Die Außenpolitik des Ministers Westerwelle ist vorerst eine Fortsetzung seiner Innenpolitik mit anderen Mitteln. Bislang hat das weder den Minister noch den Staat in eine Krise geführt - immerhin.
In den ersten Wochen bloß keinen Fehler machen! Auf keinen Neuling jeder Regierung trifft das so zu wie auf den Außenminister, der mit einem falschen Wort Staatskrisen entfachen kann.
Bemüht: Außenminister Guido Westerwelle (© Foto: dpa)
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Und auf Guido Westerwelle trifft es ganz besonders zu, weil manche es schon für eine Staatskrise halten, dass er überhaupt in dieses Amt gekommen ist. Tatsächlich dürfte selbst unter Sympathisanten der FDP der Wunsch nach Steuersenkungen bei der Wahlentscheidung eher den Ausschlag gegeben haben als die Aussicht auf einen Außenminister Westerwelle.
Sieben Reisen hat der Neue nun hinter sich, zwölf Länder hat er besucht. Israel war die schwierigste Reise, weil Israel für deutsche Politiker immer schwierig ist, für diesen Außenminister aber ganz besonders. Westerwelle stellt sich bewusst in die Tradition von Hans-Dietrich Genscher.
Aber als FDP-Chef kann er die Erinnerung an Jürgen Möllemann und dessen antisemitische Umtriebe nicht ignorieren, die er selbst damals zu lange zugelassen hat. Aus dieser Zeit, in der Westerwelle sogar in Verdacht geriet, die Liberalen rechtspopulistisch abdriften zu lassen, stammt das Image, der FDP-Vorsitzende sei prinzipienlos.
Der Innenpolitiker Westerwelle hat spätestens seit dem Wahlabend 2005 sein politisches Tun auch dem Ziel verschrieben, dieses Image loszuwerden. Er hat damals auf eine Ampel-Koalition mit SPD und Grünen verzichtet, um zu beweisen, dass ihm Prinzipien wichtiger sind als Macht.
Alles riskiert und viel gewonnen
Er hat seinen Wahlkampf 2009 in diese Kontinuität gestellt, alles riskiert und viel gewonnen. Guido Westerwelle, der im Rufe eines Opportunisten stand, hat in den vergangenen Jahren mit Prinzipientreue gute Erfahrungen gemacht. Sie hat ihn ins Auswärtige Amt gebracht. Doch die Skepsis, dass es sich wieder nur um eine weitere taktische Spielart des Opportunismus handelt, wird Westerwelle so schnell nicht los.
Es ist deshalb kein Wunder, dass er nun auch als Außenminister versucht, sich ein eindeutiges Profil zu geben. Selbst wenn er sich persönlich keiner Schuld bewusst sein mag; selbst wenn er meint, als Guido Westerwelle mit keiner Vergangenheit brechen zu müssen, so ahnt er doch, dass von ihm zumindest erwartet wird, Unklarheiten zu beseitigen. Deshalb hat Westerwelle die Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland eingeladen, ihn nach Israel zu begleiten, was in einer Umarmung mit Charlotte Knobloch in Yad Vashem endete.
Im Fall Erika Steinbach setzt Westerwelle ebenfalls auf Eindeutigkeit, wobei er auch hier den Vorwurf aushalten muss, früher anders geredet zu haben. Trotzdem setzt er jetzt klare Prioritäten. Unübersehbar ist dabei, dass die ersten Signale des Außenministers ganz bewusst auch an das heimische Publikum gerichtet sind.
Die Außenpolitik Westerwelles ist somit auch eine Fortsetzung seiner Innenpolitik der vergangenen Jahre mit anderen Mitteln. Immerhin hat das weder den Minister noch den Staat bislang in eine wirkliche Krise geführt.
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(SZ vom 25.11.2009/segi)
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Eines vorweg, Herr Fried, es gibt einen philosophischen Satz, der zum Nachdenken anregt. Dieser lautet: " Persönlichkeiten, nicht Prinzipien bringen uns voran". Und da hat Westerwelle eine ganze Menge nachzuholen. Ob aber am Ende dieses Weges der gewünschte Erfolg steht, ist sehr zu bezweifeln. Das Herr W. einen Spagat in der Außenpolitik machen muss, ist völlig klar. Immerhin ist in einem sehr sensiblen Bereich Kaltschnäuzigkeit und plumpe Ideologie früherer Zeiten a la Westerwelle absolut nicht vertretbar. Das weiß selbst ein Westerwelle! Aber anders als Sie, Herr Fried, ist meine Wahrnehmung, dass er sich bei Genscher immer Rat geholt hat und dies auch noch heute tut. Das ist übrigens sehr lobenswert. Zusätzlich gibt es im Außenministerium noch den Staatssekretär Hoyer, der schon unter Genscher gearbeitet hat. Und der sagt seinem Chef schon sehr genau, was er zu tun, und vor allem, was er zu sagen hat.
Auf die Innenpolitik übertragen, hinkt mangels Vernunft begabter Theoretiker, die FDP den Erfordernissen der Neuzeit beängstigent hinterher. Man muss nicht unbedingt ein Linker sein, um zu diesem Schluss zu kommen. Gesunder Menschenverstand reicht schon aus. Jedenfalls sind aus dem Munde Westerwelles und seiner Kollegen seit einiger Zeit nur noch Platitüden zu hören. Sicherlich wäre es realistischer gewesen, darauf hinzuweisen, dass das angebliche " Prinzip" Westerwelle darin besteht, jedweden vermeintlichen, oder tatsächlichen Mitbewerber aus dem Weg zu räumen. Übrigens: Wenn man die ganzen Richtungswechsel, die er in diesem Jahrzehnt schon veranstaltet hat, betrachtet, wird man zwangsläufig zum Schluss kommen müssen, dass W. durchaus ein Opportunist ist!
Also, wenn sich irgendwelche Länder im Nahen Osten in der Nähe von fortschrittlichen Ländern mit einem guten Bildungssystem, mit möglichst großer Gleichberechtigung für Frauen, mit einer möglichst gut funktionierenden Verwaltung und einem möglichst gleichmäßigen verteilten Wohlstand für die ganze Bevölkerung befinden, dann sind das die Feindländer der USA und Israels, der Iran und Syrien. Vorher war auch noch der Irak eines der modernsten Länder mit besten Ausbildungs- und Berufschancen, bester Gesundheitsversorgung für alle sowie möglichst großer Gleichberechtigung für Frauen.
Bei den langjährigen Freunden und Verbündeten der USA und der EU-Länder ist dagegen Hopfen und Malz verloren. Da gibt es die größten Unterschiede auf der ganzen Welt zwischen Arm und Reich (siehe Saudi-Arabien, Kuwait usw.), die Frauen haben praktisch Null Rechte, in der Regel auch keinen Zugang zu höherer Bildung, auch die ärmeren Gesellschaftsschichten sind meistens von Bildung und gesellschaftlichen Aufstieg völlig ausgeschlossen. In den verbündeten Ländern Pakistan und Indien sind die gesellschaftlichen Unterschiede genauso groß. Die Frauen werden dort oft wie der letzte Dreck behandelt und als Belastung empfunden, die Unterschiede zwischen den Kasten bzw. den unterschiedlichen Gesellschaftsschichten sind nicht auszurotten Und von einer möglichst gleichen Verteilung des Wohlstandes ist nicht einmal ansatzweise zu reden. Man könnte auch sagen, die USA ihre europäischen Verbündeten haben in all diesen Ländern überhaupt nichts zum Positiven für das Leben der Menschen verändert.
Übrigens, weder die Erdölländer im arabischen Raum noch Pakistan, noch Indien u.a. sind echte(!) Verbündete der USA und deren europäischen Unterläufel. Warum sollten sie das sein? Sie haben doch völlig andere Gesellschaftssysteme. Die Erdölländer im Nahen Osten brauchen den Schutz der USA für ihre Diktaturen, um nicht vom Volk gestürzt zu werden. Außerdem wollen sie nicht von den USA und deren Mitläufern militärisch auf gleich Weise bedroht werden wie die anderen Erdölländer rund um die Erde, die nicht nach der Pfeife der USA und deren Verbündeten tanzen.
Wer laesst eigentlich so etwas in der SZ zu? Es ist ja eine Sache, irgendeine Meinung zu vertreten - das sei, natuerlich, jedem Kommentator unbenommen, im Sinne der Pressefreiheit.
Aber wer derartig von den Fakten wegdriftet wie der Autor dieses Artikels, wird sich den Vorwurf der Tatsachenverdrehung gefallen lassen muessen.
Guido Westerwelle hat sowohl in Polen als auch in Israel Polarisierungen vorgenommen, die voellig ueberfluessig waren und dem deutschen Volk, das er gefaelligst zu vertreten hat, in keiner Weise nuetzen. Er hat im Fall Steinbach einen innenpolitischen Streit vom Zaun gebrochen, den wir brauchen wie den beruehmten Kropf im Hals.
In Israel stellt sich Westerwelle gegen jeden Fortschritt in der Friendenspolitik, will ploetzlich von einem Konstruktiven Dialog zwischen Juden und Palaestinensern nichts mehr wissen - genau diesen Konstruktiven Dialog gilt es aber doch zu vermitteln.
Ich bin erstaunt und schon etwas enttaeuscht ueber den Kurs, den Westerwelle einschlaegt, der so in keinem Wahlprogramm stand und der, meines Erachtens, auch nicht geht. Da muss ihn jemand zurueckpfeifen.
Leitartikel wie der vorliegende sind da sicher keine Hilfe. Aber, jedem seine Meinung.
" Westerwelle stellt sich bewusst in die Tradition von Hans-Dietrich Genscher." Diesen Satz muss sich der geneigte Leser auf der Zunge zergehen lassen! Wenn er zutreffen sollte, ist das ein Beweis für Westerwelles Egomanie, wie selbst Heribert Prantl vor einiger Zeit festgestellt hat. Es gibt wohl absolut keinen Zweifel, dass unser neuer Aussenminister niemals an Genscher heran reichen wird. Immerhin hat Westerwelle den Staatssekretär im Auswärtigen Amt Hoyer FDP an seiner Seite, der schon unter Genscher ausgezeichnete Arbeit geleistet hat. Er wird schon sehr genau darauf achten, was der Außenminister zu sagen hat. Bisher hat er deshalb keine Fehler gemacht, weil er weitgehend unkonkret geblieben ist. In Israel hat er sich auf die Staatengemeinschaft zurückgezogen, was ja kein Fehler war. Bei Steinbach sieht das schon etwas anders aus. Ich versuchte mir bei seinen Auslandsreisen immer vorzustellen, wie zu Guttenberg sich wohl verhalten würde. Na ja, da schweigt des Sängers Höflichkeit!
Das Prinzip Westerwelle? Kennt dieser Mensch überhaupt Prinzipien?
Der Wind hat mir ein Lied erzählt....
Westerwelle hat den Bundestagswahlkampf als ultimativer Obersteuersenker geführt und flüchtet nun als Außenminister vor den harten Realitäten der Innen- und Finanzpolitik.
Als Außenminister wird er immer Genscher-Verschnitt bleiben.
Als Finanzminister hätte er noch nicht mal Brüderle-Format erreicht.
Prinzipien sind da eh nicht gefragt....
Paging