbeiter des Nachrichtendienstes erschreckt haben, heißt es in dem Bericht.

Schon in seinen ersten Äußerungen hatte Snowden vor der engen Zusammenarbeit von NSA und GCHQ gewarnt. "Es ist nicht nur ein Problem der USA. Sie sind schlimmer als die Amerikaner", sagte Snowden damals mit Bezug auf den britischen Geheimdienst und seine Anstrengungen, den Internetverkehr abzufangen und zu durchforsten.

"Angemessene Gegenleistung"

Obgleich die Millionen aus den USA nur einen geringen Teil des GCHQ-Budgets ausmachen, ist das Geld dem neuen Guardian-Bericht zufolge eine bedeutende Einkommensquelle für den Abhördienst. In einem Dokument des Dienstes heißt es: "Der Geschäftsbereich gibt die Mittel von NSA und britischer Regierung im Austausch gegen vereinbarte Leistungen aus." In anderen Papieren ist davon die Rede, der britische Geheimdienst müsse sicherstellen, dass die NSA eine "angemessene Gegenleistung" (für das Geld) bekommt.

Die Snowden-Dokumente zeigen ebenfalls, wie bedeutend die Kooperation mit den USA für den britischen Dienst ist. Die geringeren rechtlichen Einschränkungen in Großbritannien soll das GCHQ als Argument genutzt haben, die NSA daran zu erinnern, wie wichtig die Zusammenarbeit sei. In einem Dokument habe der britische Nachrichtendienst betont, dass unter anderem die Rechtslage in Großbritannien ein zentrales Argument für die weitere Kooperation sei.

Dem Guardian-Bericht zufolge nutzte das GCHQ jeden Aufklärungserfolg, um den Wert der Zusammenarbeit zu betonen. So prahlte der Dienst zum Beispiel damit, wichtige Hinweise bei der Aufklärung eines versuchten Autobombenanschlags auf den New Yorker Times Square im Jahr 2010 geliefert zu haben.

Pikant: Der gefasste Attentäter ist US-Staatsbürger. Diese Passagen legen den Schluss nahe, dass das GCHQ Amerikaner auf dem Territorium der Vereinigten Staaten ausspioniert hat. Der NSA ist das untersagt - weil Amerikaner von der US-Verfassung geschützt werden.