Familienministerin Kristina Schröder Abgrund voraus? Immer weiter!

Ungerecht sei die Kritik an ihr, überzogen und unfair. So sehen es die wenigen Getreuen von Kristina Schröder. Viele andere schütteln den Kopf über das Ungeschick der Familienministerin. Der Rauswurf ihrer wichtigsten Gleichstellungsexpertin ist nur eines von vielen Fettnäpfchen. Das nächste wartet bereits.

Eine Bilanz von Thorsten Denkler, Berlin

Vor ihrer Zeit als Ministerin ist Kristina Schröder, die damals noch Köhler hieß, mit Warnungen vor "Deutschenfeindlichkeit" aufgefallen. In Porträts über sie wird gerne erwähnt, dass sie schon als Schulmädchen Poster von Helmut Kohl an ihre Zimmerwand gepinnt hat. Ansonsten ist sie als Abgeordnete der CDU im Bundestag eher nicht in Erscheinung getreten.

Ihr Glück war, dass Franz Josef Jung kurz nach der Wahl 2009 zurücktreten musste. Der Parteienproporz verlangt, dass für den Hessen ein Hesse ins Kabinett nachrückt. Oder eine Hessin. Und so bekam Kristina Schröder die Chance ihres Lebens. Sie wurde Ministerin für Familien, Senioren, Frauen und Jugend.

Damit war die Zeit des politischen Glücks auch schon vorbei. Wenn sie jetzt ihre hochgeachtete Leiterin der Abteilung "Gleichstellung und Chancengleichheit", Eva Maria Welskop-Deffaa, mit 53 Jahren in den einstweiligen Ruhestand versetzt, fügt sich das nahtlos ein in eine ganze Phalanx von politischen Fehleinschätzungen und Dilettantismen, die mit mangelnder Erfahrung kaum noch zu erklären sind.

Mit Rückendeckung der Kanzlerin

Keine Politikerin steht so unter Druck wie die heute 34 Jahre alte Schröder. Und kaum eine Politikerin hat sich derart offensiv selbst in diese prekäre Situation gebracht. Sie wirkt wie jemand, der gerne forsch voranschreitet, plötzlich an einem Abgrund steht, und dann einfach weitergeht, weil er sich nicht eingestehen kann, sich verlaufen zu haben.

Sie hatte 2009 ein schweres Erbe anzutreten. Das Ministerium übernahm sie von der überaus erfolgreichen Ursula von der Leyen. Die hatte praktisch gegen die komplette CDU das Elterngeld-Konzept ihrer SPD-Vorgängerin Renate Schmidt durchgepaukt. Freilich mit voller Rückdeckung der Kanzlerin. Auf einen Schlag schien sich die CDU familienpolitisch aus der verstaubten Kohl-Ära verabschiedet zu haben.

Schröder wartet auf solche Erfolge vergeblich. Ihr Konzept der Familienpflegezeit ist zwar inzwischen Gesetz. Allerdings hat davon wegen der Konstruktionsmängel kaum einer Notiz genommen.

Warnung vor dem Kalifat

Kurz nach Amtsübernahme macht sie mit ihrer Doktorarbeit Schlagzeilen. Sie nutzte für das Werk ausgiebig ihre Privilegien als Bundestagsabgeordnete. Professoren sprechen von einer "Typ-II"-Dissertation, die Karrieristen gerne abliefern. Der wissenschaftliche Erkenntnisgewinn tendiert gegen null, der Aufwand ist überschaubar. Dafür schmückt bei Erfolg ein schöner Titel den Namen.

Mit der Wissenschaft scheint Schröder ohnehin auf Kriegsfuß zu stehen. Studien interpretiert sie gerne derart um, dass die beteiligten Wissenschaftler nachher auf die Barrikaden gehen, um weitere Fehldeutungen zu vermeiden. Mal sieht sie Zwangsverheiratungen, wo keine sind. Mal liest sie in einem wissenschaftlichen Werk eine Zunahme "deutschenfeindlicher Gewalt" heraus, die nach Ansicht des Autors jedoch nie festgestellt wurde. Nahezu allergisch reagiert sie auf den Islam. Da warnt sie auch schon mal vor einem "europäischen Kalifat".