Auftritt des Ex-Verteidigungsministers Guttenberg soll an neuer Doktorarbeit schreiben

So selbstbewusst wie immer tritt der frühere Verteidigungsminister Guttenberg bei einer Veranstaltung in Kanada auf - und stichelt gegen Merkels Krisenmanagement. Zugleich verstärken sich Gerüchte, dass er an einer neuen Doktorarbeit schreibe.

Von Tanjev Schultz

Die Frisur ist neu, die Brille weg, aber in seinem politischen Selbstbewusstsein ist Karl-Theodor zu Guttenberg ganz der Alte. Er blickt immer noch voll durch. Am Samstag äußerte sich der frühere Verteidigungsminister im kanadischen Halifax zur Weltlage. Dabei griff er die Regierungschefs in Europa und damit auch Bundeskanzlerin Angela Merkel scharf an: Man stecke nicht nur in einer Euro-Krise, es fehle an politischer Führung. Die Politiker würden die Bürger beim Thema Europa emotional überhaupt nicht erreichen. Der Zustand der EU stimme ihn "sehr pessimistisch", sagte Guttenberg. "Ich sehe keine Kreativität."

Guttenberg sprach in Halifax auf dem internationalen Sicherheitsforum, das ihn als "angesehenen Staatsmann" (distinguished statesman) eingeladen hatte. Es war sein erster großer Auftritt, nachdem er im März wegen der Plagiate in seiner Doktorarbeit von allen politischen Ämtern zurückgetreten war. Im Sommer ist Guttenberg mit seiner Familie in die USA gezogen, wo er für eine Denkfabrik arbeitet und den transatlantischen Dialog fördern soll.

Für ihn sei es "herrlich, aus der US-Perspektive auf Europa zu schauen", sagte Guttenberg in Halifax, und sein Lachen wirkte in diesem Moment nicht gequält, sondern tatsächlich befreit. In einem weißen Sessel parlierte er frei und in recht sicherem Englisch. So gelassen und locker wie früher, als ihn seine Fans umjubelten, konnte sich der CSU-Politiker hier aber nicht präsentieren.

Eine Moderatorin stellte ihn zu Beginn ehrfürchtig vor und sprach ihn später, wie Amerikas Akademiker und Medienleute das gerne tun, ständig mit dem Vornamen an.

Es ist unwahrscheinlich, dass Angela Merkel Zeit und Lust hatte, sich den Auftritt ihres früheren Star-Ministers anzuschauen. Im Internet hätte sie ihn live verfolgen können. Unwahrscheinlich ist auch, dass die Kanzlerin große Freude daran gehabt hätte. In einem Seitenhieb stichelte Guttenberg nicht nur gegen die deutsche Libyen-Politik. In ironischem Ton kommentierte er Merkels Treffen mit dem britischen Premierminister David Cameron: "Wenigstens haben sie gelächelt." Inhaltlich hätten die beiden aber nichts Substantielles zustande gebracht.

Die fehlende Substanz von Guttenbergs Doktorarbeit spielte in der Diskussion erwartungsgemäß keine Rolle, obwohl wichtige Wissenschaftler an dem Forum teilnahmen. Guttenberg umschmeichelte eine Professorin von der Elite-Uni Princeton mit den Worten, so enthusiastisch wie sie über Europa rede, würden es Politiker leider nicht tun.

In CSU-Kreisen geht derweil das Gerücht um, Guttenberg arbeite an einer neuen Dissertation, um sich zu rehabilitieren. An der Parteibasis wünschen sich viele ein Comeback. Auf Anfragen der Süddeutschen Zeitung hat Guttenberg bisher nicht reagiert. Demnächst will die Staatsanwaltschaft Hof das Ergebnis ihrer Ermittlungen gegen den Ex-Minister bekannt geben. Den Termin dafür hatte sie immer wieder verschoben. Weil das Strafrecht bei Verstößen gegen das Urheberrecht in Doktorarbeiten nicht sehr scharf ist, rechnen Juristen damit, dass Guttenberg keine hohe Strafe zu erwarten hat.