Gina Haspel Folter ist unter Trump kein Karrierehindernis

Die Demokraten hatten sie mal abgelehnt, jetzt aber gelingt ihr doch der Aufstieg: Gina Haspel wird als CIA-Chefin Nachfolgerin von Mike Pompeo.

(Foto: CIA via AP)
  • Gina Haspel ist von US-Präsident Trump als neue Chefin der CIA nominiert worden.
  • Sie wäre die erste Frau an der Spitze des Auslandsgeheimdienstes.
  • Haspel beaufsichtigte unter George W. Bush nachweislich brutale Verhöre von Terrorverdächtigen.
Von Thorsten Denkler, New York

Viele beim US-Auslandsgeheimdienst CIA würden heute sagen, Gina Haspel sei nur Befehlen gefolgt. Hat sie nicht Menschen foltern lassen? Ja, sicher. Aber das war unter US-Präsident George W. Bush als legal deklariert worden. An diesem Dienstag ist die 61 Jahre alte hochdekorierte Geheimdienstlerin von US-Präsident Donald Trump als erste Chefin der Behörde nominiert worden. Als sie vor einem Jahr vom damals neuen CIA-Chef Mike Pompeo, der jetzt Außenminister werden soll, zu seiner Stellvertreterin gemacht wurde, hat selbst James R. Clapper die Personalie unterstützt. Clapper war unter Präsident Barack Obama dessen nationaler Geheimdienstdirektor.

Schon ihre Nominierung zur Stellvertreterin vor etwas mehr als einem Jahr war ein klares Signal, dass die neue Regierung eines der schwärzesten Kapitel in der jüngeren CIA-Geschichte zu den Akten legen möchte. Und dass sie es aber so schwarz gar nicht sieht. Trump selbst hatte gesagt, er glaube, Folter wirke. Pompeo wiederum hält Waterboarding gar nicht für Folter. All jene, die diese und andere Methoden im Krieg gegen den Terror angewandt hätten, um Informationen aus Gefangenen herauszubekommen, seien Patrioten.

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Die kommende CIA-Chefin Haspel passt da sehr gut in diese Runde. Den größten Teil ihrer Karriere arbeitete sie verdeckt für die CIA im Außeneinsatz. In einem Sonderprogramm der CIA im Krieg gegen das Terrornetzwerk al-Qaida spielte sie eine hervorgehobene Rolle. Darin wurden gefangene mutmaßliche Terroristen befreundeten Regierungen übergeben, in geheime Gefängnisse gebracht und dort von CIA-Mitarbeitern selber oder unter ihrer Aufsicht gefoltert. Eines der ersten Gefängnisse dieser Art wurde in Thailand errichtet, geführt ab Oktober 2002 von Gina Haspel. Codename des Gefängnisses: "Katzenauge". Haspel beaufsichtigte dort nach US-Medienberichten etwa das brutale Verhör des Gefangenen Abd al-Rahim al-Nashiri.

Al-Nashiri wurde drei Mal dem Waterboarding unterzogen, schreibt die New York Times. Dafür wurde er rücklings auf ein Brett befestigt, dass zum Kopfende hin abschüssig war. Ihm wurde ein feuchter Lappen über das Gesicht gelegt, der dann immer wieder mit Wasser übergossen wurde. Der Gefolterte bekommt Atemnot, hat das Gefühl, er würde ertrinken. Auch wenn er physisch nicht in Gefahr ist.

US-Medien hatten auch geschrieben, dass unter Haspels Führung der Gefangene Abu Zubaydah in einem einzigen Monat 83 Mal dem Waterboarding unterzogen worden sei. Das hat sich inzwischen als nicht richtig herausgestellt. Als Haspel Ende 2002 das Gefängnis übernahm, war die Folterung von Zubaydah schon eingestellt worden.

Haspel gab den Befehl, sämtliche Beweise für bestimmte Foltersitzungen zu zerstören

Einige Jahre später war es wiederum Haspel, die - jetzt in der CIA-Zentrale in Langley vor den Toren Washingtons stationiert - 2005 den Befehl gab, sämtliche Beweise für die Foltersitzungen in dem Geheimgefängnis in Thailand zu zerstören. Darunter Videoaufnahmen der Sitzungen. Die CIA behauptet, die Order sei nicht von Haspel gekommen, sondern von Jose Rodriguez, dem Chef der gesamten Sonderoperation. Allerdings trug die schriftliche Anweisung die Unterschrift von Haspel, wie aus von der US-Regierung 2009 veröffentlichten Dokumenten hervorgeht.

Für ihre weitere CIA-Karriere waren die Vorgänge zunächst hinderlich. Der damalige CIA-Chef John Brennan wollte sie 2013 zur geschäftsführenden Vize-Chefin jener Abteilung machen, die die Undercover-Einsätze von Agenten im Ausland organisiert. Die Demokraten im Kongress verhinderten jedoch ihre Beförderung.

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Unter Trump aber ist das alles nur noch halb so wild. Und in Geheimdienstzirkeln herrscht ohnehin die Auffassung vor, dass alle, die im Krieg gegen den Terror etwas mit Folter zu tun hatten, nur ihren Job gemacht hätten. Der einzige Grund, warum sie heute Folter nicht mehr anwenden, ist der, dass es inzwischen schlicht verboten ist. Wo Haspel politisch steht, ob sie zu den expliziten Trump-Unterstützern gehört, lässt sich nicht sagen. Als CIA-Mitarbeiterin hat sie ihre politischen Ansichten stets für sich behalten.