Über die Situation in Afghanistan streut die Bundesregierung der Öffentlichkeit Sand in die Augen. Nötig wäre eine klare Abzugsperspektive.
Frithjof Schmidt ist Mitglied im Auswärtigen Ausschuss und stellvertretender Vorsitzender der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen.
Frithjof Schmidt (© Foto: oh)
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"Militärisch kann der Konflikt in Afghanistan nicht gewonnen werden." Diese Erkenntnis gehört mittlerweile zum Standardrepertoire der Generäle der internationalen Truppen in Afghanistan und der Bundesregierung. Dennoch dreht sich die Spirale der Gewalteskalation in Afghanistan weiter - und das immer stärker auch im Norden.
Noch im Januar hatte die Bundesregierung einen Strategiewechsel in Afghanistan verabschiedet und dabei behauptet, künftig eine militärische Schwerpunktverlagerung von einem offensiven hinzu einem defensiven militärischen Vorgehen vorzunehmen. Im Zentrum des neuen Ansatzes sollten der zivile Wiederaufbau und der Versuch einer politischen Lösung stehen, ergo die Einbindung der aufständischen Gruppen in die zukünftige politische Architektur Afghanistans.
Doch diese Interpretation des Strategiewechsels hat sich schnell als Legende entpuppt. In der Realität vor Ort ist das Vorgehen der Bundeswehr alles andere als defensiv. Im Rahmen des Partnering, also des gemeinsamen Vorgehens mit der afghanischen Armee, geht die Bundeswehr verstärkt in der Fläche offensiv gegen aufständische Gruppen vor.
Was von Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg als Ausbildung im Felde verharmlost wird, ist in Wirklichkeit die Übernahme der Militärdoktrin der Counter Insurgency, unter der auch die US-Armee im Süden Afghanistans operiert. Unter Counter Insurcency versteht man die Bekämpfung von Aufständischen.
Damit verändert die Bundesregierung schleichend den Charakter des Militäreinsatzes in Afghanistan. Genau davor haben wir Grüne in der Bundestagsdebatte über die Verlängerung des Afghanistanmandats gewarnt.
Auch nach dem schrecklichen Vorfall am Donnerstag wurde erst euphemistisch verbrämt von einer Ausbildungsmission gesprochen, bei der es zu neuerlichen Todesfällen kam. Tatsache ist: Die Deutschen sind im Rahmen einer länger geplanten, größeren Offensive ums Leben gekommen.
Vor dem Hintergrund der tragischen Vorfälle am Karfreitag und in der vergangenen Woche, bei denen sieben deutsche Soldaten ums Leben kamen, wird nun immer öfter der Ruf nach einer "richtigen Militärstrategie" laut. In einer zunehmend polarisierten Debatte wird behauptet, wenn die Politik die Bundeswehr nicht aus Afghanistan abziehen wolle, müsse sie jetzt endlich aufhören, dem Militär ins Geschäft zu pfuschen.
Doch damit wird eine falsche Alternative konstruiert. Solchen Forderungen jetzt nachzugeben würde endgültig die Rutschbahn in den Abgrund freimachen. "Militärisch kann der Konflikt in Afghanistan nicht gewonnen werden." Dieser Satz bleibt richtig.
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Russland unter Putin
Python: 'Krieg beendet man mit Verhandlungen, sagt Helmut Schmidt. Und er hat recht.'
Absolut richtig. Aber man braucht auch jemanden, mit dem man verhandeln kann.
Ja und es ist auch in Geschichte im Grunde noch nie militärisch besiegt worden. Das hat u.A. auch damit zu tun, dass A. kein zentral organisierter Staat ist, sondern viele verschiedene Völkergruppen nur räumlich unter einer Bezeichnung zusammenfasst. Zudem ist der Konflikt nicht auf A. beschränkt sondern umfasst auch einige Nachbarstaaten, wie insbesondere Pakistan. Das ursprüngliche Ziel der militärischen Intervention, nämlich die Zerschlagung Al Kaidas in A. ist längst erreicht. Trotzdem kann man letztlich nicht abziehen, weil keine tragfähige Regierung gebildet werden kann.
" 21.04.2010 17:50:52
ErikG: Der Krieg kann militärisch gewonnen werden"
Unsinn, man kann Kriege gegen eine Gierillaarmee nicht gewinnen, weil der Gegner kaum zu sehen und kaum zu fassen ist und im Volk untertaucht und von immer größeren Teilen von den AFghanen auch unterstützt wird.
Historishc wurde das zig Male belegt und diejenigen die meinen mehr Soldaten, härtere Vorgehensweise und mehr Waffen würden den "Endsieg" bringen, sollten mal den Vietnamkrieg und den Afghanistankrieg der Sovjets betrachten, dnen all dies gab es damals shcon, mit dem gleichen desaströsem Ergebnis und einer Niederlage am Schluss.
Der Krieg kann nicht gewonnen werden und die USA und ISAF ist gerade dabei diesen sogar zu verlieren, mit zunehmender Warscheinlichkeit, umso länger man das Land besetzt, verwüstet, die Drogenbarone und deren Mohnfelder beschützt und abertausende unschuldige Frauen und Kinder bombardiert.
ich schrieb im Konjunktiv, nicht im Indikativ. Das ist in unserer Sprache kein subtiler bzw. vernachlässigbarer, sondern ein recht krasser Unterschied - immer noch.
Zu meiner Frage nach der Standhaftigkeit grüner Politik in Regierungsverantwortung, egal in welcher Farbmischung, haben Sie aber offensichtlich auch keine Antwort, nicht wahr?
"21.04.2010 17:40:14
DerWanderer: Mal ehrlich,
können wir wirklich sicher sein, dass Herr Schmidt als Mitglied einer schwarz-grünen Koalition noch genaus schriebe wie jetzt, wo er so schön und "eigenständig" Opposition im Wahlkampf machen kann?"
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Wo ist der Autor Mitglied einer solchen Koalition?
Paging