Von Wolfgang Jaschensky

Er will eine Welt ohne Atomwaffen, Völker versöhnen und den Umweltschutz vorantreiben: Barack Obama personifiziert die Hoffnung auf eine bessere Welt - doch in der Heimat nützt ihm das wenig.

Zehntausende Menschen strömen bereits am frühen Morgen den steilen Weg hinauf zum Hradschiner Platz in Prag. Journalisten und Kamerateams aus der ganzen Welt sind längst in Position. Sie alle warten auf den Mann, der seit Monaten für viele Menschen die Hoffnung auf eine bessere Welt personifiziert, auf Barack Obama.

Barack und Michelle Obama in Prag, dpa

Wenn 30.000 Menschen jubeln: Barack Obama mit seiner Frau Michelle nach seiner Rede auf dem Hradschin in Prag (© Foto: dpa)

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An diesem 5. April 2009 wird sich der neue amerikanische Präsident erstmals auf europäischem Boden an die Europäer wenden. Obama hat eine große Rede angekündigt, entsprechend groß ist die Erwartungshaltung. Der US-Präsident verspätet sich, kämpft mit einer Erkältung - und hält am Ende eine Rede mit einer großen Vision, einer Vision, die ihm jetzt den Friedensnobelpreis gebracht hat.

Vor den immer wieder jubelnden Zuhörern verspricht der Präsident eine "Welt ohne Atomwaffen". Obama wendet sich gegen die Behauptung, die Verbreitung nuklearer Waffen könne nicht gestoppt werden. "Solch ein Fatalismus ist ein tödlicher Gegner", sagte der US-Präsident. Man müsse denen widersprechen, die erklärten, die Welt sei nicht zu ändern. "Wir müssen darauf beharren: ja, wir können" - Yes, we can.

Ein halbes Jahr nach der Prager Rede erhält Obama den Friedensnobelpreis. Das norwegische Komitee würdigt insbesondere Obamas Idee einer atomwaffenfreien Welt - und seine "außergewöhnlichen Bemühungen um eine Stärkung der internationalen Diplomatie und um Zusammenarbeit zwischen den Völkern".

Bereits im Wahlkampf hatte Obama angekündigt, mit Bushs unilateraler Außen- und Sicherheitspolitik zu brechen und der Missachtung von Bürger- und Menschenrechten im Kampf gegen den Terror ein Ende zu setzten.

Von Beginn an setzte Obama auf Kooperation statt auf Konfrontation - auch gegenüber strategischen Konkurrenten wie Russland und China. Obama tilgte den Begriff des "War on Terror" aus dem Sprachgebrauch und arbeitete an neuen Strategien im Irak und in Afghanistan.

Für den Irak präsentierte Obama kurz nach seinem Amtsantritt einen Plan für den Abzug der US-Kampftruppen binnen 18 Monaten. In Afghanistan, wo die aufständischen Milizen der radikal-islamistischen Taliban erneut Oberhand zu gewinnen drohten, stockte Obama die Truppen hingegen deutlich auf.

Auch die Rede in Prag blieb nicht ohne Folgen. Am 24. September 2009 nahm der UN-Sicherheitsrat unter Vorsitz Obamas eine Resolution für nukleare Abrüstung einstimmig an. Eine Woche zuvor hatte Obama verkündet, dass die USA auf den bisher geplanten Raketenschild in Polen und Tschechien verzichten wolle.

Doch nicht nur die Prager Rede dürfte die Juroren in Oslo beeindruckt haben. Zwei Monate nach dem Aufritt in Prag sprach Obama während eines Staatsbesuches in Ägypten in der Universität Kairo. Dem "Assalamu alaikum", dem arabischen Friedensgruß, folgte eine Tour de Force durch die Befindlichkeiten der islamischen Welt.

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