Großbritannien Geheimdienst zwang "Guardian", Snowden-Daten zu löschen

Es waren die "bizarrsten Momente in der langen Geschichte des 'Guardian'": Die britische Regierung habe die Zeitung dazu gezwungen, Daten des Whistleblowers Snowden zu löschen, schreibt der "Guardian"-Chefredakteur. Agenten des Geheimdienstes GCHQ überwachten demnach persönlich, wie im Keller der Zeitung ein Laptop zerschmettert wurde.

Die britische Zeitung The Guardian ist nach eigenen Angaben wegen der geheimen Dokumente des früheren NSA-Mitarbeiters Eward Snowden von der Regierung in London massiv unter Druck gesetzt worden.

Der Chefredakteur des Blattes, Alan Rusbridger, schrieb am Montagabend, sie seien zur Zerstörung oder Herausgabe des Snowden-Materials aufgefordert worden. Die Regierung habe gedroht, juristisch gegen die Zeitung vorzugehen. Der Guardian enthüllt seit Wochen neue Details über die weltweite Internet-Überwachung durch Geheimdienste.

Im Juni, mitten in der Arbeit der Redaktion an den Dokumenten des ehemaligen US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden, sei er von "einem sehr hochrangigen Regierungsvertreter, der angab, die Meinung des Premierministers zu vertreten," kontaktiert worden, schrieb Rusbridger. Daraufhin habe es zwei Treffen gegeben, in denen "er die Herausgabe oder Zerstörung von allem Material forderte, an dem wir arbeiten".

Später seien weitere Mitarbeiter aus dem Regierungsapparat aufgetaucht. Die Botschaft an ihn sei immer die gleiche gewesen: "Gebt das Material von Snowden zurück oder zerstört es." Die Regierung habe mit juristischen Konsequenzen gedroht, sollten die Daten nicht zerstört werden, schrieb Rusbridger.

"Bizarrste Momente"

Vor gut einem Monat habe er einen Anruf der Regierung erhalten, in dem geheißen habe: "Ihr hattet Euren Spaß: Jetzt wollen wir das Zeug zurückhaben." Bei weiteren Treffen sei die Forderung die selbe geblieben. "Und so kam es letztlich zu einem der bizarrsten Momente in der langen Geschichte des Guardian." Unter Aufsicht von zwei Experten des britischen Geheimdienstes seien im Keller des Zeitungsgebäudes Festplatten und sogar ein komplettes MacBook Pro zerstört worden.

Rusbridger kündigte aber an, trotz der Gängelei über die Internet-Überwachung zu schreiben. "Wir werden weiterhin akribisch berichten, nur nicht mehr von London aus." Die Zerstörung einzelner Datenträger wertete er als "sinnlose Symbolik, die eine große Unkenntnis des digitalen Zeitalters offenbart". Er spielte damit wohl darauf an, dass der Guardian vermutlich alle Informationen der nun zerstörten Datenträger bereits vervielfältigt hat.

Der Bericht von Rusbridger erfolgte nur zwei Tage, nachdem der Lebensgefährte des für den Guardian arbeitenden US-Journalisten und Snowden-Vertrauten Glenn Greenwald neun Stunden lang von der britischen Polizei festgehalten worden war. David Miranda wurde auf Grundlage von Anti-Terror-Gesetzen auf dem Flughafen London-Heathrow befragt, er war auf der Durchreise von Berlin nach Rio de Janeiro.

Die US-Regierung bestätigte, dass sie von dem umstrittenen Verhör wusste - und auch, dass eine Befragung geplant war. Eine direkte Beteiligung bestritt ein Sprecher allerdings.

Greenwald berichtet im Guardian immer wieder über die gigantischen Spähprogramme des US-Geheimdienstes National Security Agency (NSA). Er stützt sich bei seinen Enthüllungen auf Dokumente des US-Computerexperten Snowden, der als Auftragnehmer für die NSA gearbeitet hatte und von den USA wegen Geheimnisverrats gesucht wird. Snowden hält sich in Russland an einem geheimen Ort auf.