Romney und @FiredBigBird Kandidat vergrätzt "Sesamstraßen"-Freunde

"Ich liebe Big Bird", sagt US-Präsidentschaftsbewerber Mitt Romney im TV-Duell gegen US-Präsident Obama - und will zugleich die Zuschüsse für den TV-Sender streichen, auf dem der große "Sesamstraßen"-Vogel amerikanische Kinder seit Jahrzehnten erfreut. Via Twitter hagelt es Kritik: von einer "speziellen Art von Soziopath" ist die Rede und von unglaublich geringen Einsparungen.

Von Barbara Galaktionow

Muss Big Bird gehen, wenn Mitt Romney kommt: Anhänger des großen "Sesamstraßen"-Vogels nehmen dem US-Präsidentschaftsbewerber Kürzungspläne bei der US-Kindersendung übel.

(Foto: AFP)

Er wirkte kompetenter in Wirtschaftsfragen, trat sicher auf und schien dabei noch sympathisch - im ersten TV-Duell gegen US-Präsident Barack Obama hat sich Herausforderer Mitt Romney nach Meinung der Kommentatoren hervorragend geschlagen. Aber trotz des insgesamt positiven Echos machte Romney auch seinem Ruf als eiskalter Rechner alle Ehre - mit einem Angriff auf eine Ikone des US-Kinderfernsehens: "Sesamstraßen"-Vogel Big Bird, in Deutschland seit den siebziger Jahren bekannt als Bibo.

In der Debatte um das Haushaltsdefizit kündigte Romney an, "nichtessentielle Posten" im Haushalt kürzen zu wollen, unter anderem auch die Zuschüsse zum nichtkommerziellen TV-Sender PBS. Der Sender überträgt unter anderem die "Sesamstraße".

"Es tut mir leid, Jim", sagte Romney zu Debatten-Moderator Jim Lehrer, der selbst bei PBS angestellt ist, "Ich werde die Subventionen für PBS stoppen. Ich mag PBS, ich liebe Big Bird, ich mag Sie übrigens auch", sagte er an Lehrer gewandt. Aber er werde nicht weiterhin Geld für Sachen ausgeben, für deren Bezahlung er Geld aus China leihen müsse.

"Sesamstraßen"-Anhänger im Netz reagierten prompt und heftig auf den Angriff auf den großen gelben Vogel. Das Twitterversum explodierte förmlich, unter den Hashtags #savebigbird und #OccupySesameStreet sammelten sich die Empörten, verschiedene Accounts wurden ins Leben gerufen, von @BigBirdLives bis hin zu @BigBirdRomney.

Allein @FiredBigBird erhielt in nur wenigen Stunden fast 19.000 Follower. "Ich habe mit Big Bird gearbeitet. Ich habe mit Big Bird gedient. Sie, Sir, sind kein Big Bird", hieß es hier. "#OccupySesameStreet weil es eine spezielle Art von Soziopath braucht, um Big Bird mit einer Axt zu erschlagen", spottete eine Twitter-Userin. Eine andere bemerkte ironisch: "#OccupySesameStreet. Endlich gibt es eine Bewegung, hinter die ich mich stellen kann".

TV-Duell mit den meisten Tweets

Romneys Kürzungsplan sorgte umso mehr für Unverständnis, als die Zuschüsse des Staates zu PBS offenbar marginal sind. Journalist Josh Stearns zeigt neben anderen Kommentaren zu Causa Big Bird auf seiner Seite unter anderem eine Grafik, die verdeutlicht, wie unendlich gering die Subventionen im Vergleich zu denen anderer Länder sind.

@neiltysen twitterte, dass die PBS-Zuschüsse gerade einmal 0,012 Prozent des Haushalts ausmachten und das Ende dieser Bezuschussung daher so sei wie "Textdateien zu löschen, um auf der 500-Gigabyte Festplatte Platz zu schaffen".

Mal sehen, ob sich der kleine Kürzungsvorstoß Romneys auch auf das Gesamtbild des Kandidaten auswirken wird - und den insgesamt positiven Eindruck noch schwächen kann, den die TV-Debatte hinterlassen hat. Zuschauer des Fernsehduells äußerten im Netz jedenfalls sehr unterschiedliche Ansichten darüber, wer nun als Sieger daraus hervorging.

Auch darüber, was Romneys Aussage nun für den großen gelben Vogel bedeute, waren die Prognosen unterschiedlich: "#BigBird verliert #debate2012", schreibt ein Beobachter unter #debates, ein anderer zog den gegenteiligen Schluss: "Tonight's #Debate2012 winner: militant big bird."

Einer ist aus der Präsidentenbewerber-Debatte auf alle Fälle schon mal mit einem positiven Ergebnis hervorgegangen, zumindest nach eigenen Angaben: das Unternehmen Twitter. Pressesprecherin Rachael Horwitz teilte mit, dass das TV-Duell das politische Ereignis der US-Geschichte sei, über das am meisten getwittert worden sei.