FDP: Westerwelle in der Krise Suding: Ein Parteichef steht immer zur Debatte

"Ich höre vereinzelte Stimmen": Katja Suding, erfolgreiche Wahlkämpferin der Hamburg-FDP, ist genervt von den überzogenen Rücktrittsforderungen gegen Parteichef Westerwelle. Die Hamburgerin betont: Mit Westerwelle feierte die FDP ihre größten Erfolge - und ohne ihn wird die Führungsfrage nicht gelöst werden.

Interview: Thorsten Denkler

sueddeutsche.de: Frau Suding, der Medienlage nach zu urteilen, scheint es in der FDP im Moment niemanden mehr zu geben, der Guido Westerwelle noch länger als bis zum Parteitag im Mai als Parteivorsitzenden sehen will. Ist das ein realistisches Bild?

Sie verteidigt FDP-Chef Guido Westerwelle gegen seine Kritiker: Die FDP-Fraktionschefin in der Hamburger Bürgerschaft Katja Suding.

(Foto: dapd)

Katja Suding: Nein, im Gegenteil. Ich höre vereinzelte Stimmen, die ihn zum Rücktritt auffordern. Die allermeisten aber, die sich an der Debatte beteiligen, gehen wesentlich überlegter an die Frage heran.

sueddeutsche.de: Wie denn?

Suding: Es geht doch nach diesen Wahlniederlagen zuerst um die Frage: Wie müssen wir uns inhaltlich aufstellen, um wieder erfolgreich sein zu können? Erst dann kommt die Frage, mit welchem Personaltableau wir die Menschen überzeugen wollen.

sueddeutsche.de: Das heißt doch aber: Westerwelle steht zur Debatte, oder?

Suding: In einer demokratisch strukturierten Partei steht ein Parteivorsitzender immer zu Debatte, erst recht nach Wahlniederlagen - das ist von der CDU/CSU bis zur Linken der Fall, wie Sie gerade in diesen Tagen beobachten können.

sueddeutsche.de: Sie halten es für wahrscheinlich, dass Westerwelle im Mai als Parteivorsitzender wiedergewählt wird?

Suding: Warum denn nicht? Wir haben mit Westerwelle unsere größten Wahlerfolge gefeiert. Unser sensationelles Wahlergebnis bei der Bundestagswahl konnten wir nur erzielen, weil Guido Westerwelle an der Spitze gestanden hat. Das Komfortable an unserer Situation ist doch, dass wir in der zweiten Reihe hinter Westerwelle sehr viele junge und talentierte Leute haben, die wir nach vorne stellen können. Suchen Sie die mal bei SPD oder Linken!

sueddeutsche.de: Der Satz könnte Ihnen jetzt wieder so ausgelegt werden, als glaubten Sie Westerwelles Zeit sei um. Sie haben ja auch gesagt, Generalsekretär Christian Lindner hätte das Zeug zum Parteivorsitzenden.

Suding: Das ist es ja gerade: Lindner hat das Zeug, Rösler und Bahr auch. Und sie alle brauchen von mir keine Ratschläge, ob und wann sie welches Amt übernehmen sollen. Wenn es um den Parteivorsitz geht, wird jeder Aspirant das sicher zusammen mit Guido Westerwelle besprechen. Die werden zu gegebener Zeit eine gute Lösung finden.

sueddeutsche.de: Rücktrittsforderungen gegen die Parteispitze kommen von Leuten wie Wolfgang Kubicki oder Jorgo Chatzimarkakis. Sind das Stimmen, die der Partei helfen, voranzukommen?

Suding: Personaldiskussionen sollten immer intern geführt werden.

sueddeutsche.de: Einige erwecken den Eindruck, es reiche, die Personen an der Spitze auszutauschen.

Suding: Das reicht natürlich nicht. Jeder der glaubt, dass es uns sofort nach vorne katapultiert, wenn wir unseren jetzigen Vorsitzenden gegen wen auch immer ersetzen, der wird ganz schnell merken, dass er da falsch gelegen hat.

sueddeutsche.de: In Hamburg haben Sie die Partei auch personell neu aufgestellt und waren damit erfolgreich. Was kann die Bundespartei von Ihnen lernen?

Suding: Die Situation der Bundespartei jetzt und der Hamburger FDP sind nicht vergleichbar. Bei uns standen überraschend Neuwahlen an, wir waren außerparlamentarisch und die Ole-Wähler der CDU waren heimatlos. Da mussten wir überlegen, wie wir uns in kurzer Zeit richtig aufstellen. Das haben wir erfolgreich getan.