Eskalation zwischen Salafisten und rechten Pro-NRW-Aktivisten "Eine Explosion der Gewalt, die wir lange nicht erlebt haben"

Demonstranten der rechtsextremen Pro-NRW-Bewegung zeigen islamfeindliche Karikaturen. Radikale Salafisten werfen mit Steinen und greifen Polizisten an, die sich zwischen die beiden Gruppen stellen. Zwei Beamte werden durch Messerstiche schwer verletzt. Jetzt ermittelt die Mordkommission.

Mit einem Gewaltausbruch gegen die Polizei haben etwa 200 radikalislamische Salafisten in Bonn auf eine Aktion der rechtspopulistischen Partei Pro NRW reagiert.

Anhänger von "Pro NRW" hatten am Nachmittag vor der König-Fahd-Akademie in Bonn demonstriert und dabei islamfeindliche Karikaturen gezeigt. Weniger als 30 Pro-NRW-Leuten standen nach Polizeiangaben 500 bis 600 Gegendemonstranten gegenüber. Die Polizei habe zwischen beiden Seiten Mannschaftswagen geparkt, um die Situation zu entschärfen. Die Demonstration sei zunächst friedlich verlaufen, dann aber eskaliert.

Ein 25-Jähriger griff nach Angaben der Polizei mit einem Messer drei Beamten an. Eine Beamtin und ein Beamter seien dabei schwer verletzt worden und würden stationär in einem Krankenhaus behandelt. Der Tatverdächtige, der wegen Körperverletzungs- und Waffendelikten bereits polizeibekannt sei, wurde festgenommen. Gegen ihn werde wegen versuchter Tötung ermittelt.

Insgesamt 29 Beamte erlitten bei der Auseinandersetzung Verletzungen - zum Teil hätten die Salafisten mit von Zäunen abgebrochenen Latten auf die Polizisten eingeschlagen. Außerdem seien Flaschen und Steine auf die eingesetzten Beamten geflogen.

Die Polizei habe die Veranstaltung nach rund 45 Minuten beendet. Allerdings seien gewaltbereite Salafisten noch für etwa eine Stunde durch den Stadtteil gezogen. Die Bonenr Polizeipräsidentin Ursula Brohl-Sowa sprach angesichts der Ausschreitungen von einer "Explosion der Gewalt, die wir lange nicht mehr erlebt haben".

NRW-Innenminister Ralf Jäger warf den Rechtsextremisten im WDR gezielte Provokationen gegen gewalttätige Salafisten vor. Gleichzeitig betonte der Minister die friedliche Haltung der überwiegenden Mehrheit der Muslime in NRW. Bereits am 1. Mai war es in Solingen am Rande eines Pro-NRW-Auftritts zu gewalttätigen Auseinandersetzungen gekommen. Fundamentalistische Muslime hatten die Polizei attackiert und drei Beamte verletzt, nachdem Pro-NRW-Anhänger nahe einer Moschee Karikaturen des Propheten Mohammed gezeigt hatten. Dessen bildliche Darstellung ist im Islam verboten.

Der Salafismus ist nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes ein Sammelbecken für gewaltbereite Islamisten. Er hat in Deutschland rund 2500 Anhänger. Salafisten vertreten einen rückwärtsgewandten Ur-Islam und lehnen jede theologische Modernisierung ab.

Seit Wochen machen sie in Deutschland mit der Verteilung kostenloser Koran-Exemplare von sich reden. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hält den Salafismus für eine Keimzelle des Islamisten-Terrors in Deutschland. "Von seinen fanatischen Anhängern geht eine besondere Gefährdung für die Sicherheit Deutschlands aus", sagte er der Bild am Sonntag. "Die Salafisten liefern die ideologische Basis für viele, die dann gewalttätig werden."