CSU-Vize statt Christian Schmidt Gauweiler lehnte Agrarministerium ab

Peter Gauweiler (Archiv 2011): Seehofers zweite Wahl für das Amt des Landwirtschaftsministers

Deutschlands neuer Landwirtschaftsminister Schmidt kann lediglich darauf verweisen, dass sein Großvater mütterlicherseits einen Bauernhof hatte - und er schon mal eine Kuh kalben gesehen hat. Nun stellt sich heraus: Vor Schmidt fragte CSU-Chef Seehofer auch seinen Stellvertreter Peter Gauweiler, ob er ins Bundeskabinett wolle.

Von Robert Roßmann, Berlin

Am Freitag ist Hans-Peter Friedrich als Agrarminister zurückgetreten, am Montag wurde Christian Schmidt zu dessen Nachfolger ernannt. So weit, so bekannt. Was in den knapp 72 Stunden dazwischen passiert ist, war bisher allerdings noch nicht so klar. Am Mittwoch lüftete sich der Schleier - zum Vorschein kam ein durchaus überraschendes Detail.

Nach Friedrichs Rücktritt waren mehrere Kandidaten für dessen Nachfolge gehandelt worden. Als Favoriten galten Entwicklungshilfeminister Gerd Müller, die CSU-Agrarexpertin Marlene Mortler sowie die Staatssekretäre Stefan Müller, Christian Schmidt und Dorothee Bär.

Inzwischen weiß man, dass Müller und Mortler gar nicht ernsthaft zur Debatte standen. Müller macht in seinem neuen Ministerium gute Arbeit - und sollte deshalb nicht gleich wieder wechseln müssen. Und Mortler ist noch nicht einmal Staatssekretärin, sie ist derzeit lediglich Drogenbeauftragte der Bundesregierung. Der Sprung auf einen Ministersessel wäre zu groß gewesen.

Bereits am Montag war bekannt geworden, dass Seehofer Gerda Hasselfeldt gefragt hat, ob sie ins Kabinett wechseln wolle. Doch die CSU-Landesgruppenchefin lehnte das Angebot ab, sie genießt lieber weiterhin die Freiheiten ihres jetzigen Amtes. Seehofers nächster Anruf ist aber eine Überraschung. "Ich habe auch Peter Gauweiler gefragt, der das Angebot aber ablehnte", sagte der CSU-Chef am Mittwoch.

Weiterhin keine Frau als Minister? Stört Seehofer nicht

Deshalb waren auf einmal nur noch die drei Staatssekretäre Schmidt, Müller und Bär im Rennen. Alle drei sind Franken - genauso wie der geschasste Friedrich. Der Regionalproporz im Bundeskabinett wäre also mit jedem von ihnen gewahrt geblieben.

Müller und Bär sind erst seit Mitte Dezember im Amt, der eine im Bildungsministerium, die andere im Verkehrsressort. Außerdem haben beide noch viele Chancen zum politischen Aufstieg. Müller ist erst 38 Jahre alt, Bär sogar nur 35.

Seehofer entschied sich für Schmidt. Der Mann ist bereits seit 2005 Staatssekretär. Er hat Erfahrungen mit vier Ministern in zwei Ressorts. Außerdem sitzt der 56-Jährige schon seit 1990 im Bundestag. Dort hat er sich als Experte für die Außen- und Verteidigungspolitik ausgezeichnet.

Dass mit Schmidts Wahl auch weiterhin keine Frau unter den CSU-Ministern ist, störte Seehofer nicht.

Auch die fehlende Fachkompetenz des neuen Ressortchefs war kein Problem. Schmidt kann bisher lediglich darauf verweisen, dass sein Großvater mütterlicherseits einen Bauernhof hatte - und er schon mal eine Kuh kalben gesehen hat. Wegen seiner langen Erfahrung als Staatssekretär wird Schmidt trotzdem zugetraut, das Agrarministerium gut zu führen.