Demos gegen Islamisten Rechts orientierte Wutbürger

Kurz vor der Dresdner Semperoper werden am Sonntag 7500 Islam-Gegner von Gegendemonstranten gestoppt. Die Polizei muss nicht eingreifen.

(Foto: Arno Burgi/dpa)

Hooligans, Rechtsextreme, aber auch Konservative: In Deutschland wächst die Sorge vor islamfeindlichen Protesten, bei denen sich Bürgertum und Neonazis vermischen. Forscher warnen vor der Massenbewegung, in der sich allgemeine Wut entlädt.

Von Cornelius Pollmer, Dresden, Jens Schneider, Berlin, und Jan Bielicki

Wer sich auf die Suche nach der Islamisierung des Abendlandes begibt, der wird an diesem Montag in Dresden nur im Galgenhumor fündig. Neben dem Treffpunkt des Bündnisses Pegida leuchtet im Abenddunkel die Werbetafel eines Kaufhauses. Bei "Ihr Teppichfreund" ist der Orient Auslegware, und das ist er, im übertragenen Sinne, auch für Lutz Bachmann.

Bachmann ist der Sprecher der "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes", die seit sieben Wochen zu "Spaziergängen" genannten Demonstrationen durch Dresden einladen. Immer mehr Menschen folgen dieser Einladung, am Montag sind es nach Angaben der Polizei 7500. Ihre Motive, ihre Sorgen, ihre Berechtigung? Ein schwieriges Feld, exemplarisch bestellt von Wortführer Bachmann.

Rechte Wutbürger: Was braut sich da zusammen?

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Islamismus, Zuwanderung, Altersarmut - alles Auslegware

In seiner Rede stellt er den angeblich "voll ausgestatteten" Unterkünften für Asylbewerber jene verarmten deutschen Rentner entgegen, die sich in der Weihnachtszeit "noch nicht mal ein Stück Stollen leisten" könnten. Das mag rhetorisch gewieft sein, faktisch ist es nicht mehr als abenteuerlicher Populismus. Diesem zu Grunde liegt die Annahme, dass jeder noch so eigenwillig gewählte Bezug seine Gültigkeit haben kann. Islamismus, Zuwanderung, Altersarmut - alles Auslegware.

Bachmann und Pegida verfangen aus vielen Gründen. Zum einen bedient das Bündnis die Wahrnehmung seiner Anhänger, die Politik würde sich nicht mehr um das kümmern, was die 7500 in Sprechchören zu sein behaupten: das Volk. Zweitens ist es die konsequente Verknappung komplexer Sachverhalte, die Pegida Zulauf bringt.

Drittens ist es das von Pegida vermittelte Gefühl, mit den schlichten und einfachen Antworten auch schlicht und einfach im Recht zu sein. So fühlen sich viele der Anhänger von dem Glauben getragen, Courage zu zeigen, wo anderen der "Mut zur Wahrheit" fehle.

Diesen hat Lutz Bachmann in diesen Tagen zwangsweise gefunden. Der Mann, der für eine schnellere Abschiebung straffälliger Asylbewerber eintritt, saß selbst mehrmals in Haft. Einmal floh er vor der Haft nach Südafrika, verrät er auf der Pegida-Homepage und in Bild. Ein anderes Mal, schreibt die Sächsische Zeitung, habe er vor Gericht gestanden, weil er mit Koks erwischt worden war.