Nach Lafontaines Rückzug streitet die Linke in aller Offenheit über seine Nachfolge. Das Ungleichgewicht zwischen Ost und West stellt die Partei vor Probleme.
Berlin - Auf dem Gruppenfoto wird noch gelächelt. Männer und Frauen, Wessis und Ossis präsentieren sich in idyllischer Umgebung als traute Truppe. So war die Fraktionsklausur der Linken im brandenburgischen Rheinsberg am Wochenende ja auch gedacht. Wenige Tage danach aber ist klar, dass der Schein trügt. Mit seinem Rückzug vom Fraktionsvorsitz hat Oskar Lafontaine die 76 Abgeordneten in erhebliche Nöte gestürzt. In ziemlicher Offenheit nämlich wird nun der Kampf um die Nachfolge Lafontaines ausgetragen. Zwei Jahre nach dem Zusammenschluss von PDS und WASG wird dabei offenbar, wie zerrissen die Partei immer noch ist.
Gruppenbild mit Westdeutschem: Nach dem Rückzug von Oskar Lafontaine (mitte) wird eine neue Frau als Kovorsitzende Gregor Gysis (rechts) gesucht. Petra Pau (links) scheidet als Ostdeutsche aus. (© Foto: dpa)
Anzeige
Seinen Rückzug hatte Lafontaine während der Fraktionsklausur mit dem leicht vergifteten Vorschlag verbunden, es solle weiterhin eine Doppelspitze geben. Gregor Gysi, dem Mann aus dem Osten, solle eine Frau aus dem Westen zur Seite gestellt werden. Er selber wiederum wünsche sich nach der angestrebten Wiederwahl zum Parteichef im Mai eine Frau aus dem Osten als Kovorsitzende. Das überraschte, denn in der Parteisatzung ist die Doppelspitze nur für eine Übergangszeit vorgesehen. Bislang galt die Parole, die Partei sei nun auf Ost-West-Proporz nicht mehr angewiesen.
Die Linke müsse sich zwar "gesamtdeutsch" ausrichten, erläuterte Lafontaine nun indes den verblüfften Abgeordneten. Noch aber sei sie gespalten. Im Osten agiere sie als Volks-, im Westen als Interessenpartei. In der Tat kommen im Osten die Unterstützer aus allen Schichten, im Westen vor allem aus dem Milieu der Gewerkschaften und sozialen Bewegungen. Das lässt sich auch in Zahlen ausdrücken: In Brandenburg erzielte die Linke 28,5, in Hessen 8,5 Prozent.
Ost-Frauen bekannter und erfahrener
Am Dienstag nun überraschte die Parlamentarische Geschäftsführerin der Links-Fraktion, Dagmar Enkelmann, die Genossen aus dem Westen per Agenturmeldung mit der Feststellung: "Ossi, Wessi - das spielt keine Rolle mehr bei uns." Wenn Gysi eine Frau an der Fraktionsspitze zur Seite gestellt werde, könne diese auch aus dem Osten kommen, erklärte sie der Deutschen Presse-Agentur und löste so in der Partei ein mittleres Beben aus. "Wir haben genug Frauen. Offen ist aber, dass es tatsächlich eine Frau aus dem Westen sein muss", versicherte Enkelmann. Entscheidend müssten Kompetenz, Inhalte und Profil sein.
Die Botschaft darf getrost als kleine Bosheit an die Adresse der West-Frauen in der Fraktion verstanden werden, denn die bekannteren und parlamentarisch erfahreneren Links-Frauen in der Fraktion kommen unbestreitbar aus dem Osten. Das frühere SED-Mitglied Enkelmann etwa ist schon seit 2005 Parlamentarische Geschäftsführerin. Die Vize-Fraktionschefin Gesine Lötzsch, ebenfalls einst in der SED, sitzt seit 2002 im Bundestag und ist bekannt als Finanzpolitikerin.
Vor allem linke Neu-Abgeordnete aus dem Westen reagieren empört auf den Vorstoß Enkelmanns. "Es ist immer einfacher für Frauen, die schon ein oder zwei Legislaturperioden im Bundestag waren, sich als profilierter darzustellen", sagt Nicole Gohlke aus München, die 2004 in die WASG eingetreten ist und nun als Neuling im Parlament sitzt.
"Kulturelle Unterschiede"
Ähnlich sieht das Christiane Buchholz, die Mitglied im Parteivorstand ist und über die hessische Landesliste erstmals in den Bundestag gewählt wurde. Tatsächlich fehle es an profilierten Frauen aus dem Westen, räumt sie ein. "Die Anstrengung muss sein, dass in zwei Jahren eine Frau mit West-Hintergrund so weit aufgebaut ist, dass sie auch neben Gysi bestehen kann", fordert sie. So lange könne mit der Wahl einer zweiten Fraktionsvorsitzenden getrost gewartet werden.
50.000 der 76.000 Mitglieder der Linken stammen nach einer Zählung von 2008 aus den Ost-Bundesländern und Berlin. "Wenn wir nicht den Eindruck erwecken wollen, dass es um eine Westausweitung der alten PDS geht, dann müssen wir das durch das Personal deutlich machen", warnt der Vize-Parteichef und Fraktionsvorsitzende Klaus Ernst, einst Mitbegründer der WASG. "Ob es uns passt oder nicht", mahnt er, "es gibt große kulturelle Unterschiede zwischen unseren Wählern im Osten und im Westen." Insgesamt habe die Linke im Westen aber schon mehr Wähler als im Osten. "Diese Wähler", fordert der Gewerkschafter Ernst, " müssen sich repräsentiert fühlen."
Ein Kompromiss wird in der Fraktion schon diskutiert: Gysi bleibt alleiniger Vorsitzender. Der Ost-West-Streit wäre entschärft, die Frauen allerdings hätten das Nachsehen.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
- Rot-Rot-Grün Zoff im linken Lager 12.10.2009
- Rot-Rot in Brandenburg Alles im Fluss 12.10.2009
- Nahles: Kritik an Saar-Entscheidung "Lafontaine ist Steigbügelhalter für Jamaika" 12.10.2009
- Grüne im Saarland Zweifel am Fundament 11.10.2009
- Saarlands Grüne Umworben und gespalten 09.10.2009
- Politik kompakt RAF-Mitglied Hogefeld bleibt in Haft 18.05.2010
- Sahra Wagenknecht "Hartz IV weg? - In NRW leider nicht zu machen" 16.05.2010
(SZ vom 14.10.2009/jab)
Obama zeichnet Bob Dylan aus
Die Linke ist einfach zu Reformistisch. Sie müssen viel revolutionärer sein.
Presseerklärung zum 05.01.2009 des OV Baunatal DIE LINKE.
Nachdem die Vorstandsmitglieder des Bernd Heinicke, Martina Walter und Stawri Sarbidi zum 31.12.2008 ihre Vorstandsämter des OV Baunatal DIE LINKE. niedergelegt haben,
treten 33 Mitglieder = (40 Prozent des Kreisverbandes Kassel-Land DIE LINKE.) des
OV Baunatal DIE LINKE. ebenfalls mit Wirkung zum 31.12. 2008 aus der Partei DIE LINKE. aus.
Begründung: 1.) fehlende Basisdemokratie
2.) geheime Zirkel, unterschiedliche E-Mailverteiler,
Dossiers der Mitglieder
3.) fehlende Streitkultur
4.) Mobbing von Mitgliedern, Parteimitglieder werden fertig gemacht.
5.) Arbeitslose, Hartz IV und Behinderte werden diskreditiert und ausgrenzt.
6.) statt Armutsbekämpfung , nur Armutsverwaltung
7.) Elitäre Kaderbildung, statt Basisdemokratie
Bernd Heinicke Martina Walter Stawri Sarbidi
----- Original Message -----
From: Bernd Heinicke
To: bfvinfo@verfassungsschutz.de
Sent: Monday, September 07, 2009 2:34 PM
Subject: Fw: Stellungsnahme zum Brief an Oskar Lafontaine
Sehr geehrter Herr Fromm,
oben in Anhang sind genug Unterlagen, die Sie ich bitte einmal durchlesen sollten, um die unten im E-Mailverkehr mit dem Büroleiter (Harald Schindel)von Oskar Lafontaine zum Verfassungsschutz, zu verstehen.
im Anhang ist der handgeschriebene Brief, den ich persönlich am 31.08.2008
in Lollar auf dem Parteitag der LINKEN in Anwesenheit der Presse, Oskar
Lafontaine, zusammen mit den kompletten Unterlagen übergeben habe.
Herr Lafontaine hat mir im Beisein von Werner Dreibus zugesichert, das er
sich der Sache annimmt.
Bis heute ist diesbezüglich nichts geschehen.
Anscheinend ist eine basisdemokratische Partei nicht gewollt und die alten
Mechanismen (STASI 2.0) greifen immer noch. Herr Lafontaine sollte nur nicht
sagen er hätte nichts gewusst.
Mit freudlichen Grüßen
Bernd Heinicke
----- Original Message -----
From: DIE LINKE - Harald Schindel
To: Bernd Heinicke
Sent: Saturday, September 06, 2008 5:34 PM
Lieber Bernd,
leider war ich gestern den ganzen Tag auf Sitzungen. Habe mit Oskar gesprochen. Er sagt das ist Sache des Landesverbandes, er wird da nicht eingreifen. Du solltest den Weg der Schiedsgerichtsbarkeiten wählen um die Sache zu klären. Den Verfassungsschutz wird das ganze meiner Erfahrung nach nicht interessieren, aber du würdest der Partei schaden das kann ja auch nicht in deinem Sinne sein. Da ja auch du genau wie Oskar in Hessen gesagt hat, die Lebensverhältnisse der Menschen verändern willst und nicht Partei Selbstzweck ist.
Wir müssen uns inhaltlich sowohl in der Partei als auch außerhalb mit den Gegnern auseinandersetzen. Nur so bauen wir die Partei die wir wollen.
Mit solidarischen Grüßen
Harald
DIE LINKE Parteivorstand
Harald Schindel
Büroleiter des Vorsitzenden Oskar Lafontaine
Presseerklärung zum 05.01.2009 des OV Baunatal DIE LINKE.
Nachdem die Vorstandsmitglieder des Bernd Heinicke, Martina Walter und Stawri Sarbidi zum 31.12.2008 ihre Vorstandsämter des OV Baunatal DIE LINKE. niedergelegt haben,
treten 33 Mitglieder = (40 Prozent des Kreisverbandes Kassel-Land DIE LINKE.) des
OV Baunatal DIE LINKE. ebenfalls mit Wirkung zum 31.12. 2008 aus der Partei DIE LINKE. aus.
Begründung: 1.) fehlende Basisdemokratie
2.) geheime Zi