EU-Kommissar zur Energiewende Oettinger verheißt Deutschland 40 Jahre Atomenergie

"Wir werden auch in 40 Jahren noch Atomstrom im deutschen Netz haben": EU-Energiekommissar Günther Oettinger.

(Foto: dapd)

Von wegen schnelle Energiewende: Deutschlands EU-Kommissar Oettinger vermutet, dass noch jahrzehntelang Atomstrom zwischen Alpen und Ostsee genutzt wird. Als große Gefahr betrachtet er die steigenden Energiepreise.

Spätestens seit der Reaktorkatastrophe von Fukushima ist es eines der wichtigsten Themen von Kanzlerin Angela Merkel: der Atomausstieg und die damit verbundene Energiewende. Spätestens 2022 soll Deutschland keinen Atomstrom mehr produzieren, so der Plan.

Günther Oettinger, EU-Energiekommissar und Parteifreund Merkels, glaubt aber nicht daran, dass Deutschland deshalb bald ohne Energie aus AKWs auskommt. "Wir werden auch in 40 Jahren noch Atomstrom im deutschen Netz haben", sagte er im Interview mit der Rheinischen Post. Es gebe in Europa immer noch 140 Atomkraftwerke, die meisten Regierungen dächten gar nicht daran, diese abzuschalten, so Oettinger.

Deutschlands Mann in Brüssel hält es sogar für möglich, dass irgendwann neue Atomkraftwerke gebaut werden. "Die Erforschung der Kernfusion, die ebenfalls eine Form von Kernenergie ist, macht gerade große Fortschritte. Vielleicht wird diese Technik eines Tages in Deutschland akzeptiert."

Kritisch sieht der EU-Kommissar die steigenden Energiepreise in Deutschland. Seine Prognose: "Innerhalb der nächsten fünf Jahre wird der Strompreis deutlich schneller als die Inflation steigen." Das sei ein neues Armutsrisiko: "Es wird demnächst auch in Deutschland viele Haushalte geben, die ihren Strom nicht mehr bezahlen können."

Bereits im August 2011 wurde das "Dreizehnte Gesetz zur Änderung des Atomgesetzes" unterzeichnet. Damit war der Atomausstieg bis zum Jahr 2022 rechtskräftig und die ersten Meiler gingen vom Netz. Die Energiewende in Deutschland kommt jedoch nur schleppend voran, was den Termin für die endgültige Abschaltung sämtlicher Atomkraftwerke gefährdet.