FDP-Vize Holger Zastrow "Heckenschützen schaden der Partei"

Schluss mit der Personaldebatte! Die Wähler in Niedersachsen hätten sich klar für FDP-Chef Philipp Rösler ausgesprochen, sagt dessen Stellvertreter Holger Zastrow im SZ.de-Interview. Und das trotz "Störfeuer aus Berlin". Das Ergebnis von fast zehn Prozent müsse jetzt als "Steilvorlage" für die Bundestagswahl genutzt werden.

Von Oliver Das Gupta

SZ.de: Herr Zastrow, welchen Anteil hat Philipp Rösler am Abschneiden der FDP in Niedersachsen?

Holger Zastrow: Philipp Rösler hat mit enormem Einsatz entscheidend mitgeholfen, die Landtagswahl für die FDP zu einem großen Erfolg zu machen. Er hat beispielsweise über 50 Veranstaltungen bestritten. Und man darf nicht vergessen: Niedersachsen ist seine Heimat, hier war er bis vor drei Jahren Minister. Die Bürger haben also auch über seine Arbeit abgestimmt. Die Landespartei insgesamt hat vorbildlich gekämpft - und das trotz unangenehmer Begleitmusik aus Berlin.

Sie spielen auf die Äußerungen von einigen Parteigranden an, wie zum Beispiel Rainer Brüderle. Der sprach zwei Tage vor der Wahl kaum kaschiert von der Abwahl Röslers als Vorsitzender.

Das ist bislang wohl ein einzigartiger Vorgang gewesen: Noch nie wurde einem Landesverband der Wahlkampf von der Bundespartei so schwer gemacht. So ein Störfeuer aus Berlin darf es nicht mehr geben. Heckenschützen schaden der Partei.

Halten Sie es denn für sinnvoll, die für Mai geplante Neuwahl der Parteiführung auf Februar oder März vorzuziehen?

Nein, davon halte ich nichts. Wer solche Vorschläge macht, macht sie aus der Berliner Raumkapsel heraus, das hat wenig mit der Realität der Parteiarbeit zu tun. Fakt ist, dass ein solches Vorziehen auch gar nicht so schnell zu machen ist. Die Satzung schreibt feste Regularien vor. Und dann sollten wir auch an die Delegierten denken, die sich ehrenamtlich auf eigene Kosten in ihrer Freizeit zu einem Parteitag aufmachen. Außerdem ist ein Sonderparteitag gar nicht mehr nötig: Von Niedersachsen geht ja eine unmissverständliche Botschaft aus.

Die da lautet: Rösler bleibt Parteichef?

So ist es. Die Personaldebatte ist beendet. Wir hätten sie gar nicht zu führen brauchen, sie war völlig unnötig. Wir wären doch jetzt als Partei verrückt, wenn wir den Erfolg in Niedersachsen durch eine neue Führungsdebatte ad absurdum führen würden. Wichtig ist, dass wir die Steilvorlage nutzen. Das ist die beste Basis für den Bundestagswahlkampf. Auch wenn die Umfragen noch nicht sofort anziehen, muss uns das nicht beunruhigen. Wir müssen Wahlen gewinnen, nicht Umfragen. Dass wir das mit Leidenschaft und Teamgeist schaffen können, haben uns die niedersächsischen Parteifreunde und Philipp Rösler gezeigt. Darauf sollten wir setzen und nicht auf internes Gerangel.

War es falsch, Niedersachsen zur Messlatte für Rösler zu machen?

Ich fand es nicht richtig, aber es lief nun mal so ab. In den vergangenen Wochen haben einige Leute diese Hürde immer höher und höher geschraubt. Und nun hat Philipp Rösler diese Latte übersprungen - und mit viel Luft dazwischen.

Was ist Ihre Botschaft an diejenigen, die diese Hürde für Rösler errichtet haben?

Ich rate uns zu mehr Demut und zu weniger Eitelkeit. Es kann nicht sein, dass jeder immer nur darauf erpicht ist, sein Mütchen zu kühlen. Berlin ist nicht der Nabel der Welt. Wir haben vier schwarz-gelbe Flagschiffe in den Ländern - in Bayern, Hessen, Sachsen und bislang Niedersachsen - sowie agile Oppositionsparteien wie beispielsweise in Schleswig-Holstein. Die funktionieren allesamt wesentlich erfolgreicher als im Bund. Da könnte sich Berlin eine Scheibe abschneiden.

Macht es Sinn, mit einem Spitzenteam in den Bundestagswahlkampf zu ziehen?

Politik ist immer Mannschaftssport. Deshalb ist es besser, wenn man breit aufgestellt ist. Ich vertraue da meiner Basis mehr als manchem in der Spitze, wenn ich sehe, wie viele ehrenamtliche Parteimitglieder unbeirrt die Fahne hochhalten. Trotzdem sollte uns allen klar sein: Den Wahlkampf führt der Vorsitzende mit dem Generalsekretär. Dass sie das gut machen, haben sie in Niedersachsen gezeigt.