Denkmal für Sinti und Roma Damals ermordet, heute verfolgt

Die toten Sinti und Roma haben nun ihr Denkmal. Die lebenden werden auch in Deutschland kaserniert und abgeschoben. Während die Bundeskanzlerin der bis zu 500.000 Ermordeten gedenkt, überlegt der Bundesinnenminister, wie man sich die Enkel und Urenkel vom Leib hält.

Ein Kommentar von Heribert Prantl

Die toten Sinti und Roma haben jetzt ein Denkmal; heute wird es in Berlin eingeweiht. Die lebenden Sinti und Roma haben fast nichts; sie haben keine Arbeit, keine Wohnung, keinen Schutz und keine Hilfe. In Ungarn, Rumänien und Bulgarien, Mazedonien und Serbien werden sie schikaniert und verfolgt, in Deutschland und Frankreich kaserniert und abgeschoben - dorthin, wo sie wieder schikaniert und verfolgt werden.

Die Bundeskanzlerin gedenkt heute vor dem neuen Denkmal der bis zu fünfhunderttausend Sinti und Roma, die von den Nazis ermordet worden sind. Der Bundesinnenminister überlegt derweil, wie man sich in Deutschland die Enkel und Urenkel der Ermordeten am besten vom Leib hält.

Vor eineinhalb Jahren hat zum ersten Mal ein Sinto im Bundestag reden dürfen. Der alte Herr sprach vom vergessenen Holocaust an seinem Volk; mit dem Denkmal wird dieser Holocaust dem Vergessen entrissen. Der alte Herr klagte über die anhaltende Diskriminierung seines Volks; daran hat sich nichts geändert. "Wir sind doch Europäer!" hat Zoni Weisz gerufen. Die EU, die sich als Raum des Rechts, der Sicherheit und Freiheit begreift, muss den Sinti und Roma genau dies geben: Recht, Sicherheit, Freiheit.

Abschiebepolitik ist eine Aus-den-Augen-aus-dem-Sinn-Politik. Der Sinn des neuen Denkmals ist daher auch ein Appell: denk mal - darüber nach, wie aus Verachtung Achtung werden kann.