Frauen dürfen fast alles, müssen fast alles und machen fast alles. Dennoch liegen sie beim Gehalt hinter den Männern und machen selten Karriere - weil sich Klischee-Vorstellungen hartnäckig halten.
Es ist wie mit einem leckeren Schokokuchen. Teilen ist super - aber nur, wenn das eigene Stück unangetastet bleibt. Ist der Kuchen zu klein, isst ihn der, dem er gehört. Die anderen kriegen nichts.
Bild vergrößern
Retrobild einer Hausfrau beim Bügeln. (© Getty Images)
Anzeige
Mit der Gleichberechtigung ist es ähnlich. In westlichen Demokratien erfreut sie sich größter Beliebtheit. Fast alle Befragten - in Deutschland 97 Prozent - sind dafür, dass Männer und Frauen das Gleiche dürfen und müssen, wie eine international vergleichende Studie des Washingtoner Umfrageinstituts Pew Research zeigt. Klar, bei dieser Frage 'Ja' zu antworten, kostet nichts", sagt die Soziologin und Gender-Expertin Uta Meier-Gräwe von der Universität Gießen zu diesem hohen Wert. Dass Frauen außerhalb des Hauses arbeiten dürfen sollen, finden ebenfalls fast alle Befragten.
Ganz anders sehen die Antworten allerdings aus, wenn die Arbeitsplätze knapp sind. Einer von fünf Deutschen ist der Meinung, dass Männer in Zeiten der Arbeitslosigkeit bei der Jobsuche bevorzugt werden sollen. Eine akademische Ausbildung ist nach Meinung von 16 Prozent der Befragten wichtiger für Jungen als für Mädchen. Frauen und Männer unterscheiden sich hier kaum in ihren Antworten.
Auch dass Frauen in Deutschland im Schnitt 23 Prozent weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen, ist bekannt. Neu ist, dass sie es offensichtlich nicht anders wollen: Eine aktuelle Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hat ergeben, dass nicht nur die tatsächlichen Gehälter auseinanderklaffen, sondern auch die Ansprüche. Befragt nach ihrem "Wunschgehalt" gaben Frauen durch die Bank niedrigere Summen als Männer an - der Unterschied liegt ungefähr bei dem Fünftel, das Frauen auch tatsächlich weniger bekommen.
Wollen es Frauen also nicht anders? Sind sie selbst schuld? Der Schluss liegt nahe, dass die ganze Debatte überflüssig ist. Wir könnten uns zurücklehnen und unzufriedenen Frauen sagen: "Es liegt an euch. Es ist kein gesellschaftliches, kein strukturelles Problem und schon gar keine Diskriminierung durch die Männer. Nicht die Arbeitswelt, die Politik oder gar die Männer müssen sich ändern, sondern die Frauen selbst."
Auch die Frauen müssen sich ändern
Frauen, die sich diskriminiert fühlen, meinen genau das: Sie glauben, es sei ihr ganz eigenes, privates Problem. Deswegen kämpft jede für sich alleine, eine Verbündung oder Bewegung gibt es nicht. Und es stimmt, Frauen sind tatsächlich zu bescheiden. Doch nun zu sagen: Dann seid halt nicht mehr bescheiden, ist zu einfach gedacht.
Denn gerade weil die große Mehrheit so brav ist, ist es für die einzelne Frau umso schwieriger, sich anders zu verhalten. Frauen werden per se als angepasst wahrgenommen. Partner, Freunde, Chefs und Kollegen sind es so gewohnt und wollen es nicht anders. Wehrt sich dann eine Mitarbeiterin gegen zu niedrige Bezahlung oder gegen Geringschätzung, hat sie schnell den Stempel der Kampf-Emanze und Zimtzicke weg.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
- Thema
- Gleichberechtigung RSS
- Studien zu Frauengehältern Froh zu sein bedarf es wenig 06.07.2010
- Gehältervergleich Die Lücke bleibt 31.05.2010
- Gehältervergleich 4,39 Euro fürs Mannsein 12.11.2009
- Geschlechteruntypische Hobbys Er strickt, sie tunt Autos 01.07.2010
- Feminismus und Kopftuchdebatte Der nackte Zwang 21.06.2010
- Kind und Karriere Salto rückwärts mit Baby 19.02.2010
- Frauen als Hauptverdiener Unfreiwillige Ernährerin 15.01.2010
Protest gegen dritte Startbahn
Hier wird genauer dargestellt, wie sich die Gehälter - auch innerhalb eines Berufs und bei Vollzeit - unterscheiden: http://www.sueddeutsche.de/karriere/frauen-in-fuehrungsjobs-in-jahren-schaetzchen-1.503265. Das Motto dazu hat sich halt bislang nicht durchsetzen können: "Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr." Das wird noch ein paar Jahrhunderte dauern...
Ich bin eine Frau (30),
Ich bin Akademikerin,
Ich arbeite (vollzeit) in einer Firma, die soweit ich es beurteilen kann, Maenner und Frauen karrieretechnisch gleich behandelt.
D.h. Ich habe hier die selben Karriere-Chancen wie meine maennlichen Kollegen.
ABER
Ich will nicht!
Mir ist es wichtig, regelmaessig ein Wochenende zu haben.
Mir ist es wichtig, regelmaessig am Abend auch was Anderes machen zu koennen als nur tot ins Bett zu fallen.
Mir ist es wichtig, meine zukuenftigen Kinder auch aufwachsen zu sehen.
Demzufolgen WILL ich gar nicht mehr Karriere machen. Weil dann muesste ich auf die Dinge, die mir wichtig sind, verzichten.
Warum wird denn immer wieder pauschal von Männern und Frauen gesprochen? Weder alle Männer noch alle Frauen sind gleich.
Wie kommt es zu schlechter Bezahlung in frauendominierten Berufen (um die es ja meinstens geht, denn in gemischten Berufen gibt es das Problem eher nicht)? Frauen schreien "hier..ich..ich..ich" wenn es darum geht einen Job zu bekommen (was ja in Ordnung ist), aber sie sagen auch, ich arbeite ruhig erstmal kostenlos damit ich ihn bekomme. Wenn es um Gehaltsfragen geht halten sie sich "vornehm" zurück, weil sie sich nicht in den Vordergrund drängen wollen, denn das missfällt sicher den Mitmenschen...
Den Mitmenschen missfällt es auch, zu viel zu können oder zu wissen, warum Frauen auch diesen allseits bekannten Zickenterror pflegen, weil sich mal wieder eine Kollegin hervorgetan hat.
Eine Frau, die zeigen möchte wer sie ist und was sie kann, hat es da schwer.
Frauen stehen sich gegenseitig im Weg, darum sind sie überall benachteiligt.
Es wäre schön, wenn diese Frauen sich nicht auch noch zusammenschliessen um noch lauter zu schreien, sondern sich mal zurücklehnen um über sich und das Leben nachzudenken...sofern sie vor Unterwürfigkeit den Mitmenschen gegenüber Zeit dazu haben.
Eure Beiträge sind absolut richtig und können hier zu jedem Frauenthema das die SZ so gerne hochkocht gebracht werden.
Weil wir gerade von der SZ reden. Leider stelle ich auch fest das die Onlineausgabe immer schlechter wird so das dies mein letzter Komentar hier sein wird da ich nicht mehr auf die Seite gehen werde.....
Die Printausgabe war auch schon besser - hatte früher mal einen guten Autoteil usw. - kann aber leider immer noch mit den meisten anderen Tageszeitungen mithalten. Das ist aber kein Lob für die SZ sonder eher blamabel für die anderen Zeitungen. Im Grunde geht alles Richtung blabla und Frauenmagazin.
Deshalb leise servus SZ!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Frauen "dürfen" zur Bundeswehr oder in den Zivildienst, Männer "müssen".
So lange diese klare Geschlechtsdiskriminierung nicht abgeschafft ist- was vielleicht dank der Abschaffung der Wehrpflicht bald sein könnte - weigere ich mich, Gejammer über angebliche Frauendiskriminierung ernst zu nehmen.
Tatsächlich gibt es massive gesetzliche Diskrimierung aus geschlechtsbezogenen Gründen in Deutschland - ausnahmslos zu Lasten der Männer.
Paging