Geplantes Mordkomplott in den USA Rückschlag in der Natterngrube

Das geplante Attentat auf einen saudischen Diplomaten in den USA trägt nicht die Handschrift des iranischen Geheimdienstes - doch es gibt genügend Kräfte in Iran, die sich so ein dilettantisches Komplott ausdenken können. Sicher ist: Teheran muss im Kampf gegen Erzfeind Saudi-Arabien einen Rückschlag hinnehmen. Irans Ziel, Amerikaner und Saudis zu entfremden, ist in weite Ferne gerückt.

Von Tomas Avenarius

Die iranische Innenpolitik ist geprägt von Intrigantentum. Konkurrierende Machtzentren arbeiten ebenso oft gegen- wie miteinander. Da sind Präsident Mahmud Ahmadinedschad, das Parlament, die schiitische Geistlichkeit, aber auch Technokraten, einflussreiche Händler und Geschäftsleute sowie die mächtigen Revolutionsgarden mit ihren Al-Quds-Brigaden. Gebändigt wird dieses Machtgeschwür mehr oder weniger erfolgreich vom Geistlichen Führer Ayatollah Ali Chamenei.

Demnach wäre denkbar, dass konservative Kräfte in Teheran eine von Präsident Ahmadinedschad angestrebte Verbesserung des vergifteten Verhältnisses zwischen Teheran und Washington mit dem nun aufgedeckten Attentatsplan torpedieren wollten. Iran-Experten zweifeln aber, dass dies so ist: Welchen wirklichen oder eingebildeten Nutzen hätten die Iraner von dem mörderischen Szenario gehabt?

Dessen Ergebnis liegt trotz seines Scheiterns auf der Hand. Der geplante Anschlag auf den saudischen Botschafter Adel Al-Jubeir dürfte das saudisch-iranische Verhältnis vollends zerstören. Und er schweißt die saudisch-amerikanische Achse wieder zusammen, obwohl sie durch den "arabischen Frühling" mit seinen Demokratie-Parolen und den palästinensischen Staatsgründungsversuch vor der UN gerade zu zerbrechen drohte. Der Attentatsplan als iranisches Eigentor also?

Die Fortsetzung der Politik mit terroristischen Mitteln ist Teheran nicht fremd. Die Al-Quds-Brigade, der militarisierte Auslandsgeheimdienst der Revolutionsgarden, stellt die Expertise; er untersteht dem Geistlichen Führer Chamenei direkt. Dass ein einzelner Offizier in den Reihen dieser äußerst disziplinierten Organisation ohne Wissen Chameneis einen politisch so explosiven Anschlag wie den nun aufgedeckten plant, ist höchst unwahrscheinlich.

Ebenso unwahrscheinlich erscheint, dass die Al-Quds-Brigaden ein Attentat auf US-Boden derart dilettantisch vorbereiten. Teherans Männer fürs Grobe arbeiten meist erfolgreich, am liebsten auf vertrautem Boden: In Irak, Libanon, Syrien, Afghanistan oder bei den Gaza-Palästinensern.

Saudi-Arabien will der "Schlange Teheran den Kopf abschlagen"

Iraner und Saudis haben jede Menge Konfliktstoff. Sie konkurrieren um die Vorherrschaft in der Ölregion rund um den Persischen Golf. Seit dem Ausbruch der "Arabellion" im Frühjahr herrscht zwischen ihnen Kalter Krieg in Nahost. Saudi-Arabiens König Abdullah sagte laut Wikileaks schon vor Jahren über Teherans aggressiven Drang zur Größe: "Der Schlange muss der Kopf abgeschlagen werden."

Beide Staaten betreiben ihre Politik mit Hilfe der Religion. Die Saudis als Hüter der Heiligen Stätten Mekka und Medina verstehen sich als Primus inter Pares unter den Muslimen weltweit und als Avantgarde der Sunniten dazu. Die Iraner sind seit der Islamischen Revolution von 1979 die theo-politische Vormacht der Schiiten. Ayatollah Ruhollah Chomeini hatte den "Export" seiner Revolution angekündigt - zum Schrecken der sunnitischen Araber-Monarchien am Golf. In Saudi-Arabien stellen die Schiiten eine große Minderheit, in Bahrain bilden sie die Bevölkerungsmehrheit unter einem sunnitischen Herrscher.

Bahrain war damals Ziel für den Revolutionsexport. Zwar steht diese Politik inzwischen im Schatten einer nicht weniger gefährlichen Methode: Die Perser unterstützen heute die irakischen Milizen, die Hamas oder die Hisbollah. Aber Natiq Nuri, ein Mitarbeiter Chameneis, nannte Bahrain noch 2009 "die 14. Provinz" Irans. So sieht das auch Saudi-Arabien: Bahrain als persischer Vorposten auf der arabischen Halbinsel. Den Ausbruch der "Arabellion" in Bahrain sehen die Saudis als neuen Versuch der Perser, über die Schiiten die religiös-politische Karte zu spielen.

Irans Ziel, die USA und Saudi-Arabien zu entfremden, scheint weit entfernt

Der bahrainische und der saudische König werden nicht müde, Teheran den Anstifter des Schiiten-Aufstands zu nennen. Riad und Manama haben dabei die Unterstützung der USA: Deren 5. Flotte hat in Bahrain ihren Hafen. Das erklärt, weshalb die Saudis dem von der Revolte in die Ecke gedrängten Herrscher von Bahrain mit Truppen zu Hilfe kommen durften: In Washington sorgt man sich um die strategische Flottenbasis am Golf. Als jüngst im Osten Saudi-Arabiens Schiiten-Unruhen ausbrachen, erklärte die Führung in Riad: "Fremde Mächte" wollten Unruhe stiften - gemeint war Iran. Man werde "mit der eisernen Faust reagieren".

Strategisches Ziel Teherans bleibt es, die USA und Saudi-Arabien einander zu entfremden, denn Washington ist die Schutzmacht der Saudis. Doch wegen des Attentatsplans haben die Ölscheichs nun noch einen Grund mehr, neue Panzer und Jets in den USA zu bestellen.