Nach dem Desaster der Loveparade sollte Duisburgs OB Sauerland gehen - doch er sträubt sich. Wer sich nun empört, möge sich selber testen: Wäre man bereit, einen schlimmen Fehler freiwillig mit dem Verlust der materiellen Existenz zu büßen?
Nun also auch der Bundespräsident. Christian Wulff wusste nichts anderes zu sagen, als er nach dem Duisburger OB gefragt wurde. Und so wählte er eine Bemerkung, die in ihrer Zweideutigkeit wiederum eindeutig war. "Unabhängig von konkreter Schuld gibt es auch eine politische Verantwortung", sagte Wulff am Sonntag. Er fuhr fort: "Das alles wird der Oberbürgermeister genau abwägen müssen." Mit anderen Worten, Adolf Sauerland, der aufs Traurigste berühmt gewordene Repräsentant einer Halbmillionenstadt, soll endlich zurücktreten.
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Will nicht freiwillig aus seinem Amt scheiden: Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) (© dpa)
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Selbstverständlich ist es gar nicht die Frage, ob der Mann bleiben kann. Er hat sich im Amt unmöglich gemacht, ganz egal, was sein Beitrag zur Loveparade war und wer was unterschrieben hat. Jeder weitere Tag, den Sauerland bleibt, fügt seiner Stadt zusätzlichen Schaden zu - und übrigens auch ihm selbst, wie man vielleicht hinzufügen muss. Es ist doch unwürdig für einen Menschen, wenn er sich nicht einmal bei einer Trauerfeier zeigen kann. Wenn man Bemerkungen von ihm zwischen den Zeilen liest, liegt die Vermutung nahe: Er weiß das selbst. Warum also tritt er nicht zurück? Warum überhaupt treten Oberbürgermeister fast nie zurück, auch wenn die Anlässe klarer nicht sein könnten?
Unter renitenten Oberhäuptern litten schon Städte wie Wuppertal, Saarbrücken und Hanau, wo die OBs sich teils wegen politischer, teils wegen strafrechtlicher Vorgänge disqualifiziert hatten. Die waren zwar alle nicht vergleichbar mit dem, was in Duisburg passiert ist. Aber auch diese Stadtoberhäupter konnten ihre Kommune nicht mehr repräsentieren, weder Firmen noch Zuschüsse anwerben - weil sie nur noch mit sich selbst beschäftigt waren und jede Autorität verloren hatten.
Der Bundespräsident macht es sich etwas einfach, wenn er "politische Verantwortung" anmahnt. Als früherer Ministerpräsident weiß er doch, wo das Problem liegt: in den Landesbeamtengesetzen, die in keinem Bundesland den Rücktritt eines OB vorsehen - sondern nur die Entlassung aus dem Beamtenverhältnis. Die aber hat zur Folge, dass ein OB sämtliche Pensionsansprüche verliert, selbst jene, die er vor der Zeit im Rathaus erworben hat. Wer sich empört, dass ein Stadtoberhaupt an so etwas denkt, möge sich selber testen: Wäre man bereit, einen schlimmen Fehler freiwillig mit dem Verlust der materiellen Existenz zu büßen?
Sicher, es gibt Alternativen zum Rücktritt: die Abwahl, das Ruhenlassen eines Amtes, im Fall Sauerlands vielleicht die Rückkehr in die frühere Beamtentätigkeit, die des Lehrers. Aber das sind alles Alternativen, die dauern und auf menschliche Größe oder Findigkeit einer Verwaltung angewiesen sind. Es wird Zeit, die Beamtengesetze zu ändern - ein OB muss sein Amt aufgeben können wie jeder Minister auch. Er muss den Platz räumen können, ohne ein Sozialfall zu werden. Duisburg offenbart es doch: In einer aufgewühlten Stadt stehen die jetzigen Gesetze einer Befriedung im Weg.
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(SZ vom 02.08.2010/odg)
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Verantwortung in Deutschland tragen heisst also, selbst bei Katastrophalsten Fehlleistungen ist alls was droht ein Imageverlust. Wird der Herr abgewählt, dann bekommt er noch 4-5 Monate volee Bezüge und dan 5 Jahre 72% als Pension. Dasist bei BAT 10 , ca. 10060 € schon eine ganze Menge, auf die er da verzichten soll. Als es darum ging , auf andere Druck auszuüben, Macht zu gebrauchen um sich durchzustzen, da war er weniger zimperlich.
Zu Macht und Verantwortung gehört also kein bischen persöhnliches Risiko. Die freie Wirtschaft hat's vorgemacht , seit 1948 genauer gesagt, dies war immer ein Teil der Deutschen Geschichte. Das musste ja angeblich so sein ,damit es ein Wirtschaftswunder geben konnte, angeblich wohlgemerkt. Und das zieht sich bis heute durch. Der Fall Duisburg ist nur ein besonders krasser Fall, da es hier 21 Tote gegeben hat.
Ohne den nötigen A.... in der Hose Macht beanspruchen ohne Verantwortung übernehmen zu wollen hat hier Tradition.
Was kann denn in diesem Fall Verantwortung übernehmen überhaupt heissen ? Für 7200€ im Monat ein betroffenes Gesicht zur Schau zu stellen ? Oder zurück zu treten, um der Stadt , dem Amt, der eigenen Partei , der Demokratie angesichts eigener Fehler die zu einer grossen Katastrophe geführt haben nicht noch mehr Schaden zu zufügen?
In meinen Augen letzteres. Das hier Leute in Amt und Würden kommen , die dazu nicht Willens sind, unter aktiver Mitwirkung politischer Parteien, das lässt tief blicken .Wenn man schwindelfrei ist, versteht sich.
... sich weiter auf die Frage ob Sauerland seine Beamtenbezüge behalten darf oder nicht einschießt, fällt die Rekonstruktion der an der Duisburger Love-Parade-Katastrophe immer schwerer. Der Kopf Sauerlands (oder eben seine Altersversorgung) ist Angesichts des Umfangs und der Reichweite der Katastrophe die billigste Lösung. Eine Lösung die ablenkt und weit weg führt von der Frage der Verantwortung von Politikern und politischer Gremien. Und das nicht nur in diesem konkreten Fall.
die bekommen das volle Gehalt bis an das Ende ihrres Lebens.
Da kann man dann leicht Gürtle engerschnallen (Herzog) oder Job aufgeben (Wulff) empfehlen.
So blöd Geld abzulehnen wenn der Pöbel ihmohnehin ans Leder will ist nicht einmal ein Berufschullehrer.
Ich dachte zu sehr an die unteren Chargen, die mit den Maultaschen, Kinderbetten und Leergutquittungen, aber auch an die, die gefeuert werden, weil es gerade mal nicht so läuft oder weil man den Altersschnitt in der Belegschaft senken will.
Es ist schon unglaublich wer da schuld ist! Nur nicht die Beteiligten, die den ganzen unsinnigen Wahnsinn verursacht haben. Kein Wort an die! Natürlich, schuld sind immer die anderen! Verkehrte Welt!
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