Führungswechsel in München und Berlin "Es gibt ein Leben danach"

SZ-Magazin Wowereit Ude

(Foto: Wolfgang Stahr)

Klaus Wowereit tritt bald ab, Christian Ude ist schon weg. Im Interview mit dem SZ-Magazin erörtern die beiden Stadtoberhäupter Erfolge und schlimme Niederlagen. Nebenbei verrät Wowereit die Gründe für seinen Rücktritt.

Von Thomas Bärnthaler und Rainer Stadler

Klaus Wowereit, SPD, noch bis 11. Dezember Regierender Bürgermeister von Berlin, stört sein Image als Party-Bürgermeister gewaltig. "Das ist kein Ruf, das ist eine Diffamierung", sagte er dem Magazin der Süddeutschen Zeitung in einem Doppelinterview mit dem ehemaligen Münchner Oberbürgermeister Christian Ude. Er sei auf zwei Bällen im Jahr gewesen aber habe natürlich auch ein Bier in der Hand gehabt, wenn der Unternehmerverband zum Bierabend eingeladen habe. Jedoch: "Es gibt schönere Gelegenheiten, sein Bier zu trinken", sagte Wowereit. Christian Ude hatte mit dem gegenteiligen Ruf zu kämpfen, erinnert er sich in dem Gespräch: "Mir wurde eine gewisse Seriosität der Arbeitsweise vorgeworfen, weil das angeblich nicht volkstümlich sei in einer bayerischen Hauptstadt. Das ist aber durch Wahlergebnisse ganz befriedigend widerlegt worden." Den ersten Tag nach seiner Amtszeit empfand Ude als "Tag der Freiheit". Und auch Wowereit ist sich sicher: "Es gibt ein Leben danach."

Als Grund für seinen Rücktritt nennt Wowereit die Dauerbelastung durch sein Amt, aber auch die Pannen und Probleme beim Berliner Flughafen: "Alles andere wäre Geschichtsklitterung," so Wowereit. Das Chaos nage an ihm. Ude dagegen nimmt seinen scheidenden Amtskollegen in Schutz und ärgert sich über die Selbstgerechtigkeit gerade bayrischer Politiker und ihr Auftreten als Lehrmeister im schnellen Flughafenbau. Beim Bau des Münchner Flughafens FJS, so Ude, seien 38 Jahre vergangen vom ersten Gutachten 1954 bis zur Eröffnung 1992. "Ich finde es schon bemerkenswert," fügt Ude hinzu, "dass kaum einer in Deutschland wahrnimmt, dass auch die Bundesrepublik Deutschland Gesellschafter ist und der Bundesverkehrsminister in der Gesellschafterversammlung sitzt und sein Staatssekretär im Aufsichtsrat. Von denen erwartet offenbar kein Mensch, dass sie etwas bemerken oder bewirken."

Das komplette Interview mit Christian Ude und Klaus Wowereit finden Sie morgen im Süddeutsche Zeitung Magazin. Alle Themen des morgigen Hefts sehen Sie hier.