Guttenberg in Afghanistan Ego-Feldzug am Hindukusch

Wie ein Fürst in alten Zeiten zieht Karl-Theodor zu Guttenberg mit Gattin und Haushofmeister zu seinen Soldaten. Der Verteidigungsminister tut zwar gut daran, die Truppe in Afghanistan zu besuchen, aber leider macht er eine Show daraus.

Ein Kommentar von Kurt Kister

So kennt man das aus alter Zeit, als in Deutschland noch die Wilhelme und Ludwigs regierten: Der Souverän - ein Graf, ein Fürst, ein König gar - besuchte zu Weihnachten seine Soldaten. Als Titularoberst oder Regimentsinhaber trug der adlige Herr selbst Uniform; die Gattin an seiner Seite ließ huldvoll Plätzchen verteilen. Eine Kalesche hinter der Herrenkutsche fuhr der Haushofmeister, der dafür sorgte, dass alles ins rechte Licht gerückt wurde. Der Weihnachtsbesuch unter Waffen fiel höchstens dann aus, wenn der Fürst wieder einmal seine Bataillone in einem fernen Land Krieg führen ließ.

Doch, es gibt gewisse Fortschritte im 21. Jahrhundert. Der souveräne Herr ist jetzt Minister, er trägt eher Kaschmir als groben Wollstoff, und gerade weil seine Bataillone in einem fernen Land eine Art von Krieg führen, fliegt er samt Gattin dorthin. Den Einfall des rechten Lichts will auch er sicherstellen und nimmt deswegen den TV-Sprechmeister Kerner mit, der ihn nebst Soldaten in besinnlich-martialischer Atmosphäre befragt. Die Gattin verbreitet im Landleben-Karohemd den Charme des Golfclubs am Hindukusch. Bild wird jubeln, und die Bundeswehr hat nach all den Langweilern, den Strucks und Jungs, eine blendende, engagierte Teilzeitministerin.

Gewiss, es ist angebracht, dass der Verteidigungsminister die Truppe besucht. Das gehört sich, weil der Minister jene Regierung vertritt, die mit einer parlamentarischen Mehrheit die Soldaten in den gefährlichen Einsatz geschickt hat. Allerdings ist das Interesse an diesem Einsatz in Deutschland keineswegs so gering, wie es viele Soldaten aus ihrer subjektiven Sicht oft beklagen.

Im Gegenteil, Afghanistan ist hierzulande ein Dauerthema der Debatte. Während die einen gelbe Schleifen am Revers tragen, um ihre Verbundenheit mit den Soldaten zu demonstrieren, verlangen die anderen den Rückzug aus politischen Gründen. Quer durch die Lager würdigt eine Mehrheit der Deutschen die Leistungen der Truppe, auch wenn es, wie stets, Leute gibt, die Schmähkritik üben.

Nicht angebracht ist für den Minister Karl-Theodor zu Guttenberg jedoch, dass er aus seinem Dienstgeschäft in Afghanistan eine Show macht. Gäbe es in Deutschland das amerikanische Wahlsystem, wäre klar, was der amerikanophile Guttenberg will: Präsident werden. In alter Clinton-Tradition ("vote for one, get the other for free") lächeln sich Bill und Hillary zu Guttenberg durch die Lande.

Afghanistan ist auf diesem Ego-Feldzug ein wunderbarer Hintergrund: Um Entschiedenheit und Mitgefühl auszudrücken gibt es, zumindest optisch, wenig Besseres als die tarngefleckte Volksverbundenheit mit der Frau Oberfeldwebel unter dem klaren Himmel Zentralasiens.

Nein, der Baron wird nicht Präsident werden, denn der wird in Deutschland eher ausgemauschelt und nicht vom Volk gewählt. Alles andere aber sollte man für möglich halten. Die Guttenberg-Maschine rollt, befeuert von allen möglichen und unmöglichen Hilfstruppen.

Zwei von euch

mehr...